Als sich am Sonnabend die Besucher im Garten des Stadtklubhauses zum Konzert der Ulla Meinecke Band einfinden, hängen nach einem heißen Tag, dunkle Regenwolken am Himmel. Eine Stimme aus dem Off, die Ulla Meinecke und Band ankündigt, dringt durch den sommerlichen Konzertgarten. Die Musiker Ingo York (Gitarre und Bass) und Reinmar Henschke (Keyboards) beginnen das Spiel. Dann erscheint Ulla Meinecke, schwarz gekleidet, Haare hochgesteckt, roter Mund. Das Konzert hat von allem etwas. Unbekanntes trifft sich mit Bekanntem. Altes ist neu verpackt, ganz anders und doch angenehm wiedererkennbar. Ein Kompromiss für all die Fans aus früheren Zeiten und eine Ulla Meinecke, die längst nicht mehr dort steht, wo sie war, als die Hits von damals entstanden sind.
Wie gewohnt, nimmt Meinecke kein Blatt vor den Mund, provoziert, hinterfragt. Ist man heute noch da für die Welt, wenn man die Jugend überschritten hat? Wenn 50 Jahre das neue 30 sei, wo befinde sich dann die neue Mitte des Lebens, fragt sie. "In unserer Branche empfinden die 30-jährigen schon den Nahtod." Es werde herumgeschnippelt. "Aber es gibt ein schmutziges Geheimnis. Das hilft alles nichts. Anti-Aging ist ungefähr wie eine Katzenklappe an einem U-Boot", so Meinecke. Das Stück "Ich bin zu alt für das Showgeschäft" ist eine Aufzählung der Dinge, für die sie heute nicht mehr in Frage komme. Hat man heute noch die Berechtigung glücklich zu sein, wenn man die Jugend verlassen hat?
Und während der musikalischen Hommage an Marlene Dietrich rieselt der Regen vom Himmel, ein wenig als müsste es so sein. Nur wenige spannen den Regenschirm auf. Die anderen lassen sich gern ein wenig abkühlen. "Über dir war gerade ein riesengroßer Regenbogen", ruft jemand nach dem Lied. Die Musiker Ingo York und Reinmar Henschke agieren unaufgeregt, stehen auch zwischen den Stücken im wortwitzigen Kontakt mit der Sängerin. Das Stück "Ein Schritt vor und zwei zurück" singen einige mit geschlossenen Augen mit. Es gebe so viele Liebeslieder auf dieser Welt. "Dieses liebe ich so sehr, weil es so anders ist", sagt Meinecke.
Nach einem euphorischen Schlussapplaus gibt es mehrere Zugaben. "Wir sparen uns jetzt mal das ganze Weggehusche und Wiedergekomme", erklärt sie. "Die Tänzerin" ruft eine Frau aus dem Publikum. Der Wunsch wird erhört. Das alte Stück, neu arrangiert und mit der tiefen Samtstimme Meineckes bringt auch am Sonnabend das Publikum zu Freudenrufen.