Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Brandenburger Landeskonservator bereist Barnim und macht Station am Hobrechtsfelder Speicher, der allerdings nicht "national bedeutsam" ist.

Speicher
Riesen-Handy aus Stein

Andrea Linne / 07.06.2019, 06:45 Uhr
Hobrechtsfelde (MOZ) Die Hoffnung stirbt zuletzt. Dennoch stand den Mitgliedern des Fördervereins vom Naturpark Barnim die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Der Brandenburger Landeskonservator Thomas Drachenberg überbrachte während seines Besuches im Hobrechtsfelder Speicher am Donnerstag die Nachricht. Der Speicher wird von der Bundesregierung, die eine Kommission mit der Bewertung betraut hat, nicht als "national bedeutsames Kulturdenkmal" gesehen.

Zu wenige Mittel

Darauf hatten die Frauen und Männer um den Architekten Stefan Woehrlin gehofft. Denn der Denkmalschutz ist Landessache, neue Finanzierungsquellen für die Sanierung des historischen Baus wären wichtig gewesen. Zwar erhält der Förderverein Unterstützung aus dem Landestopf der Denkmalhilfe. Doch Landeskonservator Drachenberg räumt ein: "Für das ganze Land stehen uns hier nur 1,5 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung." Auch weitere Projekte, die auf der Reise des Trosses am Donnerstag mit Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege, des Kreises und der entsprechenden Kommunen, besucht wurden, hoffen auf Gelder. So standen neben dem Speicher auch der Altar der St.-Marienkirche in Bernau, das Vorlaubenhaus in Lüdersdorf und das Baudenkmal Borsighalle Eberswalde auf dem Plan. Dieser Prototyp weiterer Hallen hatte es auf die Liste als "national bedeutsames Kulturdenkmal" geschafft.

Dennoch konnte der Landeskonservator auch ermutigende Worte für die Aktiven in Hobrechtsfelde anbringen. Er sah in dem 1908 errichteten Speicher auch eine Art multifunktionales Handy aus Stein, das aufrecht in der Landschaft steht. Matthias Baxmann, der im Landesamt die technische und Industriedenkmalpflege verantwortet, wusste begeisternd zu erzählen. Er hatte den Speicher begutachtet und seine Fachmeinung schriftlich abgegeben. Im Speicher vereinten sich vier verschiedene Funktionen: Er war Mühle, Trockner, Wasser- und Getreidespeicher mit Riesenfahrstuhl. So gab es drei Wasserbehälter mit je acht Kubikmetern Volumen. Ob das der Nebelsprühanlage dient, die noch eingebaut werden muss, um den Brandschutz zu gewährleisten, ist offen.

Geplant ist auch die Erweiterung des Treppenhauses um einen Fahrstuhl. Dafür stehen Mittel von 225 000 Euro bereit. Große Sorgen, berichtete Stefan Woehrlin, machen neben dem Schwamm unter dem Trichterraum, der sich in einem früheren Holzbottich ausgebreitet hat, außerdem das Dach. Das würde mit mehr als einer Million Euro zu Buche schlagen.

Sich weiter zu bemühen, das war die Nachricht, die die Denkmalschützer überbringen konnten. Für die Sicherung des Gebäudes und die Schwammsanierung dürfe weiter auf die Denkmalhilfe des Landes gehofft werden. An politische Entscheidungsträger heranzutreten, könne aber ebenso hilfreich sein. Auch der Landkreis und die Gemeinde Panketal unterstützen nach Möglichkeiten. Bürgermeister Maximilian Wonke war dabei und sagte: "Ich bin Agrarwissenschaftler und beeindruckt von diesem Beispiel der Kreislaufwirtschaft, die es heute kaum mehr gibt."

Auch Baxmann betonte, wie anschaulich an dem Speicher die Horizontal- und Vertikalförderung von Getreide sichtbar gemacht werden könne. Der Bau zeige innovativ die Möglichkeiten zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts auf. Allerdings fehle der Gesamtkontext, das Gut ist weitestgehend verschwunden, die Rieselfelder dem Naturpark Barnim gewichen. Dabei hatte der Speicher große Bedeutung für die Nahrungsmittelversorgung von Berlin und die Flächen für die Fäkalienentsorgung der Hauptstadt. In Brandenburg gibt es noch mehrere Speicher, unter anderem in Brüssow in der Uckermark. "Aber keiner ist so groß wie dieser", schätzte Matthias Baxmann ein.

Mühlentag am Montag

Wenn am Pfingstmontag der Mühlentag gefeiert wird, ist der Hobrechtsfelder Speicher erstmals dabei. In einer Dokumentation hat der Müller Jürgen Wolf aus Berlin-Marzahn dafür die Grundlage gelegt. Nun will sich der Kornspeicher beteiligen.

Von 10 bis 17 Uhr ist die Ausstellung im ersten Geschoss geöffnet, um 11 und um 14 Uhr gibt es Führungen auf den Turm zur Technik des Bauwerks. Um 17 Uhr geht es ab Scheune zu den Wildpferdgehegen. Eine Aktion zum Sammeln von Spenden für die weitere Sanierung ist darin eingeschlossen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG