Jeder, der die Arbeit der Schlosserei Pape in Anspruch genommen hat, kennt das Maskottchen des Ehepaars Pape. Es ist die schwarze Schäferhündin Lara, die seit acht Jahren den Werkstatthof bewacht und die erst einmal laut anschlägt, sobald jemand vor dem Tor steht. Damit ist auch jedes Klingeln überflüssig. Sobald Schmiede- und Schlossermeister Manfred Pape aber das Tor öffnet und ihr zu verstehen gibt, dass es sich um keinen Eindringling sondern einen Kunden handelt, verwandelt sie sich in ein lammfrommes Wesen, das sich über Streicheleinheiten freut.
Das Ehepaar betreibt die Schlosserei nun schon in der zweiten Generation und hat sie damit zu einem alteingesessenen Familienbetrieb in Velten gemacht. 1954 eröffneten die Eltern von Manfred Pape den Betrieb und ihr erster Kunde war ein Pferd der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Es sollte neue Hufeisen bekommen. Daneben reparierten die Papes zunächst Traktoren, Pflüge und Landtechnik. Später wurden hauptsächlich Anhänger gewartet und ausgebessert, in der Schlosserei, die zu DDR-Zeiten Vertragswerkstätte für Lastenträger war und zeitweise bis zu acht Mitarbeiter beschäftigte. "Als privater Betrieb hattest du es in der DDR nicht leicht", sagt Manfred Pape. "Du musstest zwei Jahre im Voraus planen, was du bestellen wolltest. Denn so lange konnte es dauern, bis die Ersatzteile geliefert wurden." Dennoch hatte sein Vater Ernst Pape es geschafft, 1974 als erster privater Handwerker in Velten den B 1000, einen für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Pritschenwagen, zu fahren. Dazu war ihm ein Unfallwagen zugeteilt worden, von dem er die Fahrgestellnummer verwenden konnte. Nachdem alle Einzelteile organisiert worden waren, hatte die ganze Familie dabei geholfen, den Transporter in einem dreiviertel Jahr zusammenzubauen. "Zwar haben wir viele Leute ausgebildet", sagt Manfred Pape, "die sind aber nach ihrem Abschluss oft in die großen Staatsbetriebe gegangen, weil es dort mehr Geld gab." Doch die Ausbildungsmöglichkeit sei sicherlich ein Grund gewesen, glaubt Pape, dass der private Betrieb überleben konnte. Denn es war allgemein anerkannt, dass Lehrlinge in kleinen Betrieben viel lernten, weil sie überall mit anpacken mussten. Ein anderer Grund sei gewesen, dass die Schlosserei laufend die Hänger der staatlichen Transitfahrzeuge ausgebessert und lackiert hatte. "Die mussten top aussehen, wenn sie in den Westen fuhren", erzählt Renate Pape.
Nach der Wende wurde die Werkstatt zum offiziellen Prüfstützpunkt der Dekra. Manfred Pape übernahm den Betrieb erst 2001, nachdem sein Vater verstarb. "Ich wollte nie etwas anderes werden", erzählt der Schlossermeister, der, bis auf 18 Monate in der Armee, schon immer im väterlichen Betrieb mitgearbeitet hat. "Bereits als Jugendlicher habe ich am liebsten an meinem Moped geschraubt." Schließlich sollte es so schnell wie ein Motorrad werden, das sein Vater ihm aus Sorge verboten hatte. "Nachdem ich fertig war, habe ich es damit in acht Minuten nach Oranienburg geschafft", sagt Manfred Pape.
Seine Frau Renate, die gelernte Fleischfachverkäuferin ist, hilft seit 1982 im Betrieb mit. Die beiden waren sich gegenseitig aufgefallen, als Manfred Pape einen befreundeten Fleischer besucht hatte, in deren Geschäft sie damals angestellt war. Mittlerweile stemmt der 69-Jährige gemeinsam mit seiner 62-jährigen Frau den gesamten Betrieb allein. Und auf dem großzügigen Hof lauert an jeder Ecke neue Arbeit. Dabei erledigt Renate Pape nicht nur den Papierkram. Sie ist auch dabei, wenn - wie gerade erst - die Gulaschkanone auf die Hebebühne gehoben werden muss. Trotzdem sind die Aufträge in den vergangenen Jahren weniger geworden.
"Leider reparieren immer mehr Fuhrbetriebe ihre Anhänger selbst", sagt Renate Pape. Aber das Ehepaar lässt sich nicht entmutigen. Auf den Tischen, auf denen zur Jubiläumsfeier noch Soljanka, Schnittchen und Schweinebraten standen, stehen nun üppige Orchideengewächse, Rosensträuche und Präsentkörbe mit Leckereien. Die Geschenke sind Belohnung für die erfolgreiche Zeit und Kraftspender in einem.