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Infrastruktur
Wo Züge und Lkw ihre Ladungen tauschen

Ina Matthes / 25.05.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 25.05.2019, 11:44
Frankfurt (Oder) (MOZ) Frankfurt (Oder) ist ein Knotenpunkt im grenzüberschreitenden Güterverkehr. Hier werden Transporte neu verteilt – eine polnische Firma managt das. In der Zukunft soll das Terminal erweitert und ein neues Verbindungsgleis gebaut werden.

Noch ist es ruhig an diesem Montagmorgen auf dem KV-Terminal in Frankfurt (Oder). Container stapeln sich. Der gewaltige grüne Kran, der sich wie ein Tor über das Gelände spannt, steht still. Auf den Gleisen sind Güterwagen aufgereiht. Eine Art Bahnhof in Wartestellung: Gegen Mittag wird er lebendig. Dann rollen die Züge ein – von Brest an der weißrussisch-polnischen Grenze oder Gdansk die einen, aus Richtung Rotterdam, Antwerpen, Duisburg oder Hamburg die anderen.

Im KV-Terminal tauschen Züge und Lkw ihre Ladungen. Frankfurt (Oder) ist ein Knotenpunkt im grenzüberschreitenden Güterverkehr.
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KV-Terminal in Frankfurt (Oder)

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Das Gelände in einem Gewerbegebiet am Stadtrand von Frankfurt (Oder) ist ein Knotenpunkt im grenzüberschreitenden Güterverkehr – ein sogenanntes KV-Terminal. KV steht für Kombinierter Verkehr. Züge und Lkw aus dem Osten treffen auf Züge und Lkw aus dem Westen. Hier werden ihre Ladungen gesammelt, neu geordnet und verteilt. Der grüne Portalkran hebt Container von einem Zug auf einen anderen – je nach Zielort. So werden beispielsweise Container eines Zuges aus Gliwice auf einen Zug nach Rotterdam verfrachtet. Der Zug aus Gliwice hingegen nimmt Ladung für Duisburg auf, weil das sein Ziel ist.

Manche Container werden auch zwischengelagert – sie stehen zwischen den vier Verlade-Gleisen des Terminals. "Bis tausend Standardcontainer können wir lagern", sagt Marek Poznanski, Direktor des Terminals. Poznanski kam vor zwei Jahren nach Franfkurt. Er arbeitet für den Betreiber des Terminals – "PCC Intermodal". Das Unternehmen unterhält fünf solcher Terminals, vier in Polen, einen in Frankfurt. Vor acht Jahren entschied sich die Stadt für die polnische Firma als Betreiber.

Eigentümer des Grund und Bodens und der Anlagen darauf  ist  die "tegece infra – Infrastruktur und Logistik GmbH Frankfurt (Oder)", eine städtische Gesellschaft. In den vergangenen Jahren wurde kräftig investiert. Mit Geld von Bund, Land, Stadt und Betreiber entstanden 2013/14 unter anderem der Portalkran, neue Gleise, zusätzliche Verladeflächen. Der grenzüberschreitende Transport wächst. Seit 2013 hat sich der Umschlag von Containern nach Angaben von "PCC Intermodal" verdoppelt. Im vergangenen Jahr sind circa 123 000 Standardcontainer – sogenannte TEU – umgeschlagen worden. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es 27 505 – für 2019 rechnet der Betreiber mit ähnlichen Zahlen wie 2018.

Eine deutsch-polnische Belegschaft hält den Betrieb am Laufen – 13 Deutsche und sieben Polen. Wer als Fremder auf das Betriebsgelände kommt, dem fällt der freundliche Umgangston auf. "Wir kommen gut miteinander aus", sagt Marek Poznanski. Und das inzwischen an sieben Tagen die Woche und rund um die Uhr. Container mit Chemikalien, Stahl, Holz, Elektroartikeln, Teilen für die Autoindustrie, Schüttgütern und vieles mehr werden umgeschlagen.

