Haben Sie die Ergebnisse der Wahl und ihre Folgen schon verarbeitet?
Marco Schulze: Nein. Dafür waren der Wahlabend und der Tag danach zu aufregend. Ich fühle mich wie früher nach einem Titelgewinn. Was passiert ist, realisierst du nicht so schnell. Ich bin einfach nur überwältigt, wie viel Vertrauen ich bekommen habe. Das sorgt für Gänsehaut. Ich bin so lange raus aus dem Boxen, und dennoch haben die Leute nicht vergessen, was ich damals als ,No Name‘ im Ring und später auch als Organisator von Box-Abenden geleistet habe. Dass ich in den Herzen und Köpfen geblieben bin, treibt mich an. Mich erwartet eine Riesenaufgabe, auf die ich mich freue.
Sind Sie dieser Riesenaufgabe gewachsen?
Der Wahlerfolg ist für mich eine riesige Ehre. Ich will beweisen, dass ich es kann. Klar ist es eine neue Aufgabe. Ich werde mir ein Team zusammenbauen mit Leuten, die Bock haben, da mitzuwirken. Unvorbereitet hat mich das auch nicht getroffen. Unser Kreischef Andreas Galau hat mir schon vor Monaten gesagt, dass ich ein großer Sympathieträger bin, und er sich vorstellen kann, dass ich alle überrumpeln werde. Ich war mir dessen bewusst, aber auf dem Schirm hatte ich es in der Form nicht. Irgendwie ist es wie früher: Als ich Boxprofi wurde, hat keiner an mich geglaubt. Doch ich habe Titel geholt und wurde Weltmeister. Und auch später als Organisator der WM-Fanmeile 2018 habe ich Eier und Mut bewiesen. Das ist in mir drin.
Mut allein wird nun nicht reichen. Wie sattelfest sind Sie denn bei Fragen der Kommunalpolitik?
Seitdem klar ist, dass ich kandidieren werde, habe ich mich aber intensiver mit der Materie beschäftigt. Ich war regelmäßig in der SVV, habe zugeguckt und alles auf mich wirken lassen. Und ganz ehrlich: Dieses Parlament ist kein Hexenwerk. Da sind aber Sachen auf dem Tisch, die nicht wichtig sind. Ob Katzen kastriert werden oder es ein Böllerverbot geben muss, mag auch im Interesse der Bürger sein. Aber lange sollte man sich daran nicht aufhängen. Es gibt wichtigere Themen, die angepackt werden müssen.
Welche Themen bewegen Sie denn?
Velten ist eine gespaltene Stadt, die wir zusammenfügen müssen mit gemeinsamen Festen und Veranstaltungen. So etwas verbindet. Da müssen alle Gastronomen und Vereine eingebunden werden. Bei der Kneipenmeile klüngelt jeder für sich. Und zu Halloween gibt es zwei Veranstaltungen in der Stadt. Das müssen wir zentralisieren. Ich bin Veltener und kenne die Sorgen und Fragen vieler Bürger.
Im Kreistag geht es um ganz andere Sachen. Haben Sie schon einmal etwas von der Kreisumlage gehört?
Das ist für mich schon alles Neuland. Das treibt mich aber an. Ich habe Lehrgänge zum Thema Kommunalpolitik besucht. Das  werde ich nun intensivieren, um mitreden zu können.
Von wem wurden diese Seminare angeboten?
Von der AfD. Die Kandidaten wurden alle vorbereitet. Und nun geht es für die Mandatsträger weiter. Da ist die Partei sehr akribisch hinterher. Wir sind alle keine Berufspolitiker. Es ist doch gut, dass in den Parlamenten nicht mehr nur die Leute sitzen, die seit 20 Jahren dabei sind.
Es ist noch nicht so lange her, dass Sie die SPD und Ines Hübner im Bürgermeister-Wahlkampf unterstützt haben ...
Dazu muss ich sagen: Ich war nie in der SPD und habe mich mit Politik nie auseinandergesetzt. Ines Hübner hat mich während meiner sportlichen Karriere immer unterstützt. Und ich habe Sie unterstützt, weil sie eine Freundin war. Mit den Inhalten habe ich mich nie beschäftigt. Das war reine Sympathie.
Wie landeten Sie dann bei der AfD?
Als die Migrationswelle losging, kamen für mich Fragen auf zur Integration, auf die mir keine Antworten gegeben wurden. Da habe ich meine Heimat gefunden bei der AfD, weil mir zugehört wurde. Es gab Aussagen auf Bundesebene, die mir richtig erschienen. Die reden mir und vielen  Bürgern aus dem Herzen. Bei mir gab es also keinen Sinneswandel. Ich bin immer noch ich.
Zurück zur parlamentarischen Arbeit: Sind Sie und Ihre Parteifreunde an Sachpolitik interessiert oder sind eher viele Populisten vereint?
Ich will ehrlich mitarbeiten und mich einbringen. Das geht allen so. Wir haben aus allen Schichten gute Leute dabei, die was machen wollen. Ich bin ein Typ, der keine Ungerechtigkeiten zulässt. Dafür werde ich mich einsetzen. Unregelmäßigkeiten werde ich nach außen tragen. Ich habe nie vergessen, wo ich herkomme. Velten und Oberhavel ist meine Heimat. Auch als Boxer habe ich mit Stolz meine Herkunft nach Außen getragen. Ich will etwas bewirken, sonst wäre ich diesen Schritt nicht gegangen. Aus Eigennutz mache ich das nicht. Ich habe einen geilen Job. Ich bin bei der Post Fahrdienstleiter und bei der Transportaufsicht. Und ich habe eine tolle Familie. Ich könnte mein Leben genießen und ganz auf ruhig machen.

Mehrere internationale Titel gewonnen


Im Oktober 2003  gewann Marco Schulze (Jahrgang 1977) als Profiboxer den Deutschen Meistertitel im Halbmittelgewicht. Er gewann mehrere internationale Titel, bis er sich 2013 aus dem Profiboxsport zurückzog.

Er ist gelernter Fliesenlegerund arbeitet als Fahrdienstleiter bei DHL in Hennigsdorf. cd