"Ich war ein Jahr lang zu Hause, es war furchtbar. Der Freundeskreis löste sich auf und ich fühlte mich nutzlos", erzählt eine Arbeitslose von ihren Erfahrungen. Im Rahmen eines Förderprogramms ist sie nun als Ein-Euro-Jobberin in der Kleiderkammer des ABS tätig. Die Gesellschaft unterstützt Arbeitslose dabei, den Weg ins Arbeitsleben zurückzufinden. Über Spenden gehen dort Kleider ein, die an Bedürftige weitergegeben werden. Die Frau habe darin eine für sich sinnvolle Arbeit gefunden. Nur bedauert sie, dass die Fördermaßnahme im kommenden Jahr ausläuft.
In den kleinen Räumen, die mit Textilien aller Art in mehreren Reihen gefüllt sind, sieht sich am Donnerstagmorgen auch Andrea Nahles um. Die Bundesministerin hört sich die Sorgen der Mitarbeiterinnen an, die in den Räumen in der Fabrikstraße tätig sind. Auch sie beklagt die zeitliche Befristung der Bürgerarbeit, bei denen Langzeitarbeitslose, deren Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht möglich ist, eine Tätigkeit ausüben, die von öffentlichem Interesse ist. "Für Bürgerarbeit gibt es von der EU nur für einen bestimmten Zeitraum Geld. Dann müssen andere Lösungen gefunden werden", sagte die Ministerin. Das sei derzeit nur schwer zu ändern.
Kerstin Thiele, Geschäftsführerin der ABS, brachte den Widerspruch zur Sprache, dass es einerseits Fachkräftemangel gebe, andererseits aber das große Problem der Langzeitarbeitslosigkeit besteht. "Wir haben ein strukturelles Problem in Oberhavel", sagte Thiele. Die Quote der Langzeitarbeitslosigkeit liege hier bei 63 Prozent, also über dem Bundesdurchschnitt, der knapp unter 50 Prozent liegt. Auch Nahles bestätigte diese Tendenz: "Wir haben es zwar geschafft, die Arbeitslosenzahlen mit bestimmten Maßnahmen zu verringern. Bei einer bestimmten Gruppe von Langzeitarbeitslosen wirken diese Maßnahmen aber nicht. Da besteht die Frage, ob für diese Gruppe nicht eine andere Logik gilt, die nicht dem normalen Arbeitsmarkt entspricht", sagte Nahles.
Derzeit ist laut der Ministerin ein Gesamtpaket in Arbeit, das noch stärker auf die Bedürfnisse von Langzeitarbeitslosen abzielt. Bis zum Herbst wolle ihr Ministerium einen Gesetzesvorschlag erarbeiten. Genauere Details wollte Nahles dazu nicht geben.
Bleibt zu hoffen, dass ihr die Arbeit trotz weniger Zucker gelingt. Schließlich gebe es, wie sie sagt, bei der Kanzlerin jetzt keine Kekse mehr, sondern nur noch Obst. In den Nachmittagsstunden fehle ihr da zuweilen die entsprechende Zucker-Dosis. An der Kaffeetafel in Hennigsdorf konnte sie sich aber richtig "zuckrig" stärken.