„Ich habe gerüchteweise gehört, dass die Kinder der Kita Traumland wegen Datenschutz nicht mehr ihre Namen auf die von ihnen gemalten Bilder schreiben dürfen.“ Mit diesem Post in der Facebook-Gruppe „Hennigsdorf verbindet“ löste Saskia Feltz, die viele in der Stadt als Leiterin des Familienchores kennen, eine Diskussion aus. Stadtsprecherin Ilona Möser bestätigte auf Nachfrage, dass diese Regelung „in ein oder zwei Gruppen der Kita Traumland so gehandhabt wird“. Das sei auf ausdrücklichen Wunsch von Eltern geschehen. „Wo Eltern das nicht wünschen, wird der Name nicht aufs Bild geschrieben“, erläutert sie. Stattdessen werde das Bild mit einer Nummer versehen, um es später wieder namentlich zuordnen zu können.
Auf Facebook hat das Thema zu einer viel beachteten Diskussion geführt. Pro und Contra halten sich die Waagen. Viele User aber staunen, so wie es dieser Eintrag zeigt: „Mein Gott, die Welt steht kopf. Dann darf die Kleidung auch nicht mehr mit Namen versehen werden, oder?“ Saskia Feltz, die diese Diskussion ausgelöst hat, zieht sogar einen Vergleich, der bei vielen Diskutanten für Unmut sorgt: „Die machen das in der Kita also deshalb, weil wir in den KZs und Stasi-Gefängnissen so tolle Erfahrungen damit gemacht haben, Namen gegen Nummern zu tauschen.“ Auf die Kritik, die sie daraufhin ereilte, teilte sie mit, das ironisch gemeint zu haben.
Seitdem im vorigen Jahr die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten ist, entsteht eine neue Sensibilität, was die Freigabe privater Daten oder Bilder betrifft. Selbst Fachleute staunen aber, welche Ausmaße das annimmt. Als am Dienstag Sven Müller, Pressesprecher der brandenburgischen Landesbeauftragten für den Datenschutz, mit der Bilder-Anfrage konfrontiert wurde, kam erst ein Lachen, dann ein „Oh Gott!“ aus der Telefonleitung. „Uns erreichen jeden Tag neue Fälle, bei denen ich denke: Ach, das ist auch ein Problem“, erzählte der Pressesprecher.
Auf den Bilder-Streit angesprochen, erklärte Müller: „Aus unserer Sicht ist es datenschutzrechtlich nicht erforderlich, die Bilder mit Nummern zu versehen.“ Wenn Eltern Schwierigkeiten damit haben, dass die Namen erscheinen, „kann man so agieren, muss es aber nicht.“ Es bleibe der Kita-Leitung überlassen, wie sie entscheidet. Nach Müllers Ansicht gebe es als Kompromiss auch eine einfachere Variante: „Man schreibt die Vornamen auf die Rückseite des Bildes.“ Auf jeden Fall müssten die Zeichnungen rückverfolgbar sein. Diese seien Teil der Dokumentation, um die Entwicklung der Kinder zu erfassen.
Da die Bilder innerhalb der Kita ausgestellt werden, hätten Unbefugte dazu keinen Zugang. „Anders bewerten kann man das, wenn es um einen Tag der offenen Tür geht“, so der Pressesprecher und fügt hinzu: „Dann mag es erforderlich sein, anders zu reagieren.“