So voll ist es sonnabends um zehn auf dem Hennigsdorfer Rathausplatz vermutlich selten. Etwa 70 Erwachsene und Kinder mit viel Bürgersinn haben sich dort zum Stadtputz eingefunden, 20 weitere haben gleich einen eigenen Treffpunkt in Nieder Neuendorf ausgemacht.
Nach der Einführung von Stadtverwaltungsmitarbeiter Daniel Eggers, welche Gegenstände bitte nicht eingesammelt, sondern gemeldet werden sollen, beispielsweise Grünschnitt oder tote Tiere, geht es gleich ans Verteilen von Handschuhen und Greifzangen.

Für Plätze ohne Müll und alte Kaugummis

„Es ärgert uns, wenn irgendwo Müll herumliegt“, sagt Andrea Sparwaßer. „Wir haben sogar im Urlaub eine Tüte dabei und sammeln den Unrat ein.“ Ihre Tochter Emma nickt. „Ich finde es doof, wenn Leute Kaugummis auf den Boden spucken und ich trete dann drauf und hab ihn am Schuh“, sagt die Siebenjährige, die auf die Theodor-Fontane-Grundschule geht und betrachtet schon ungeduldig die Greifzange. „Eigentlich wäre sowas auch mal eine Idee für die Schule“, überlegt ihre Mutter, die dort Elternsprecherin ist.

„Hennigsdorf tut ja auch was für uns“

Auch eine Gruppe vom Behindertensportverein ist dabei. „Hennigsdorf tut ja auch was für uns. Warum sollen wir da nicht auch Hennigsdorf helfen?“, fragt die Vereinsvorsitzende Kerstin Helmecke rhetorisch. Die vier Frauen und Kerstin Helmeckes Enkel Jamie sind die „Abordnung“ vom Verein. „Die anderen sind fürs Stadtradeln unterwegs. Ist ja auch wichtig“. Sie machen sich zum Einsatzgebiet Rigaer Straße auf.

In der Stadtinfo für den Bürgeretat votiert

Bevor sich Melanie Lerch-Wisniewski und ihr Sohn Elias zum Spielplatz nach Stolpe-Süd aufmachen, wo sie leider schon öfter Müll und leere Flaschen gefunden haben, gehen sie schnell noch in die Stadtinfo, um für ihre Favoriten aus den 43 Ideen den nächsten Bürgerhaushalt abzustimmen. Die beiden verteilen ihre Punkte auf Natur- Projekte wie eine Blumenwiese, Vogel­tränke und eine Infokampagne für die ökologische Gestaltung von Vorgärten.
„Da ist ein bisschen Taktik dabei“, verraten sie. Das Trommelzauber-Mitmach-Konzert finden sie zum Beispiel auch gut. „Aber das wählen bestimmt viele Leute“, vermutet Melanie Lerch-Wisniewski. „Deshalb stimmen wir für die Umweltsachen ab, damit die auch eine Chance haben.“

Noch zwei Wochen kann abgestimmt werden

Seit einer Woche kann für den Bürgerhaushalt in der Stadtinfo abgestimmt werden. Mehr als hundert Hennigsdorferinnen und Hennigsdorfer haben die Möglichkeit bisher genutzt, weiß Daniel Eggers als der zuständige Mitarbeiter. Das Treffen auf dem Rathausplatz zu nutzen, bot sich an. Auch der Gemeinschaftsputz war eine Idee aus dem Bürgerhalt. Eigentlich schon für das Frühjahr geplant, fügt sie sich nun in den internationalen World Cleanup Day ein. Säcke, Greifzangen und Handschuhe wurden damit bezahlt, auch ein Dankeschön-Paket mit Kaffeebecher, Brotbeutel oder Henni-Buch hat die Stadtverwaltung für alle Beteiligten geschnürt. Zur Verfügung stehen für dieses Projekt 4.000 Euro. Damit kann dann noch eine zweite Aktion im nächsten Frühjahr organisiert werden.