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Nach mehrstündiger Abwägung stimmt die Rüdnitzer Gemeindevertretung der Bebauung der "Sechsrutenstücke" zu. Unterschriftenliste überreicht.

Planung
Marathon für Rüdnitzer Wohngebiet

Die Dorfstraße nach Lobetal: Sie gehört nicht zum neuen Wohngebiet "Sechsrutenstücke". In der Gemeindevertretersitzung diente sie unter den Besuchern als Vergleich. Der Verkehr sei noch erträglich, so ein Kommentar.
Die Dorfstraße nach Lobetal: Sie gehört nicht zum neuen Wohngebiet "Sechsrutenstücke". In der Gemeindevertretersitzung diente sie unter den Besuchern als Vergleich. Der Verkehr sei noch erträglich, so ein Kommentar. © Foto: Sergej Scheibe
Olav Schröder / 25.05.2019, 06:45 Uhr
Rüdnitz In der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl hat die Rüdnitzer Gemeindevertretung den Bebauungsplan für das künftige Wohngebiet "Sechsrutenstücke" beschlossen. Bei zehn Ja- und drei Gegenstimmen fiel die Entscheidung klar aus. Zuvor fand eine ausführliche Abwägung der insgesamt eingegangenen 38 Stellungnahmen von Bürgern, Behörden und Verbänden statt. Anwohner übergaben zudem eine Liste mit 110 Unterschriften. Gefordert wurde eine Aufschiebung der Entscheidung und die Beibehaltung des dörflichen Charakters der künftigen Siedlung.

Die Debatte um die Bebauung der brach liegenden "Sechsrutenstücke", einem Areal, das bereits von Bebauung umgeben ist, wird seit mehr als zwei Jahren geführt. In dieser Zeit wurden die ersten Entwürfe bereits verändert, so wurde beispielsweise der Anteil der öffentlichen Grünfläche des 7,3 Hektar großen Plangebiets von 9000 auf mehr als 13 000 Quadratmeter erhöht.

Die Dichte der Bebauung, Verkehrsfragen, der Standort der Kita, der Natur- und Umweltschutz, die Abwassererschließung sowie die Versiegelung waren gleichwohl Schwerpunktthemen in den Stellungnahmen, die von Rüdnitzer Anwohnern zu dem ausgelegten Entwurf eingereicht wurden.

Die Frage nach einer Vertagung bewerteten mehrere Gemeindevertreter und auch das Planungsbüro skeptisch. Da die neue Gemeindevertretung voraussichtlich erst im Spätsommer arbeitsbereit sein wird, könnte dann bereits ein neuer Landesentwicklungsplan zur Hauptstadtregion vorliegen, der die Bauentwicklung der Gemeinde Rüdnitz einschränkt.

Vermisst wurde von Anwohnern ein Verkehrskonzept für die Sechsrutenstücke, einschließlich der Berücksichtigung umliegender Straßen. Ein solches Konzept werde auch in Auftrag gegeben, erfuhren sie. Zuverlässliche Aussagen seien jedoch nur möglich, wenn der Bebauungsplan als Grundlage für die kostenpflichtige Analyse vorliege. Planer André Nerlich von der W.O.W. Kommunalberatung und Projektbegleitung Bernau wies darauf hin, dass auch für den Bebauungsplan bereits die Verkehrssituation ermittelt wurrde, einschließlich einer schalltechnischen Untersuchung. Demnach reiche das äußere Straßennetz grundsätzlich aus, um den zusätzlichen Verkehr – einschließlich einer Kita – aufnehmen zu können. Nach der weiteren Prüfung könnten zusätzlich Verbesserungen zum Beispiel an Einmündungen vorgenommen werden.

Ob die Kita tatsächlich im neuen Wohngebiet entstehen wird, wird nicht mit dem Bebauungsplan festgelegt, hießt es weiter. Dieser lasse zwar den Bau einer Kita zu und die derzeitige Beschlusslage sieht auch diesen Standort vor, darüber hinausgehende konkrete Beschlüsse müssten jedoch erst noch erfolgen.

In den Stellungnahmen wird deutlich, dass der Verlust des dörflichen Charakters befürchtet wird. Das Wohngebiet sei lediglich eine weitere isolierte Siedlung. Dem wird entgegnet, dass die "Sechsrutenstücke" Fußwege und Anbindungen an die Naherholungsflächen erhalte, Einrichtungen wie eine Kita, Arztpraxis oder ein Nahversorger möglich sind. Als grundsätzlicher Vorteil wird von den Befürwortern der Bebauung angesehen, dass die Gemeinde die Entwicklung des Gebiets steuern könne, da die Grundstücke nicht an einen Investor verkauft, sondern in Erbbaupacht an die künftigen Bauherrn abgegeben werden. Dies soll zudem in Etappen geschehen.

Die Abfall- und Müllaltlasten im Bereich des Hügels, der eine Grünfläche bleiben wird, wurden durch Bohrungen ermittelt. Werden während der Bebauung des Umfelds Abfälle gefunden, müssen sie entfernt werden. Die mehrstündige Abwägung überzeugte nicht alle Gemeindevertreter. Begründet wurde dies damit, dass die Planung von einem Teil der Rüdnitzer nicht gewollt sei. Die Mehrheit stimmte ihr zu.

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