Derzeit sind es 13 Mädchen und Jungen, die sich durchaus spielerisch, aber auch mit einer ordentlichen Portion Ernst und Fleiß an jedem Mittwochnachmittag einen eigenen Raum in ihrem Hennigsdorfer Hort Pfiffikus suchen, um den ganz Großen der Kunstszene nachzueifern. Ob Picasso, Hundertwasser, Matisse oder van Gogh - Josephine, Lina, Jhona, Connor und machen vor keinem großen Namen Halt.
"Als ich in der ersten Malgruppe fragte, wer schon einmal in einem Museum war, meldete sich ein einziges Kind", erinnert sich Sabine Tjaden. Mittlerweile gehören die ganz großen Kunstausstellungen in der Hauptstadt für die Kinder zu den Höhepunkten, denen sie entgegenfiebern. "Wenn die dann in der Gemäldegalerie auf dem Boden liegen und ein Bild abmalen, gucken die erwachsenen Besucher ganz interessiert", hat die Leiterin der Gruppe beobachten können. Bei einem solchen Besuch ist zum Beispiel auch die kindliche Kopie eines Picasso-Selbstportraits entstanden, das Sulin im Berliner Picasso-Museum so gut gefallen hat. Auf eine andere Kopie waren die Eltern von Jean so stolz, dass das kleine Werk seither im Wohnzimmer hängt, wo es nur für diese Ausstellungswoche verschwinden darf.
Natürlich fallen auch im Hort Pfiffikus keine Meister vom Himmel. Ihre Erzieherin führt sie ganz behutsam ans Malen heran. Mal stellt sie einzelne Künstler vor, dann wiederum besuchen sie gemeinsam eine Ausstellung im Bürgerhaus und fangen danach an, mit Bleistift zu zeichnen. Oder sie probieren sich einfach aus, indem sie mit Pinsel oder auch mal mit den Händen Farben mischen. Dabei lernen sie auch, wie bestimmte Schattierungen entstehen. Es seien vor allem so verspielte Gemälde wie die von Friedensreich Hundertwasser oder auch farbenfrohe Bilder von Pablo Picasso, die die Kinder dazu animieren, die Großen zu kopieren. "Auf Hundertwasser gehen die Kinder voll ab. In dessen Bildern finden sie sich wieder. Denn ähnlich wie bei ihm sind auch bei Kindern gemalte Fenster nicht gerade und rechteckig."
Manchmal zeichne sie auch nur einen Strich oder ein Fragezeichen auf das leere Blatt eines Kindes und sagt: "Überleg, was du daraus machst!" Jüngst staunte sie, als die von ihr gemalte 1 eineinhalb Stunden später in einem Autokran verschwunden war.
Schon richtig weit hat es Connor gebracht. Der Junge hat das Hundertwasser-Gemälde "Seeschlange" nicht nur abgemalt, sondern seine eigene Fantasie spielen lassen. Nun schmückt das Bild eine zweite Schlange. Und neben Hundertwassers Fahrradfahrer ist jetzt auch noch ein Kind auf einem Einrad zu sehen. Zwischen all den Sonnenblumen-Bildern à la van Gogh und den Körperstudien von Matisse kommen bei jedem Luftzug einige Portraits ins Schwingen. Auf diesen haben sich die Kinder gegenseitig portraitiert oder einfach ein Gesicht aus der Zeitung als Vorlage für ihr Kunstwerk genommen.
Bei früheren Besuchen in der Alten Feuerwache haben die Kinder durchklingen lassen, dass sie dort auch gern ausstellen würden. "Jetzt sind sie absolut stolz und glücklich", freut sich die Erzieherin mit ihnen. Die Eröffnungsrede hat mit Josephine Mewes übrigens eine der Ausstellerinnen gehalten. Einige Kindergarten- und Hortgruppen haben bereits Besuche gebucht. Es ist Ehrensache, dass sie von den gleichaltrigen Künstlern durch die Ausstellung geführt werden.
Es ist das erste Mal, dass Grundschulkinder in der Alten Feuerwache ausstellen. Ihre Bilder beweisen: Es wurde höchste Zeit dafür!
"Kinder malen Künstler" ist bis Freitag von 10 bis 12.30 Uhr und am Donnerstag von 16 bis 18 Uhr in der Alten Feuerwache, Hauptstraße 4, zu sehen. Eintritt frei.