Bis die Züge rollen, verkehren Busse. Gestern waren mehr als 20 Fahrzeuge im Einsatz. Hennigsdorf ist nach dem schweren Unfall, bei dem am Dienstag eine S-Bahn bei Tegel entgleiste, vom S-Bahn-Netz abgehängt. Eigentlich sollte der Verkehr auf der S 25 zwischen Tegel und Schönholz schon gestern wieder rollen. Doch mit dem Unwetter in der Nacht zuvor musste Buchners Unternehmen einen weiteren Tiefschlag einstecken. Durch das Dach des Tegeler Stellwerks drang Wasser in die Relaisstation und setzte damit die Anlage außer Betrieb.
Noch immer ist unklar, ob technisches oder menschliches Versagen zur Entgleisung am Dienstag geführt hat. Eine so genannte Flankenschutzweiche war umgesprungen, als sie der dritte Wagen des Zuges passierte. Die Weiche dient eigentlich dazu, Zusammenstöße auf der eingleisigen Strecke zu verhindern. Nähert sich ein Zug aus Hennigsdorf, schaltet sie sich um, damit ein möglicher Gegenzug aufs Abstellgleis gelenkt wird.
S-Bahn-Chef Buchner vermied am Mittwoch eine Auskunft darüber, ob die Weiche zu diesem Zeitpunkt per Hand oder automatisch gestellt wurde. Normalerweise arbeitet in dem Stellwerk nur ein Mitarbeiter, zum Zeitpunkt des Unfalls waren es laut Buchner zwei. Das dürfte damit zusammenhängen, dass ein Gewitter am Tag zuvor Signalanlagen in diesem Bereich beschädigt hatte. Der Doppeleinsatz könnte darauf hindeuten, dass die Weiche per Hand gestellt und der Unfall damit durch menschliches Versagen verursacht wurde. Mit der Aufklärung der Umstände ist neben der Bundespolizei auch die Eisenbahn-Unfalluntersuchungssstelle des Bundes befasst. Von einem Doppelfehler spricht Dr.Markus Hecht. Der Professor für Schienenfahrzeuge an der Technischen Universität Berlin hält einerseits den Schaden durch den Blitzeinschlag für unakzeptabel: „So etwas darf eine Signalanlage nicht außer Kraft setzen. Dafür gibt es Blitzschutzeinrichtungen.“ Zudem „hat bei der Sicherheitsweiche eine eindeutige Fehlfunktion“ vorgelegen.
Reisende, die Hennigsdorf gestern mit dem Prignitz-Express von Gesundbrunnen erreichen wollten, mussten ebenfalls Geduld aufbringen. Da in der Nacht der Blitz in ein Stellwerk bei Hennigsdorf eingeschlagen hatte, kam es zu Verzögerungen im Betriebsablauf. Bis zum Mittag hatten die Züge teils mehr als eine halbe Stunde Verspätung.