Für die Jubilarin war das gar keine Frage. "Ich freue mich schon!", rief sie in die Geburtstagsrunde. Immerhin sollte es erst der zweite Flug ihres Lebens sein. "Zum 90. Geburtstag habe ich von meinen Kindern eine Flugreise nach Teneriffa geschenkt bekommen. Damals war ich noch rüstig", erzählt die Dame am Telefon in einem Ton, der keinen Zweifel daran lässt, dass sie noch immer unternehmungslustig ist. Offensichtlich hatte die Hennigsdorferin ihrer Ärztin derart begeistert von diesem Erlebnis erzählt, dass diese auf die Idee für das ungewöhnliche Geschenk kam. "Ich wusste gar nicht, was ich sagen soll. So ein großes Geschenk!", staunt die Hundertjährige noch immer über die Überraschung.
"Zu ihrem 90. Geburtstag habe ich meiner Patientin, die schon lange bei mir in Behandlung ist, gesagt, dass sie 110 wird. Wir haben dann einen Vertrag per Handschlag geschlossen: Jeder tut das Seine dafür, dass sie das schafft", erzählt Hausärztin Barbara Böttcher (kleines Foto). Weil sie von dem Teneriffa-Flug wusste, kam die Medizinerin auf die Idee mit dem Rundflug. "Wenn es zum Geburtstag schon nicht mit einem Tanz klappt, dann machen wir einen Tanz in der Luft", erklärt sie ihr Überraschungsgeschenk.
Wenige Tage nach dem Geburtstag rief ihre Hausärztin bereits an und konkretisierte ihren Plan: "Am 27. Oktober um halb zwei hole ich Sie ab!" Gemeinsam mit Arzthelferin Gisela Kämmerer ging es zum Flugplatz Bienenfarm bei Paulinenaue. Dort im Havelland wartete bereits eine Cessna auf das Trio. Pilot Toralf Gruner war über den besonderen Gast durchaus überrascht: "Ich fliege schon sehr lange mit Fluggästen über unsere Heimat. Eine Hundertjährige hatte ich aber noch nie an Bord." Die Hennigsdorferin habe es sich auch nicht nehmen lassen, selbst über die Wiese zum Flugzeug zu laufen. Nur auf eines verzichtete sie, was Gruner anderen Kunden anbietet: für kurze Zeit das Steuer selbst in die Hand zu nehmen.
Über Börnicke, Schönwalde und Velten ging es Richtung Hennigsdorf und natürlich hinweg über das Haus im Heideweg, in dem Martha Schenk wohnt. "Das sah von oben alles so schön sauber aus", plaudert die Seniorin, während ihr Wellensittich ins Gespräch hinein zwitschert.
Von Hennigsdorf aus nahm die Cessna Kurs auf den Flughafen Tegel, ließ später die Gäste den Funkturm von oben bestaunen und steuerte Schloss Sanssouci an. "Das war schön! Ich habe jede Stufe vom Schloss gesehen, als könne man dort hochgehen", erinnert sich die 100-Jährige an diese Augenblicke.
"Ich hatte gar keine Angst", versichert die Seniorin im Nachhinein. Wahrscheinlich würde sie noch länger über diese Überraschung plaudern wollen. Aber die Zeit drängt. "Ich werde zum Frisör abgeholt." Für diesen kleinen Weg war keine Cessna nötig. Das Auto reichte.

FlugplatzBienenfarm

Ursprünglich wurde der Flugplatz Bienenwalde von der Agrarwirtschaft genutzt. Er liegt im Havelland, rund zwei Kilometer von Paulinenaue entfernt. Er verfügt über eine 860 Meter lange Start- und Landebahn aus Gras.

Neben Motor- und Ultraleichtflugzeugen landen auch Hubschrauber und Ballons. Betrieben wird er vom Quax-Oldtimerverein, der hier ein Dutzend Oldtimer stationiert hat. rol