Velten ist jetzt ein bisschen Universitätsstadt - zumindest hat die Stadt eine erste Anlaufstelle für angehende Studierende: Eine Präsenzstelle Oberhavel der Universität Potsdam und der Technischen Hochschule Brandenburg ist am Mittwoch im Bahnhof Velten eröffnet worden. Künftig können sich dort angehende Studierende aus dem regionalen Wachstumskern Oranienburg – Hennigsdorf- Velten wohnortnah beraten lassen. Das Büro soll gleichzeitig Anlaufstelle für bildungsorientierte Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sein, die sich vernetzen möchten und von einem Wissenstransfer zwischen den Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft profitieren wollen.

Fördermittelbescheid über 99.946 Euro

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle (SPD) übergab bei der offiziellen Eröffnung einen Fördermittelbescheid über knapp 100.000 Euro an die Präsidenten der beiden Hochschulen. Weitere 400.000 Euro Förderung sollen in den nächsten Jahren folgen. Sie sei überzeugt, dass der zentrale Standort geeignet sei und die Wissenstranfer-Strategie des Landes aufgehe, sagte Schüle. „Lehre und Forschung sollen gut und besser mit den heimischen Unternehmen zusammenarbeiten“, nannte sie das Ziel. Für diese Strategie gibt das Land laut Schüle insgesamt 2,5 Millionen Euro aus.

Erste Präsenzstelle 2005 in Pritzwalk

Darauf hofften die anwesenden Hochschulpräsidenten Professor Dr. Andreas Wilms von der Technischen Hochschule Brandenburg und Professor Dr. Oliver Günther von der Universität Potsdam ebenfalls. „Die Präsenzstellen sind für uns die Antwort auf den Gründungsauftrag als regionale Hochschule“, sagte Wilms. Auf seine Einrichtung gehe die erste Präsenzstelle zurück, die schon 2005 in Pritzwalk eröffnet worden sei und damit diese Tradition im Land eröffnet hat. Junge Leute wüssten oft nicht, welche Vielzahl von Studiengängen und beruflichen Perspektiven sich ihnen eröffneten, ohne dass sie die Region verlassen müssten. „Beim Wissenstransfer ist noch Luft nach oben“, schlug Günther in dieselbe Kerbe. „Was Hochschulen überhaupt so treiben, ist noch nicht überall so richtig verankert.“

Wissenschaft und Forschung sichtbar machen

Sie sei stolz darauf, dass die Stadt nun einen solchen Knotenpunkt zwischen Bildung und Wirtschaft zu bieten habe, sagte Bürgermeisterin Ines Hübner, die hofft, dass dieser in die Region ausstrahle. „Hier werden Wissenschaft und Forschung sichtbar.“ Eine „Win-Win-Situation“ nannte Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther das neue Büro. Mit einigen Wirtschafts- und Industriesparten gebe es in der Region viel Erfahrung, mit Unis aber nicht. „Die Hochschulen füllen hier eine Leerstelle.“
Der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Noack begrüßte die Präsenzstelle an einem der zentralen und repräsentativen Orte Veltens ebenfalls. „Für junge Leute, die sich informieren wollen, ist das ein gut gewählter Standort.“

Wechsel von Studium zur Ausbildung erleichtern

IHK-Präsident Peter Heydenbluth und Julius Steffen als Sprecher der Oberhaveler Wirtschaftsjunioren betonten, wie wichtig es sei, dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen. „Wir verlieren jedes Jahr alleine 4.500 Azubis an Berlin.“ Steffen wünscht sich einen regen Austausch zwischen Unternehmen und Hochschulen und hofft, dass auch Unternehmen die Präsenzstelle nutzen, ihre Projekte vorzustellen und Kontakt zu jungen Leute aufzunehmen, die vom Studium in eine Ausbildung wechseln wollen.
„Jugendliche verlieren ihre Schwellenängste, wenn sie Unis und Studienfächer kennenlernen“, sagte Claudia Heimen. Die Schulleiterin des Veltener Hedwig-Bollhagen-Gymnasiums verspricht sich, dass sie auf kurzem Wege und frühzeitig in ihrer Schullaufbahn an Informationen über Studienmöglichkeiten kommen.
Die Präsenzstelle ist die sechste von insgesamt sieben, die im Land Brandenburg seit 2017 nach und nach eingerichtet werden. Vor zwei Wochen hat Ministerin Schüle in Finsterwalde eine solche Stelle mit zwei Hochschulen im Süden Brandenburgs als Trägerinnen eröffnet, eine weitere wird demnächst in Fürstenwalde eingerichtet.

Ein Leuchtturm für Velten

Hatte Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) die Präsenzstelle schon als neuen „Leuchtturm“ für Velten bezeichnet, so freute sich der Hausherr und Mitnutzer des Bahnhofs, Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz, ebenso über die direkte Nachbarschaft der Uni-Info-Stelle. „Hier wird aus einem früheren Ort der Dunkelheit in Ort des Lichts“, sagte er mit Blick auf den einst heruntergekommenen Bahnhof, der nun eine „Station Wissenschaft“ ist.