Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

„Ein fremder Mann zählte meine Bäume“

Jörg Kühl / 24.08.2011, 07:12 Uhr
Doberburg (jök) Peter Willenberg wird ganz rot vor Zorn, wenn er über die Tätigkeit der Umweltbehörden auf seinem Privatgrundstück in Doberburg berichtet. „Eines Tages stand ein fremder Mann auf meiner Wiese und begann, die Bäume zu zählen.“ Da der Mann bei ihm nicht um Zutritt gebeten habe, habe der junge Landwirt ihn freundlich, aber bestimmt zu seinem Auto zurück eskortiert und um das Verlassen des Grundstücks gebeten.

Der „fremde“ Mann war in offizieller Mission auf Willenbergs Grundstück unterwegs: Die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg hatte das Ingenieurbüro Lederer aus Halle damit beauftragt, eine Bestandsanalyse von Tieren und Pflanzen am Doberburger Mühlenfließ zu tätigen. Ein Mitarbeiter des Büros hatte sich die Begebenheit vor Ort angesehen, und sich dabei auch auf Willenbergs Grundstück aufgehalten. Dies bestätigt Ulrich Schröder vom Naturschutzfonds (die Einrichtung ist eine landeseigene Stiftung, die zur Aufgabe hat, bestimmte Umweltschutzvorhaben umzusetzen). Die Stiftung sei generell bemüht, im Einvernehmen mit den Grundstückseigentümern zu handeln. Notfalls seien Naturschützer, die im behördlichen Auftrag handeln, aber laut Brandenburger Naturschutzgesetz berechtigt, ein Grundstück auch ohne Einwilligung zu betreten. „Aber es ist natürlich immer besser, vorher um Erlaubnis zu bitten“, so Schröder.

Vorgetragen wurde der Fall anlässlich einer Ortsbeiratssitzung in Doberburg zum Thema „Flora- und Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) Doberburger Mühlenfließ“. Seitdem die Behlower Wiesen und andere Flächen unter Naturschutz gestellt wurden und so der regulären landwirtschaftlichen Nutzung entzogen sind, sind die Doberburger nicht gut auf „Die Grünen“ zu sprechen, wie sie die Umweltfachleute in Behörden, Stiftungen und Verbänden, aber auch so manchen Forstmann pauschal bezeichnen. Geschichten, wie die des jungen Willenberg kursieren häufig in Gesprächsrunden. Auch in der jüngsten Ortsbeiratssitzung gab es emotionale Wortmeldungen zum Thema Umweltschutz.

Von den 35 Dorfstellen waren 23 Vertreter bei der Sitzung anwesend: Beinahe jede Familie hatte ein Mitglied entsandt. Das Gremium fasste nach der Diskussion folgende Entschlüsse: Die Bürger von Doberburg fordern, das FFH-Gebiet, das von Jessern kommend über Doberburg bis zum Großen Mochowsee reicht, solle zwischen der Friedrichshöhe und der Baroldmühle ausgesetzt werden. Außerdem sollen die Bürger Briefe an die Umweltbehörden verschicken, in denen sie eine Zurücknahme des FFH-Status auf ihren Flächen fordern. In dem Schreiben wollen die Bürger außerdem das unbefugte Betreten ihres Eigentums untersagen.

Dass den fraglichen Gebieten der FFH-Status aberkannt werden könnte, hält Ulrich Schröder von der Stiftung Naturschutzfonds für unwahrscheinlich, denn 1992 hätten sich die damaligen Staaten der EU verpflichtet, schützenswerte Flächen auszuweisen. Dies sei in einem mehrstufigen Verfahren bis 2004 unter Einbeziehung der Umweltbehördebn auf Bundes-, Landes- und Kreisebene geschehen. 2005 sei die Veröffentlichung in den Amtsblättern erfolgt. Seit dieser Zeit sind die ausgezeichneten Flächen FFH-Schutzgebiete, auch das Doberburger Mühlenfließ genieße seit dieser Zeit den Status. Im Mai 2009 sei der Naturschutzfonds mit dem FFH-Gebietsmanagement beauftragt worden. „Wir haben uns das nicht ausgedacht, wie setzen die EU-Rahmenrichtlinie lediglich um“, so Schröder.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG