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Ein hochkarätig besetztes Symposium im Angermünder Krankenhaus diskutiert neue Wege der Therapien für psychisch kranke Menschen.

Psychiatrie
Auffangen statt abhängen

10. Angermünder Psychiatrietag: Das Jubiläum wird musikalisch umrahmt von Musikern, die auch Therapeuten sind.
10. Angermünder Psychiatrietag: Das Jubiläum wird musikalisch umrahmt von Musikern, die auch Therapeuten sind. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 25.05.2019, 06:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Depressionen, Suchterkrankungen, Angststörungen ... seit Jahren steigt die Zahl psychischer Erkrankungen an. Das mag zum einen daran liegen, dass Betroffene sich heute häufiger trauen,  eine fachärztliche Behandlung anzunehmen, statt still und heimlich zu leiden. Vor allem aber liegt es daran, dass tatsächlich immer mehr Menschen dem gesellschaftlichen Strukturwandel, der Schnelllebigkeit und dem wachsenden Druck seelisch nicht mehr standhalten und krank werden. Depressionen und Flucht in die Sucht sind die Folgen. "Seelische Erkrankungen sind heute zum Glück kein Tabu mehr. Doch es erfordert immer noch sehr viel Aufklärung, um Verständnis für psychisch kranke Menschen zu wecken, sie aufzufangen, statt abzuschieben und ihnen Teilhabe zu ermöglichen", sagt Marita Schönemann. Die Chefin des Medizinisch-Sozialen Zentrums Uckermark, zu dem das Krankenhaus Angermünde gehört. Sie ist gemeinsam mit dem Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie-/somatik und Suchtmedizin, Dr. Martin Sandner, Gastgeber des nunmehr 10. Angermünder Psychiatrietages. Dieses Jubiläum bot am Freitag Anlass, auf die Erfolgsgeschichte dieses Symposiums zurückzublicken, das in seiner Größe und hochkarätigen Besetzung Vorreiter in ganz Deutschland ist.

Zehn Jahre Angermünder Psychiatrietag, das sind über 1500 Gäste, vom Klinikarzt über niedergelassene Psychiater, Psychologen bis zu Therapeuten, Sozialarbeitern und Pflegepersonal, die aus der ganzen Uckermark, dem Barnim, Märkisch Oderland und weiteren Regionen anreisen. Das sind insgesamt 25 Fachvorträge mit renommierten Referenten aus ganz Deutschland sowie 25 Praxisworkshops, die die Theorie vertiefen. Weiterbildung und Informationen über neue Forschungen, Therapiemöglichkeiten und auch ethische Fragen sind ein Anliegen dieses Fachtages. Darüber hinaus geht es darum, dass sich Fachleute kennenlernen, Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen können.

Frei von Industriesponsoring

Initiiert wurde der Angermünder Psychiatrietag 2009 das erste Mal von Chefarzt Dr. Sandner, der die Veranstaltung mit seinem Team des Angermünder Krankenhauses organisiert. Finanziert wird das Symposium vom MSZ und der Trägergesellschaft für Leben und Gesundheit GLG, sodass für die Teilnehmer keine Kosten entstehen und die Veranstaltung unabhängig von Industriesponsoring ist. Auch das macht den Angermünder Psychiatrietag so besonders.

In diesem Jahr standen neue Wege in der Psychotherapie und Traumatherapie im Mittelpunkt, die ein besseres Verständnis zwischen Therapeuten und Patienten und wirkliche Veränderung bewirken können. Dafür konnte Dr. Martin Sandner zwei erfahrene Experten als Referenten gewinnen. Prpfessor Dr. Jürgen Körner ist Psychoanalytiker und Professor für Sozialpädagogik an der Freien Universität Berlin, Gründer und Herausgeber des "Forum der Psychoanalyse". Er hat viele Jahre selbst eine psychiatrische Klinik geleitet und mit delinquenten Jugendlichen gearbeitet. Durch seine Tätigkeiten hat er Erfahrungen mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten und teilweise auch schweren Krankheitsbildern und reicherte seinen Vortrag mit vielen Fallbeispielen an. Er ging dabei auch auf die drei wesentlichen Schritte in der Therapie ein, die Einsicht der Patienten zur Eigenverantwortung, prägende Beziehungserfahrungen, die bewusst werden müssen sowie den notwendigen Mut zur Veränderung.

Zweiter Referent war Prof. Dr. Reinhard Plassmann, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Psychoanalytiker, der an der Uni Kassel lehrt und eine eigene psychotherapeutische Praxis führt. Er widmete sich der Traumatherapie und Verarbeitung von Emotionen. Den Vorträgen schlossen sich Workshops an. So wurde die Betreuung chronisch psychisch Kranker in der Wohnstätte Criewen vorgestellt, sowie spielerische Bewegungstherapien in Kooperation von Ärzten und Ergotherapeuten im Krankenhaus Angermünde demonstriert.

In den Pausen gab es einen Ausblick auf den 11. Angermünder Psychiatrietag im Mai 2020, der sich der "Stigmatisierung psychisch Kranker" widmet.

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