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Kindesmissbrauch
Der Albtraum aller Eltern

Polizeiwagen stehen in Potsdam vor dem Möbelhaus.
Polizeiwagen stehen in Potsdam vor dem Möbelhaus. © Foto: dpa/Paul Zinken
Mathias Hausding / 27.05.2019, 11:36 Uhr - Aktualisiert 28.05.2019, 11:45
Potsdam (MOZ) Es geschah am Sonnabend gegen 15.30 Uhr in einem Möbelhaus in Potsdam-Drewitz. Die sechs Jahre Vivian (Name geändert) ist mit ihrem Vater, zwei Geschwistern und einem weiteren Kind einkaufen. Als sie gemeinsam mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss fahren wollen, rennt Vivian los und steigt allein in den Aufzug. Der Vater kommt nicht rechtzeitig hinterher. Er sieht sie noch, wie sie unten in Richtung Ausgang läuft. Als er unten ankommt, ist sie weg.

Es folgt eine 22-stündige Suchaktion, an deren Ende das Mädchen lebend gefunden wird. Nach einer medizinischen Untersuchung geht die Staatsanwaltschaft am Montag davon aus, dass Vivian entführt und sexuell missbraucht worden ist. „Wir ermitteln wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs an dem Kind“, sagt Markus Nolte, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam. Bei dem bereits am Sonntag festgenommenen Verdächtigen handelt es sich um einen 58 Jahre alten Deutschen, der schon seit vielen Jahren in dem Kiez leben soll. Der Mann konnte laut Nolte „aus persönlichen Gründen“ noch nicht verhört werden. Was damit gemeint ist, bleibt zunächst offen. Vermutlich ist der Mann in einem nicht vernehmungsfähigen Zustand.

Nach dem Verschwinden hatte die Familie am Sonnabendnachmittag zunächst allein nach dem Kind gesucht. Am frühen Abend alarmierte der Vater die Polizei. Sie suchte das Mädchen mit 70 Leuten. Der Möbelmarkt wurde mehrfach von oben bis unten abgesucht. Orte, an denen sich das Mädchen oft aufhielt, wurden unter die Lupe genommen. Auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera und eine Drohne waren im Einsatz. Freunde und Bekannte der Familie wurden befragt, auch Spielkameraden von Vivian.

Am Sonntag gegen 13.45 Uhr kam die erleichternde Nachricht: Das Mädchen ist gefunden, und es lebt. Eine Polizistin hatte die Sechsjährige in einer Plattenbausiedlung erkannt, wenige hundert Meter von dem Möbelmarkt und der Wohnung der Familie entfernt. „Sie hat geweint, als sie auf der Treppe vor einem Haus gefunden wurde“, sagte ein Behördensprecher. In dem Gebiet hatten die Beamten bereits Keller und Hauseingänge durchsucht.

Hat sich das Kind selbst befreit?Laut Medienberichten soll das Mädchen später der Polizei gesagt haben, dass sie „geklaut“ worden sei. Sie habe sich selbst befreit, aus einer Wohnung in dem Viertel herausgeschlichen. Nach Polizeiangaben wurde das Kind von geschulten Ermittlerinnen behutsam befragt und von Medizinern untersucht. Dabei wurden demnach Verletzungen festgestellt, die auf sexuellen Missbrauch hindeuten.

Der Beschuldigte wurde am Montag einem Richter vorgeführt. Es erging Haftbefehl. Ob er bereits vorbestraft oder anderweitig polizeibekannt ist, wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht sagen. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte er auch keine Angaben dazu, wie die Polizei ihm auf die Spur gekommen ist. Zum Zustand des Mädchens gab es Montag aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine weiteren Informationen. „Es ist verletzt“, teilte die Staatsanwaltschaft lediglich mit.

Nach Angaben der „Initiative vermisste Kinder“ gehen bei der deutschen Polizei pro Jahr mehr als 100 000 Vermisstenanzeigen ein, die Kinder und Jugendliche betreffen. Den größten Anteil von bis zu 98 Prozent dieser Fälle machen Mädchen und Jungen aus, die aus eigenem Antrieb ihr Umfeld verlassen.

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