Die Nieder Neuendorferin gehört zu den Foodsavern – zu Deutsch Lebensmittelretter –, die aus Restaurants, Geschäften und Firmen nicht verkaufte Ware abholen. Bislang hat sie diese per Whatsapp-Gruppe verteilt. Doch ab heute muss dafür niemand mehr zu bestimmten Zeiten auf ihr Grundstück kommen. In Hennigsdorf gibt es nun einen öffentlichen Verteiler. An Werktagen zwischen 8 und 16 Uhr darf sich jeder bedienen.
"Ich habe viele Monate gebraucht, den richtigen Ort dafür zu finden", erzählt Tina Witte. Das von der Stadt unterbreitete Angebot, die Lebensmittel im Konradsberg weiterzugeben, ist zugleich eine Premiere: An keinem anderen Ort in Oberhavel gibt es bisher einen Fairteiler. "Selbst Reinickendorf und Spandau haben so etwas nicht", zeigt sich Tina Witte über die Kooperation mit dem Gemeinschaftszentrum begeistert.
Hennigsdorfs Jugendkoordinator Johannes Otto stößt ins selbe Horn: "Das Projekt passt super hierher." Im Konradsberg werden montags auch die Lebensmittel der Oranienburger Tafel verteilt. Otto ist sich sicher, dass viele Bedürftige gern zwei Türen weiter gehen, um am neuen Angebot teilzuhaben. "Im Gegensatz zur Tafel, bei der sie keinen Einfluss auf das haben, was sie bekommen, können sie hier selber aussuchen", beschreibt Otto die Vorzüge. Und Witte ergänzt: Wer bei der Tafel etwas bekommen habe, was er nicht mag, kann es im Fairteiler wieder abliefern.
Die Lebensmittelretterin räumt allerdings ein, dass der Fairteiler ein Experiment sei. Was passiert etwa, wenn jemand den gesamten Kühlschrank leerräumt? "Wir appellieren an das Gemeinschaftsgefühl. Dass man den anderen auch etwas übriglässt", hofft Otto. Tina Witte sieht das lockerer: "Mir als Lebensmittelretterin ist es egal, ob einer oder viele profitieren." Ihr ist wichtig, dass nichts in die Mülltonne wandert. Eine Grenze gibt es aber auch für sie: "Niemand darf etwas weiterverkaufen und sich bereichern." Sollte das geschehen, müsse am Konzept gefeilt werden.
Für die Nieder Neuendorferin bedeutet der öffentliche Fairteiler auch mehr Arbeit. "Sie muss jeden Tag vorbeikommen und alles saubermachen", hat Otto mit ihr abgemacht. Deshalb werden auch weitere Mitstreiter gesucht, die sich für die Lebensmittelstation zuständig fühlen. Wer mitmachen will, kann einfach einen Zettel mit seinen Daten in den Fairteiler-Briefkasten werfen oder sich unter t.witte@foodsharing.network melden.
In Kühlschrank und Regal werden übrigens nicht nur Grundnahrungsmittel zu finden sein. "Manchmal haben wir auch Delikatessen aus dem Berliner Lafayette, wie Wurst, Käse und Schokolade", verrät Witte. Gerade in der Startphase möchte sie – sozusagen als Werbung – die Hennigsdorfer damit ein wenig locken.
Außerdem wird sie demnächst eine neue Whatsapp-Gruppe gründen. Zubereitete Speisen, wie Salate oder belegte Brötchen, dürfen nämlich im öffentlichen Fairteiler nicht angeboten werden. Die gehen weiterhin auf ihrem Grundstück sozusagen über die Theke.

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel. kürzel