„Ein Naschgarten“, erklärt Gartenbauingenieurin Klaudia Theuerl, „ist so etwas wie der moderne Nachkomme eines bäuerlichen Versorgungsgartens. Wir brauchen Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten nicht mehr zum Überleben, aber besser als gekauftes schmeckt es allemal.“ Die Expertin ist von der Stadt Velten engagiert worden, am Sonnabend das Seminar „Naschgarten für Jung und Alt“ zu leiten. Es wurde aus dem Bürgerhaushalt finanziert.

Platz ist in jedem Garten

Lebenswirklichkeit in Städten und stadtnahen Siedlungsgebieten sind ein Balkon oder ein kleiner Garten und Menschen, die nach der Arbeit nur wenig Zeit dort verbringen können. Es ist das Spezialgebiet der Gartenplanerin, Interessierten beizubringen, wie solche Fleckchen Natur gestaltet werden können, dass immer wieder neue Pflanzen blühen und reifen sowie Früchte und Kräuter über das Jahr geerntet werden können. „Nebenher können auch Vögel, Klein­säuger und Insekten ein Zuhause und Nahrung finden und Schädlingsprobleme auf natürliche Art gelöst werden.“ Das Interesse am naturnahen Gärtnern sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, gleichzeitig sei aber viel Wissen verloren gegangen.

Heimische Pflanzen sind wichtig

Kaum jemand kennt noch heimische Wildsträucher wie Schlehe oder Kornelkirsche, die früh im Jahr blühen und damit nicht nur ein Blickfang für das Gärtchen, sondern auch erste Nahrungsquellen für Insekten sind. Ihre Früchte können genascht oder zu Kuchen und Marmeladen verarbeitet werden. So zeigt das Seminar, wie mit einfachen Mitteln auf kleinem Raum Nischen, in denen Natur gedeiht und der Mensch genießt, geschaffen werden können.
Im zweiten Teil gibt es für Kinder eine Rätselaufgabe, die Erwachsenen sollen gemeinsam einen Kleingarten gestalten. Da Bungalow, Weg und Carport schon eingezeichnet sind, scheint für Baum und Blume kaum Platz übrig zu sein, noch viel weniger für Obst, Gemüse und Kräuter. Mit viel Überlegung wird der Carport in wildem Wein versteckt, an der Südwand des Häuschens wächst ein Weinstock, der Zaun wird mit Spalierobst bepflanzt und auch für Hochbeet, Kompost, Blumenbeet, Vogeltränke, Insektenhotel, eine Sitzecke, ein wenig Gemüse und einen Obstbaum findet sich ein Plätzchen. Das Ergebnis ist so beeindruckend, dass Karina Melerowicz, die Veltener Bibliothekarin, beschließt, den Plan mitzunehmen.

Angst vor Insekten

Sabrina Centeno-Soyu ist vor allem gekommen, weil der neunjährige Devin Angst vor Insekten und Spinnen hat. Davon ist aber nichts mehr zu spüren, als Devin ganz souverän berichtet, wo Holzbienen und Grashüpfer, Haselmäuse und sogar Eidechsen im Garten leben können.
Dreimal ist dieses im Bürgerhaushalt gewünschte Seminar wegen Corona verschoben worden. Nun, zum vierten Termin, ist kaum jemand gekommen. „Aber es war wirklich spannend, ich könnte bis morgen bleiben“, sagt Devin.