Meist wird von Zug zu Zug verladen, seltener kommen Güter per Lkw an. Sie machen nur fünf Prozent der hier bewegten Ladungen aus. "Der Transport per Lkw ist zwar teurer als mit der Bahn, aber Lkw sind flexibler und pünktlicher", erläutert Poznanski. Das liegt unter anderem daran, dass Personenzüge in Deutschland Vorfahrt vor Güterzügen haben. Betreiber von Güterzügen buchen eine Schienenstrecke, die sie in einer bestimmten Zeit befahren wollen. Wenn es aber zu Problemen im Personenverkehr kommt, Züge umdisponiert werden müssen, dann hat der Personenzug den Vorrang und der Güterzug muss warten.

Auch der Abbau von Schienenstrecken in den 1990er Jahren macht sich bemerkbar. Gerade für Branchen, die kaum Material lagern und auf pünktliche Lieferung angewiesen sind, wie die Autoindustrie, ist die Bahn deshalb nicht so attraktiv. "PCC Intermodal" würde gern mehr Ladungen vom Lkw auf die umweltfreundlichere Schiene bringen, doch neue Kunden dafür zu begeistern ist nicht so einfach, schildert Poznanski. Zumal die Bedingungen in Frankfurt trotz aller Verbesserungen am Terminal nicht optimal sind: Es gibt nur eine Brücke für den Zugverkehr über die Oder. Die Güterzüge müssen außerdem über den Frankfurter Personenbahnhof zum KV-Terminal fahren. Es gibt nur ein Zuführungsgleis. Muss dort gebaut werden, ist die einzige Zufahrt blockiert.

Poznanski hofft hier auf Verbesserung und den Bau eines zweiten Verbindungsgleises. Darüber ist der Eigentümer des Terminals, "tegece infra" im Gespräch mit der Bahntochter DB Netz AG. Auch das Terminal soll erweitert werden. Der Bau eines zweiten Portalkrans, der den Güterumschlag beschleunigen soll, ist in Planung.  Außerdem hat die tegece infra vor, Gleisanlagen zu modernisieren, zusätzliche Abstellkapazitäten für Güterzüge und eine neue Zufahrt für Lkw zu schaffen.

Derzeit laufen Planungen für ein weiteres Terminal für das Verladen von Lkw-Trailern. Es gibt Sattelauflieger, die direkt auf Züge verladen werden können, erläutert Robert Berger von "tegece infra": "Das Ziel ist, mehr Verkehr vom Lkw auf die Schiene zu bekommen." Vor allem im Lkw-Verkehr über lange Distanzen sieht Berger künftig Potenziale. Platz für Erweiterungen jedenfalls gibt es. "Unsere Zielvorstellung ist, die Ausbaupläne bis 2025 umzusetzen", sagt Berger. Ein Vorhaben, das mit der Stadt verwirklicht werden soll.

Neben dem Aufbau neuer Anlagen könnte auch der Abbau bürokratischer Hürden den Verkehr flüssiger machen. Um einen Zug über die Grenze zum KV-Terminal zu bekommen, sind mehrere Firmen nötig. Kurz vor der Grenze, auf polnischer Seite muss zunächst die Lok gewechselt werden. Das hat zum einen technische Gründe: Polnische Elektroloks fahren mit einer anderen Spannung als E-Loks in Deutschland.

Aber auch rechtliche: Auf deutschen Schienen dürfen nur in Deutschland zugelassene Schienenfahrzeugbetreiber verkehren. Also wird auch der Lokführer gewechselt und ein in Deutschland zugelassenes Unternehmen übernimmt den Zug und fährt ihn zum Frankfurter Personenbahnhof. Dort wird er dann an ein weiteres Unternehmen übergeben, das die E-Lok gegen eine Diesellok tauscht. Die Strecke vom Bahnhof zum KV-Terminal ist nicht elektrifiziert.

Ziemlich viel Aufwand für rund 500 Meter Schienenweg, findet Marek Poznanski. Er wünscht sich weniger Bürokratie in Europa "damit der Verkehr an der Grenze reibungsloser abläuft."

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