Durch die Gespräche mit den betroffenen Schülern hat Walthenberger erfahren, dass nicht nur mit Haschisch, sondern auch mit Ecstasy gehandelt worden sei. Nach ihren Erkenntnissen hätten sich jetzige Achtklässler in den Sommerferien die ersten Drogen im Görlitzer Park in Berlin besorgt, danach per Facebook einen Zwischenhändler in Hennigsdorf gefunden. Gedealt wurde an mindestens drei verschiedenen Orten in der Stadt. Zweimal fand die Polizei aber auch Drogen in der Schule. Einmal hätten die Ecstasy-Pillen im Socken eines Schülers gesteckt.
Alle am Drogenhandel beteiligten Schüler wurden für zehn Tage vom Unterricht freigestellt. Gegen die fünf Jugendlichen, die die Drogen verkauft haben sollen, laufen laut Walthenberger beim Staatlichen Schulamt Anträge auf Suspendierung. Sind die erfolgreich, müssen die Betroffenen an eine andere Schule wechseln. Zum Stand der Bearbeitung gab es am Dienstagim Schulamt keine Auskunft.
Nachdem sich die Schulleitung einen Überblick über die Dimension verschafft und Anzeigen erstattet hatte, ging sie in die Offensive. Am 17. September wurden alle Eltern per Brief über das Drogenproblem informiert und Maßnahmen dagegen vorgestellt. Neben einer Lehrerweiterbildung gab es einen Eltern-Schüler-Abend und Gespräche in jeder Klasse. "Die haben die Schüler aber nicht so erreicht", räumt die Direktorin ein. Eine andere Wirkung habe der Besuch eines ehemaligen Drogenabhängigen entfaltet. "Der hat berichtet, wie er mit dem Kiffen in die Drogenszene geriet, wie er seine Freunde verlor, keine Lust mehr hatte, zu essen, zu trinken und zu schlafen. Am Ende landete er im Gefängnis. Da haben alle zugehört", berichtet Walthenberger. Das vom Schul-Förderverein finanzierte und mit dem Verein Synanon organisierte Programm "Keine Chance den Drogen" wird weitergehen. Überzeugungsarbeit aber muss nicht nur bei Schülern, sondern auch bei Eltern geleistet werden. "Manche halten das aus eigener Erfahrung für ein Kavaliersdelikt. Aber doch nicht mit Ecstasy!", staunt die Direktorin. Im Gespräch mit Direktorenkollegen habe sie festgestellt, dass die das Problem auch hätten, aber verschweigen. Der Weg der Albert-Schweitzer-Schule soll sich davon abheben.