Großeinsatz in der Nacht zu Sonntag: Gegen 2 Uhr wurden alle in Oberhavel verfügbaren Streifenwagen zum Hennigsdorfer Postplatz geschickt. Dort hatte sich vor dem stadtseitigen Eingang zum Bahnhofstunnel eine blutige Tat abgespielt.
Deren Vorgeschichte begann mindestens zwei Stunden zuvor. Am Kama-Imbiss auf der Rückseite des Einkaufszentrums Ziel hatten der Hennigsdorfer und zwei aus Somalia und Kamerun stammende Asylbewerber kräftig miteinander getrunken. Als sie sich gegen 2 Uhr in Richtung Bahnhof begaben, kam es plötzlich zu einem Streit. Der 37-Jährige vermisste angeblich sein Handy und beschuldigte seine bisherigen Trinkkumpanen, ihm dieses gestohlen zu haben. Daraufhin schlug er eine Bierflasche entzwei und ging mit der scharfen Waffe auf die beiden Männer zu. Dem Kameruner fügte er einen Stich ins Gesicht zu. Den Somali traf es noch deutlich gefährlicher. Ihm verpasste er eine Schnittwunde am Hals. "Diese war so tief, dass sie bis nahe an die Halsschlagader ging", sagte Neuruppins Leitender Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann am Montag. Der Betroffene befindet sich weiter im Krankenhaus.
Dass die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Totschlags ermittelt, ist nicht nur dem Angriff mit einer gefährlichen Waffe geschuldet. Der Beschuldigte, dessen Alkoholtest zwei Promille ergab, soll vor dem Angriff "Ich mach dich fertig!" gerufen haben. Daraus könnte juristisch auf einen Tatvorsatz geschlossen werden. Der Täter wurde vorerst in Polizeigewahrsam genommen.
Mehrere Zeugen konnten der Polizei gegenüber eine Reihe von Details zur Tat schildern. Außerdem konnten auch die Opfer teilweise schon befragt werden. Zumindest für den Stich ins Gesicht gibt es unbeteiligte Zeugen, sagte Lehmann. Noch aber seien nicht alle vernommen worden, die die Tat beobachtet haben.
Anfangs ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass ein fremdenfeindliches Motiv bei der Tat keine Rolle gespielt hat. Am Montagnachmittag äußerte sich Lehmann dazu vorsichtiger. Zwar gehe man weiter davon aus, dass die Tat situationsbedingt aus dem Saufgelage und dem Vorwurf des Diebstahls entstand. Wohl aber hätten die Ermittlungen noch zu prüfende Hinweise ergeben, die auf eine ausländerfeindliche Einstellung des bislang nicht vorbestraften Hennigsdorfers deuten könnten. Ob überhaupt ein Handy gestohlen wurde, dazu wollte Lehmann aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen. Der Beschuldigte selbst hat sich zu den Tatvorwürfen bislang nicht geäußert.
Der Zugang zum Bahnhof war am Sonntag bis 9.15 Uhr gesperrt, damit die Kriminaltechnik Spuren sichern konnte. Zeugen berichten von einem grausamen Bild. Zwischen Tunnel und City-Imbiss sei der Boden voller Blut gewesen.