Am Tag des Jubiläums veranstaltet die Klinik eine Fortbildung zum Thema Ernährung. Sarnes hat es selbst gewählt: "Gesunde Ernährung ist ein richtiges Problem, wir müssen uns dessen annehmen." In diesem Jahr plant er ein großes Symposium zu diesem Thema, an dem auch Selbsthilfegruppen und niedergelassene Ärzte teilnehmen werden. "Nicht so sehr wissenschaftlich" soll es zugehen, fügt er hinzu, denn er will ein möglichst großes Publikum erreichen.
Dazu passt, dass eine gemeinsame Sprache mit dem Patienten für Sarnes an allererster Stelle steht. Ein Arzt dürfe "nicht seine Übermacht signalisieren, sondern der Patient soll verstehen, was wir mit ihm machen wollen", erklärt Sarnes, worauf er großen Wert legt. Hinzu kommen Verlässlichkeit und Nähe zum Patienten, "auch wenn die OP-Lampe aus ist". Ihm geht es um eine ganzheitliche Medizin. Viele Krankheiten seien nicht heilbar, sagt Sarnes. "Deswegen müssen wir den Menschen heilen."
Die Medizin hat sich recht früh in Sarnes' Leben eingemischt. Er wuchs in Werneuchen auf, sein Bruder war schwer erkrankt, weshalb der Arzt oft zu Besuch im Hause war. "Ein alter Hausarzt", erzählt Thomas Sarnes, der von einer Begegnung besonders beeindruckt war: Als der Arzt eines Nachts gerufen wurde, erschien dieser im Schlafanzug, nur einen Mantel hatte er übergeworfen. Später, in der sechsten Klasse, beschließt Sarnes, Medizin zu studieren. Als Lehrerkind wird ihm Ende der 60er-Jahre in der DDR das Abitur an einer erweiterten Oberschule verwehrt, also absolviert er in Schwedt eine Ausbildung zum Chemiefacharbeiter mit Abitur, dann folgt bis 1981 das Medizin-Studium in Berlin und Dresden. Er spezialisiert sich auf Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie.
"Wir hatten eine gute Ausbildung und eine strenge Erziehung", vergleicht Tomas Sarnes die damalige Zeit mit der Gegenwart. Die Strenge aber ist ihm ein Graus. "So will ich zu meinen Leuten nicht sein", nimmt er sich seinerzeit vor, als er selbst davon träumt, einmal Oberarzt zu werden.
Es hat sich viel verändert in seinem Beruf in den zurückliegenden 30 Jahren. "Ärzte hatten eine andere Stellung, sie waren sehr viel anerkannter", blickt Sarnes zurück. Heute spiele bei der Entscheidung für den Beruf Arzt auch die Bezahlung eine Rolle. "Es ist ein Job geworden, ein normaler Beruf", erklärt er.
Seit 2006 ist er Leitender Chefarzt in Oranienburg. Von 8 bis 21 Uhr ist er in der Klinik, und zwar jeden Tag, sagt Sarnes. "Ich bin mit dem Herzen dabei", erklärt er, ohne lange nachzudenken, wie eine solch lange Arbeitswoche über Jahre hinweg zu überstehen ist. Sarnes ist zum zweiten Mal verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und einen Sohn. Bereut habe er es nie, für den Beruf die Zeit für Freizeit und Familie aufgegeben zu haben. "Das ist der Preis." Auch wenn es nicht einfach sei, zu wissen, dass jemand zu Hause wartet, während er um 21 Uhr noch an der Dokumentation arbeite, setzt er hinzu.
Fünf Jahre lang will Sarnes Chefarzt bleiben, dann wird er 65 und hat kein Problem, einen Schlussstrich unter sein Berufsleben zu ziehen. Er habe Lust auf ein Abenteuer, sagt der Chirurg. Erleben wird er das auf seinem großen Segelschiff, das in einem Hafen auf Rügen ankert. Einmal will Sarnes die gesamte Ostseeküste abfahren. "Eine Weltumseglung macht ja keiner!"