Darum geht es auch jetzt wieder. Allerdings ist von vielen Seiten Optimismus zu vernehmen. Es wird nicht vermutet, dass die Wettbewerbshüter einmal mehr einen solchen Deal verhindern, sondern diesen unter Auflagen erlauben. Die Entscheidung dürfte auch vor dem Hintergrund getroffen werden, die europäische Position auf dem Weltmarkt für Schienenfahrzeuge gegenüber dem chinesischen Staatskonzern, dem Giganten CRRC, zu stärken.
"Wir lehnen den Deal nicht ab", versichert Volkmar Pohl. Der Chef des Betriebsrats am Hennigsdorfer Standort und Mitglied im deutschen Gesamtbetriebsrat liegt damit auf einer Linie mit Jürgen Kerner, Vorstandsmitglied der IG Metall. Von diesem war jüngst in einem Interview mit dem "Handelsblatt" zu erfahren: "Wenn Alstom und Bombardier zusammengehen, ist das vor allem für die Beschäftigten von Bombardier eine gute Lösung." Er vermutet, dass der kanadische Konzern dem wachsenden Wettbewerb nicht mehr gewachsen sei: "Die finanzielle Situation des Konzerns ist nicht so, das notwendige Investitionen in die Zukunft allein gestemmt werden können."
In Hennigsdorf dürften aber Verlautbarungen wie die des "Handelsblatts" verunsichern, dass gerade das hiesige Werk ins Visier der EU-Kommission geraten könnte. Die Wirtschaftszeitung beruft sich auf drei namentlich nicht genannte französische Gewerkschaften. Diese befürchten, dass Alstom nach dem Kauf von Bombardier eine nicht zu akzeptierende marktbeherrschende Stellung im Triebwagen-Bau erhält. Damit könne das Hennigsdorfer Werk zur Disposition stehen. Von solchen Gedankenspielen im Vorfeld der EU-Entscheidung hält Pohl allerdings herzlich wenig. Jetzt schon über die Auflagen zu orakeln, "ist nicht hilfreich und eher ein Glaskugel-Lesen", so der Betriebsratschef. Fakt aber ist, dass in Hennigsdorf Triebwagen hergestellt werden, wie etwa der problembelastete Talent II. Daher schließt auch er, ähnlich wie der IG-Metaller, nicht aus, dass es in Hennigsdorf zu massiven Umstrukturierungen kommen kann. "Es wäre schön, wenn alles in einer Hand bleibt." Damit hofft Pohl, dass das Hennigsdorfer Werk komplett von Alstom übernommen wird. Er erwähnt aber noch ein anderes Gedankenspiel: "Dabei hätten wir zwei Werke. Ein Teil bleibt bei Alstom, ein Teil geht an einen anderen Wettbewerber." Mit dieser Variante liegt er auf Kerners Linie. Dieser sagte im Interview: "Ich gehe davon aus, dass Teile von Standorten in andere Hände kommen werden."
Die von Pohl favorisierte Variante besteht natürlich darin, "dass es schön wäre, wenn alles in einer Hand bleibt." Ein anderes Ziel ist ihm aber wichtiger: "Alle Hennigsdorfer Arbeitsplätze sollen möglichst erhalten bleiben." Und das wäre eine Kehrtwende zur Politik, die Bombardier bisher fährt.

Schon lange in der Krise


Während die Bahnindustrie europa- und weltweit seit Jahren wächst, bekam Bombardier von diesem Kuchen immer kleinere Stücke ab.

Viele Fachleute und Kunden führen dies auf strukturelle Probleme bei Bombardier zurück, deren Folge sich in der zu späten Auslieferung von Zügen und in fehlerhaften Triebwagen ausdrückt.

Schon seit Jahren gibt es immer wieder Gerüchte, dass Bombardier seine Bahnsparte abstoßen will. 2016 unterbreitete der chinesische Staatskonzern CRRC ein Kaufangebot, 2017 wurde bekannt, dass Siemens Kaufgelüste hege. Beide Geschäfte scheiterten. rol