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Sachverständiger
"Er ist antisozial, nimmt keine Rücksicht"

Wird er wegen Mordes verurteilt? Angelo S., hier mit Anwalt Alrik Kohrs, räumt die Vernachlässigung seiner Tochter ein, bestreitet aber, ihr bewusst Verletzungen zugefügt zu haben.
Wird er wegen Mordes verurteilt? Angelo S., hier mit Anwalt Alrik Kohrs, räumt die Vernachlässigung seiner Tochter ein, bestreitet aber, ihr bewusst Verletzungen zugefügt zu haben. © Foto: Mathias Hausding
Mathias Hausding / 25.05.2019, 08:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Vor anderthalb Jahren wurde die kleine Emily aus Eberswalde zu Tode misshandelt. Jetzt steht das Urteil gegen ihren Vater bevor.

Im seit zehn Monaten andauernden Strafprozess um die Tötung der kleinen Emily aus Eberswalde zeichnet sich eine baldige Urteilsverkündung ab. Am Freitag stellte der psychiatrische Sachverständige vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) sein Gutachten über den Angeklagten vor. Am Mittwoch könnten die Plädoyers gehalten und anschließend das Urteil gesprochen werden. Die Kammer hatte Ende 2018 mitgeteilt, dass für den 29 Jahre alten Vater, ursprünglich wegen Kindesmisshandlung angeklagt, eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht komme.

Die damals zweieinhalb Jahre alte Emily aus Eberswalde wurde im Oktober 2017 völlig abgemagert und schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Not-OP brachte keinen Erfolg. Einige Monate später erlag das Kind seinen erlittenen Hirnschädigungen. Angelo S. wird in der Anklageschrift vorgeworfen, Emily "böswillig vernachlässigt" zu haben. Es sei ihm schlichtweg egal gewesen, was aus ihr wird.

Der Sachverständige Horst Ihloff erklärte Angelo S. am Freitag für voll schuldfähig. Es lägen keine Anhaltspunkte für schwere psychische Erkrankungen oder Schwachsinnigkeit vor. Allerdings erfülle der Angeklagte gemäß eines international gängigen Tests die Kriterien eines Psychopathen. "Er ist antisozial, nimmt keine Rücksicht auf die Interessen seiner Mitmenschen." Zwar sei er in der Lage, Bedürfnisse anderer zu erkennen, aber er blende sie aus, wenn sie ihm nicht passen.

Der Sachverständige ging auch auf die Biografie des 1989 in Oranienburg geborenen Angeklagten ein. Nach der frühen Trennung seiner Eltern lebte er bei seinem Vater. Die Familie zog mehrmals um, die Schulwechsel taten Angelo S. offenbar nicht gut. Ab der 7. Klasse begann er zu schwänzen, nahm Alkohol und andere Drogen zu sich, verließ die Schule mit dem Zeugnis der 8. Klasse, machte Gelegenheitsjobs und geriet auf die schiefe Bahn. 14 Einträge umfasst sein Strafregister – von Diebstahl über Betrug bis hin zu Körperverletzung und Nötigung. Der Sachverständige sieht jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen diesen Taten und der Misshandlung seiner Tochter, die sich aus einer besonderen Form der Überforderung ergeben habe.

Die Staatsanwaltschaft hält dem Eberswalder 38 Taten vor. Er habe seine Tochter hilflos im Stich gelassen, sie "als Störfaktor und lästiges Übel behandelt". Immer wieder habe er sie angebrüllt und "mit der flachen Hand wuchtig ins Gesicht geschlagen". Mal fütterte er sie längere Zeit nicht, dann wieder wollte er sie zwangsweise ernähren. Er habe keine Lust gehabt, sich um Emily zu kümmern.

Zum Schlafen habe er sie zeitweise ans Bett gefesselt und das Seil an ihrem Arm erst am nächsten Morgen wieder gelöst. In einem Fall soll er ihr eine Tür mit Wucht gegen den Kopf geschlagen haben. Obwohl Emily daraufhin über Stunden benommen gewesen sei, habe er gleichgültig reagiert, auf medizinische Hilfe verzichtet. "Emily gehörte nicht mehr zur Familie", lautet die Erklärung der Ankläger für die Gewaltorgie.

Da die leibliche Mutter Emily nicht gewollt habe, sei das alleinige Sorgerecht an Angelo S. gegangen. Er habe sich das so gewünscht. Aber als er mit einer neuen Frau und deren zwei Kindern zusammenzog und dann noch ein gemeinsames Baby geboren wurde, sei Emily fortan unerwünscht gewesen.

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