Für Michéle Husemann sieht es momentan nicht gut aus. Die junge Frau, die am kommenden Sonnabend volljährig wird, muss nach eigener Aussage am 15. April aus ihrem Zimmer in einer Hennigsdorfer Wohngemeinschaft raus. Da sie und ihr Mitbewohner schon seit langer Zeit schwerwiegende Konflikte miteinander haben, sucht die 17-Jährige bereits seit vier Monaten eine Wohnung - jedoch ohne Erfolg.
Große Hoffnung hatte Michéle Husemann dabei auf die Wohnungsgenossenschaft (WGH) und die Wohnungsgesellschaft (HWB) in Hennigsdorf gesetzt, bei denen sie sich im Dezember 2013 und im Februar dieses Jahres beworben hatte. "Beide Unternehmen haben mir abgesagt", so die junge Frau. Der Grund, der ihr damals genannt wurde, ärgert Michéle Husemann: "Sie haben mir gesagt, dass sie keine Wohnungen für junge Menschen haben." Dabei hatte die Stadt Anfang 2013 eine Kampagne gestartet, die Hennigsdorf auch als Wohnort für junge Leute attraktiv machen sollte.
Einmal war Michéle Husemann ihrem Ziel schon ziemlich nah: Sie wollte in eine Einraumwohnung der WGH ziehen, die durch den Tod eines Bekannten frei geworden war. Da sie vom Jobcenter monatlich 350 Euro Mietzuschuss erhält, hätte das für die Miete gereicht. "Das Amt hätte zudem die Genossenschaftsanteile übernommen", sagt sie. Doch die WGH habe zusätzlich einen Bürgen verlangt.
WGH-Chef Hartmut Schenk ist über den Vorwurf überrascht: "Wir vermieten an viele junge Menschen, siehe die Auszubildenden des Oberstufenzentrums", erzählt er. "Der Knackpunkt muss deshalb das Alter der jungen Frau gewesen sein. Denn wir nehmen grundsätzlich nur volljährige Mieter auf." Zudem bestätigt er, dass die WGH bei Hartz IV Empfängern immer eine Bürgschaft verlangt. "Oft bürgen Verwandte wie der Opa", so Schenk. Für Michéle Husemann ist das bitter. Sie hat niemanden, der für sie bürgen kann, da sie bei Pflegeeltern und im Heim aufgewachsen ist. Dennoch plant sie nach ihrem Geburtstag ein weiteres Mal bei der WGH vorzusprechen.
Etwas mehr Glück könnte sie bei der HWB haben. Der dort für rechtliche Fragen zuständige Jörg Ramb erklärt, dass bei ihnen drei Nettokaltmieten als Sicherheit ausreichen - ein Bürge werde nicht verlangt. Die HWB habe Frau Husemann bereits im Februar auf die Warteliste gesetzt. "Denn wir vermieten auch an Minderjährige", so Ramb, "vorausgesetzt, sie sind reif genug und der gesetzliche Vertreter stimmt zu." Außerdem biete die HWB in der Stauffenbergstraße 13 ein Wohnprojekt extra für junge Leute an.
Dennoch müssen Wohnungssuchende, die nur ein knappes Budget zur Verfügung haben, bis zu einem Jahr Geduld mitbringen. Das gilt auch bei den kommunalen Wohnungsgesellschaften, die für Geringverdiener und Hartz IV Empfänger oft die erste Anlaufstelle sind. "Insgesamt haben wir 300 Interessenten auf unserer Warteliste", so Ramb, "und das bei unter drei Prozent Leerstand." Bei der WGH ist die Situation noch dramatischer: "Wir haben momentan bloß eine leerstehende Wohnung", so Schenk. Für Michéle Husemann ist das beunruhigend: "Wenn nichts passiert, stehe ich bald auf der Straße."
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