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Benjamin Raschke von der Enquetekommission "Ländlichen Räume" hat sich über die Pläne zur Wriezener Bahn informiert.

Wriezener Bahn
Streckeneigentümer kritisiert Land

Vor dem Wriezener Bahnhof: der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (r.), hier mit dem Wriezener Bürgermeister Karsten Ilm, dem Unternehmer und Gemeindevertreter Alexander Rosenthal aus Bliesdorf sowie Rechtsanwalt Ulrich Bente als Vertreter der Wriezener Bahn (v. l.)
Vor dem Wriezener Bahnhof: der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (r.), hier mit dem Wriezener Bürgermeister Karsten Ilm, dem Unternehmer und Gemeindevertreter Alexander Rosenthal aus Bliesdorf sowie Rechtsanwalt Ulrich Bente als Vertreter der Wriezener Bahn (v. l.) © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 26.05.2019, 11:00 Uhr
Wriezen (MOZ) Dass sich auf die recht kurzfristige Einladung zur Begehung der Bahnlinie mit einem Vertreter des Streckeneigentümers am Donnerstagnachmittag etwa ein Dutzend Teilnehmer vor dem Wriezener Bahnhof eingefunden hatten, überraschte den Spreewälder Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke von Bündnis 90/Die Grünen, Sprecher für ländliche Räume, dann doch etwas. Im Rahmen seiner Arbeit in der Enquetekommission "Ländlichen Räume" wollte er sich vor Ort ein Bild von den Plänen zur Reaktivierung der Wriezener Bahn machen.

Und bekam immer wieder zu hören: "Wir wollen sie." Ob von Wriezens Bürgermeister Karsten Ilm (CDU) oder den beiden Amtsdirektoren Karsten Birkholz (Barnim-Oderbruch) und Holger Horneffer (Falkenberg-Höhe). Oder weiteren Anwesenden wie zum Beispiel Wriezens Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Skor (Bürger für Wriezen und Barnim-Oderbuch), Torsten Kindler, für die SPD Mitglied im Wriezener Bauausschuss, Jürgen Trakat, bündnisgrüner Kreistagskandidat aus Neuhardenberg, Steffen Blunk, der in Wriezen auch für die Stadtverordnetenversammlung antritt, oder Alexander Rosenthal, Unternehmer und Gemeindevertreter aus Bliesdorf. Als Immobilienentwickler hatte er dem Berliner Schienenfahrzeug-Experten Montaplan das Bahngelände in Wriezen empfohlen. Dessen Geschäftsführer Reinhard Dilger war bereits bei der Sitzung der Stadtverordneten im April dabei, die mit mehreren Beschlüssen dann auch erste Weichen zugunsten des Investors stellten.

Die drei Hauptverwaltungsbeamten machten am Donnerstag zudem deutlich, dass sie auch im Namen von Bad Freienwalde sprechen, dessen Bürgermeister Ralf Lehmann (CDU) verhindert war. Zudem verwies Karsten Ilm auf das im April erarbeitete Positionspapier zur "Initiative Metropolregion Barnim-Oderbruch", dem sich Werneuchen angeschlossen hat. Entsprechende Signale gebe es auch aus Ahrensfelde. Beide Kommunen liegen im Nachbarkreis Barnim.

"Sie wollen die Wriezener Bahn und wir wollen sie geben", erklärte Rechtsanwalt Ulrich Bente als Vertreter der Wriezener Bahn GmbH & Co. Betriebs KG. Erinnert wurde ebenfalls daran, dass die 33 Kilometer lange Verbindung zwischen Werneuchen und Wriezen in der in dieser Woche veröffentlichten Liste reaktivierungswürdiger Strecken des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen mit der Priorität B (hoch) aufgenommen worden ist. Als Gründe werden die Erschließung weiteren Fahrgastpotenzials durch Verlängerung bestehender Bahnlinien sowie die Erschließung einer bisher unterversorgten Region zur Herstellung eines besseren Grundangebotes im öffentlichen Verkehr genannt.

Kritik gab es in der Runde am Donnerstag deshalb auch an der Antwort auf eine Anfrage des bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Michael Jungclaus vom April. Die Landesregierung hatte darin unter anderem mitgeteilt, dass sie nicht beabsichtigt, eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Wriezener Bahn in Auftrag zu geben. "Die Stellungnahme des Landes ist zu mehr als 50 Prozent falsch", erklärte Ulrich Bente. "Die Fahrzeit bis nach Ostkreuz beträgt 60 Minuten." Mit einer Kreuzung in Werneuchen wäre sogar ein Stundentakt nach Berlin möglich. Wichtig sei ein Gutachten vorab. Außerdem dürfe man sich nicht an den zuletzt acht Fahrgästen pro Zug orientieren. Der Betrieb zwischen Wriezen und Tiefensee war 1998 eingestellt worden "Für die Ortsumgehung muss das Land eine Brücke zur Verfügung stellen", sagte Bente und fügte hinzu: "Die noch vorhandene Strecke ist in einem ordentlichen technischen Zustand. Machbar ist alles."

Benjamin Raschke, der über den Abschlussbericht der Enquetekommission und die Empfehlung darin berichtete, den Schienenpersonennahverkehr als zentralen Bestandteil des Verkehrs im ländlichen Raum und als umweltverträglichen Verkehrsträger zu stärken, nahm zahlreiche Anregungen für weitere Fragen an die Landesregierung mit.

Kommentar: Eigendynamik entwickelt

Es ist manchmal schon verblüffend, was bei Vor-Ort-Terminen ans Licht kommt. Etwa, dass die gesamte Strecke der Wriezener Bahn selbst über die Eisenbahnbrücke Neurüdnitz-Siekierki bisher nicht entwidmet ist. Da kommt schon mal der Gedanke auf, den heutigen Radweg wieder vom Bahndamm zu nehmen und neben der Strecke neu zu errichten. Klingt verrückt, aber so etwas schlagen selbst die Verfasser des vom Verband deutscher Verkehrsunternehmen herausgegebenen Papiers vor. Das ist natürlich mehr als Zukunftsmusik. Wobei, die spielte bei der Begehung jetzt in Wriezen auch schon mit. Selbst wenn auf polnischer Seite die Probleme zurzeit noch größer sind, Strecken zu reaktivieren, ein Stück Gleis bis ans andere Ufer hielten einige der Spaziergänger für möglich. Doch zuerst dürfte es den Unterstützern der Wriezener Bahn um die Reaktivierung der Strecke von Werneuchen bis nach Tiefensee gehen. Das Teilstück erscheint am unproblematischsten, denn kurz vor Wriezen ist die Verbindung wegen der Bundesstraße 167 seit mehr als 20 Jahren unterbrochen. Doch eine Brücke über die Bahn sei technisch möglich, heißt es. Das Vorhaben um die Reaktivierung entwickelt eine überraschende Dynamik. So wird bereits nach Finanzierungsmöglichkeiten für die Machbarkeitsstudie gesucht.⇥Anett Zimmermann

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