Wer die Feuerwehr ruft, weil die Katze vom Baum gerettet werden soll, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Stadt Velten hat sich eine neue Feuerwehrkostensatzung gegeben. Diese haben die Stadtverordneten in ihrer Oktober-Sitzung einstimmig bei einer Enthaltung beschlossen. Die vorhergehende Fassung stammte aus dem Jahr 2012, deshalb wurde sie auch in den Kosten angepasst. Die neue hat die Verwaltung anhand der Zahlen von 2019 ermittelt.

Der Kostenersatz fließt in die Stadtkasse

Die Einsätze sind deutlich teurer geworden. Das benötigte Personal ebenso wie Fahrzeuge und Technik werden nach Minuten der Einsatzdauer abgerechnet. Betrugen die Personalkosten 2012 noch 17 Cent pro Minute, so sind es jetzt 68 Cent. Eine Brandsicherheitswache kostet pro Kamerad und Minute jetzt 39 statt 22 Cent.
Der Einsatz der Fahrzeuge wird ebenfalls höher berechnet. Das sei unter anderem deshalb nötig, weil die inzwischen angeschafften neuen Fahrzeuge höhere Abschreibungen zur Folge haben. Darunter ist ein Logistik-Anhänger, der hauptsächlich bei Gefahrenguteinsätzen - und damit nur sehr selten - gebraucht wird. Dessen Einsatz wird mit 2,40 Euro pro Minute (statt vorher 0,85 Euro) beziffert.

Die Einwohner müssen nur in wenigen Fällen zahlen

Die Veltenerinnen und Veltener betreffen diese Kosten aber nur in speziellen Fällen. So ist zum Kostenersatz grundsätzlich verpflichtet, wer eine Gefahr oder einen Schaden vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt hat. Wenn der Schuppen brennt, dann greift die Satzung also nicht – es sei denn, der Eigentümer teilt den Feuerwehrleuten mit, er habe ihn absichtlich angesteckt. Von durchschnittlich 300 Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr Velten seien etwa 100 bis 120 im Jahr kostenpflichtig, sagt Stadtbrandmeister Heiko Nägel.

Verkehrsunfälle werden am häufigsten abgerechnet

Die vielzitierte Katze, die sich nicht allein vom Baum traut, komme allerdings sehr selten vor. So einen Fall habe er in vielen Jahren bei der Feuerwehr überhaupt noch nicht erlebt. Das Beispiel werde wohl nur gerne verwendet, sagt der Stadtbrandmeister.
Und selbst, wenn es mal passiere, da bleibe die Stadt auf den Kosten für den Einsatz sitzen, wenn keiner wisse, wem das Tier gehöre. Das sei bei einem Pferd, das in einen Graben gerate und sich nicht selbst befreien könne, schon anders. Da stehe der Besitzer fest und erhalte einen Kostenbescheid. Der Tierrettung ist deshalb durchaus ein Absatz in den Paragrafen der Satzung gewidmet.
Es sind es die Ölspuren oder sonstige Flüssigkeiten, die nach Verkehrsunfällen oder aus schadhaften Fahrzeugen laufen, die die Feuerwehrleute am häufigsten auf den Straßen beseitigen müssen und die nach der Kostensatzung abgerechnet werden. „Das kann dann, natürlich je nach Größe der Verunreinigung und Aufwand, schon mal ein paar Hundert Euro kosten“, sagt Heiko Nägel. In der Regel zahle aber die Versicherung des Fahrzeughalters.
Muss die Feuerwehr einen voll Wasser gelaufenen Keller auspumpen, zahlt, sofern es sich nicht um höhere Gewalt handelt, der Hauseigentümer – oder ebenfalls wieder dessen Versicherung. Auch für die Brandmeldeanlage, die aufgrund eines technischen Fehlers auslöst und die Feuerwehrleute umsonst alarmiert, erhält der Eigentümer einen Kostenbescheid.

Die Feuerwehr ist gut aufgestellt

Die Freiwillige Feuerwehr von Velten hat derzeit 64 aktive Kräfte. In Velten werde sehr viel Wert auf Ausbildung gelegt, und dessen Stand sei gut. Auch die Tageseinsatzbereitschaft sei abgesichert, so Stadtwehrführer Heiko Nägel. Neun Fahrzeuge sowie ein Mehrzweckboot und ein Anhänger stehen im Depot.
Bei der Diskussion um die neue Satzung hatte es im Ordnungsausschuss eine Nachfrage zum Umgang mit Elektrofahrzeugen nach Unfällen gegeben. Wie Löschzugführer Heiko Nägel erklärt, steht für den Fall, dass ein E-Fahrzeug in Brand gerät, bei der Firma Grunzke in Oranienburg ein Container zur Verfügung, der dann geholt und mit Wasser gefüllt wird, um das Fahrzeug per Ladekran einzutauchen.

Sonderschulungen für verschiedene Fahrzeugtypen

Ein Unfall mit einem E-Auto sei nicht grundsätzlich ein größeres Problem für die Feuerwehrleute. „E-Autos mit Lithium-Ionen-Batterie werden anders behandelt. Dazu sind bei uns schon mehrere Kameraden auf Sonderseminaren gewesen. Auch die Hersteller solcher Fahrzeuge bieten Schulungen an“, so Nägel. Aber selbst herkömmliche Verbrennungsmotoren könnten gefährlich werden. Erdgas- oder Flüssiggasfahrzeuge seien wiederrum anders zu behandeln.
„Wichtig ist, dass die Kameraden vor Ort Bescheid wissen, worum es sich handelt“, erläutert Nägel. „Wir müssen die Gefahr erkennen.“ Je schneller klar sei, welche Art Fahrzeug die Feuerwehrleute vor sich haben, desto besser.

Mitarbeit gewünscht


Bei ihren Stellenausschreibungen weist die Stadt Velten ausdrücklich darauf hin, dass eine Mitarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr gerne gesehen wird.

Möglich ist es auch, in zwei Feuerwehren Mitglied zu sein – zum Beispiel einmal auf der Arbeit und einmal im Heimatort. „Die Lehrgänge sind überall für alle gleich“, sagt Stadtwehrführer Heiko Nägel. „Aber wer in zwei Feuerwehren ist, muss für die Zusammenarbeit in beiden die Kameraden und auch die jeweiligen Fahrzeuge und die Einsatztechnik kennen.“

In Velten gebe es mehrere Kameraden, die in zwei Feuerwehren tätig seien.