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Drei Jahre nach ihrem ersten Film über syrische Flüchtlingsfamilien in Golzow haben Markus Woller und Michael Lietz nun den zweiten Teil gedreht.

Integration
Nour will Ärztin werden

Ulf Grieger / 04.06.2019, 14:20 Uhr
Golzow (MOZ) Für die rbb-Reporter Michael Lietz und Markus Woller wird es zum Schluss der Dreharbeiten für ihren zweiten Golzow-Film noch einmal hektisch. Anders als im ersten Teil von "Golzows neue Kinder" konzentrierten sich die Filmemacher auf die Familie der jetzt zwölfjährigen Nour Alahmad-Alhammash, ihre beiden jüngeren Brüder Tasnim und Mohamad sowie die Eltern Mervad und Machmut. Die Zeugnisübergabe in Nours Klasse am 18. Juni wollen die beiden noch drehen und aktuell mit in den Film einarbeiten, bevor der dann am 19. Juni von 21.15 bis 21.45 Uhr im rbb-Fernsehen läuft.

Syrien bleibt ihre Heimat

Was kann man in 30 Minuten über eine Flüchtlings-Mädchen erzählen, das von vier Jahren die Grundschule so gut absolviert hat, dass sie nun auf das Gymnasium kommt? "Wir haben natürlich Rückblenden aus dem Material des ersten Films dabei. Denn man kann nicht voraussetzen, dass die Zuschauer den ersten Teil bereits gesehen haben", sagt Michael Lietz.

Bei der Durchsicht des Materials habe man viele Szenen entdeckt, die sich als sehr interessant herausstellten und sehr emotional sind. Die Filmemacher sind sehr beeindruckt von der Willensstärke und den reflektierten, fast schon erwachsen anmutenden Antworten von Nour. "Sie ist überzeugt, dass sie alles erreichen kann, wenn sie es nur will und alles daran setzt"  erzählt Michael Lietz. Nour will Ärztin werden und auch nach Möglichkeit in ihre Heimat zurückkehren. "Syrien ist für sie immer noch die richtige Heimat", betont Lietz.

Als Nour im Sommer 2015 mit ihrer Familie aus Damaskus nach Deutschland flüchtete, war sie verunsichert, heimatlos und sprach kein Wort Deutsch. Würde der Neuanfang im Oderbruch gelingen? Zumindest war die Grundschule "Kinder von Golzow" gerettet. Denn ohne neue Kinder wäre die berühmte Schule der Kinder von Golzow geschlossen worden. Sie schrieb durch die Regisseure Barbara und Winfried Junge DDR-Fernsehgeschichte.

Die rbb-Reporter haben wichtige Stationen begleitet: die Einschulung der drei Kinder, Nours erste Klassenfahrt, die ersten Freunde, die Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr. Sie begleiten auch Nours Eltern dabei, Arbeit zu finden und den Führerschein zu machen. Und natürlich auch den Umzug in eine größere Wohnung in Golzow. Alle müssen sich zurechtfinden in Golzow, das so anders ist als das aufregende Damaskus. Der Film "Golzows neue Kinder" von Michael Lietz und Markus Woller zeigt den langen Weg in eine neue Heimat - mitten im idyllischen Oderbruch.

Die Reportage findet nun erst einmal mit dem Verlassen von Nour ein vorläufiges Ende, erklären die Filmemacher. Sie finden es wichtig, dass in den Reigen der allgemeinen Berichterstattung zum Flüchtlingsproblem, das vor allem von den Berichten über Kriminalfälle und Abschiebungen geprägt ist, eine andere Geschichte erzählt wird. Die von der Aufnahme dieser Familie in das dörfliche Leben mit all seinen Besonderheiten.

Stets geachtet und respektiert

Nour hat den Filmemachern verraten, dass sie im Gymnasium selbstbewusst ihr Kopftuch tragen werde. Von sich aus und ohne elterlichen Zwang. Nour ist von ihren Gleichaltrigen immer geachtet und wegen ihrer guten Leistungen respektiert worden. Man wählte sie zur Klassensprecherin, machte sie zur Moderatorin von schulischen Höhepunkten wie dem Weihnachtssingen. Die Filmemacher waren dabei, als Nour gemeinsam mit anderen Kindern für das Education-Projekt geübt hat und sie durften dabei zuschauen, wie Nours Mutter Mervat ihr die Haare für die Zeugnisübergabe frisiert hat.

In Neuhardenberg hat die Kamera Nours Mutter dabei begleitet, als sie für ihren Führerschein geübt hat und ihren Mann Machmut bei seiner Arbeit als Fliesenleger in Frankfurt besucht. "Der Arbeitgeber von Machmut schwärmt von dem Mitarbeiter, lobt dessen Fleiß und Umsichtigkeit" so Lietz.

Ob der neue Film ähnlich dem ersten Teil auch wieder im Golzower Filmmuseum zu sehen sein wird, das steh noch nicht fest, so die Filmemacher. Möglich wäre es im Herbst.

Die rbb Reporter- Golzows neue Kinder, rbb, 19. Juni, 21.15 Uhr

Schlagwörter

Ärztin Markus Woller Flüchtlingsfamilie Michael Lietz Dreharbeit

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