Am 13. Februar geht Velten einen riesigen Schritt rückwärts. Mit der Unterstützung von CDU, AfD und NPD erhält Pro Velten eine Mehrheit für zwei von dieser Wählervereinigung gestellte Anträge, die für Wirbel weit über die Region hinaus sorgen. Die vier politischen Gruppierungen wollen jegliche Wohnungsbauprojekte auf 50 Wohnungen begrenzen und beschließen, dass der S-Bahn-Anschluss nicht mehr zu priorisieren sei.
Viele sehen darin eine Attacke gegen die Politik von Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD). Anders können es sich viele Veltener nicht erklären, dass mit dem Beschluss das geplante Baugebiet an der Nauener Straße nun gestoppt worden ist. Denn eigentlich wissen auch Pro Velten & Co., dass der Wohnungsmarkt in der Ofenstadt leergefegt ist. Die AfD nutzt den Antrag, um ihre ausländerfeindliche Seite zu zeigen, indem sie vor dem Zuzug von Ausländern warnt.

Velten bundesweit in den Schlagzeilen

Die beiden Beschlüsse sorgen bundesweit für Schlagzeilen, weniger wegen ihres Inhalts als wegen des diesbezüglichen Schulterschlusses der CDU mit der AfD und der NPD. Von Pro Veltener Seite wird argumentiert, dass das Baugeschehen gebremst werden solle, um den Kleinstadtcharakter zu erhalten. Man habe eine „zunehmende Entfremdung der Einwohner“ festgestellt.
Entfremdung herrscht auch im Stadtparlament. Die Fronten verhärten sich in diesem Jahr: Pro Velten nutzt CDU, AfD und NPD als Mehrheitsbeschaffer. Die Konkurrenz von SPD, Linke und FDP hat kaum noch Chancen, politisch Akzente zu setzen, und Bürgermeisterin Ines Hübner steht in ihrem elften Amtsjahr schwächer denn je da.

Politische Gräben bis ins Private

In Velten wird kontrovers diskutiert, ob diese Politik der Stadt nützt. Und auch ohne große Baugebiete, in die die von Pro Velten und AfD gefürchteten Fremden aus Berlin oder gar der ganzen Welt einziehen könnten, entfremden sich die Bewohner der Stadt weiter. Immer wieder ist zu hören, dass die politischen Gräben auch zu solchen in Familie, Freundeskreis oder im Geschäftsleben führen.
Im Laufe des zweiten Halbjahres deutet sich an, dass sich die zwei CDU-Abgeordneten aus dem politischen Lagerdenken verabschieden könnten. 2021 könnte es in Velten also spannend werden.