Für den Bürgermeister dürfte dieser nun gefundene Ausweg eine große Erleichterung bedeuten. Denn mit der im ersten Anlauf gescheiterten Förderung zur Umnutzung des Alten Gymnasiums in ein GründerInnenzentrum namens Kreativwerk und dem vorerst gescheiterten Bau des neuen Schwimmbads musste er im ersten Amtsjahr gleich zwei Hiobsbotschaften verkraften.
Doch auch für das ehemalige Puschkin-Haus, in dem mehrere Hennigsdorfer Generationen ihr Abitur ablegten, ist noch nicht alles 100-prozentig in trockenen Tüchern. Erleichterung herrscht vorerst darüber, dass ein gangbarer Weg gefunden wurde, an die zehn Millionen Euro Landesmittel zu kommen. Jetzt müssen die Förderanträge allerdings erst einmal gestellt werden. "Ich gehe davon aus, dass wir mit unserem Projekt im August oder September in den Fördermittelausschuss kommen", schaute der Bürgermeister in die nähere Zukunft. Sollte sich dieser Schritt verzögern, könnten nach der Landtagswahl andere politische Konstellationen herrschen. Doch davor fürchtet sich Günther nicht: "Das Projekt ist so klug und sinnvoll, dass es davon nicht abhängig ist." Allerdings steht die Stadt unter Zeitdruck. Für einen der anvisierten Fördertöpfe müssen die Projekte bis 30. Juni 2022 fertig sein. Um diesen engen Zeitplan zu halten, hat der Bürgermeister eine Frist gesetzt. Wenn die Fördermittelzusage nicht bis Ende 2019 vorliegt, wird das Projekt abgebrochen.
Mit dem Finanzierungsweg hat sich auch die Ausrichtung des Projekts Altes Gymnasium geändert. Lange Zeit war davon die Rede, dass nur Frauen, die ein Unternehmen gründen oder führen, dort arbeiten können. Diese Beschränkung wurde schon vor einiger Zeit aufgehoben. Jetzt öffnet sich das Haus auch inhaltlich. Zwar soll es einerseits mit dem benachbarten und in Erweiterung befindlichen Biotech-Standort (Blaues Wunder) zusammenarbeiten und dieses ergänzen. Andererseits soll es auch für Künstler, die Kreativwirtschaft und für soziale Dienstleistungen geöffnet werden. So könnte dort auch eine Tagesmutter einziehen, die die Kinder der dort arbeitenden Mütter und Väter betreut.
Geschaffen werden sollen 40 Co-Working-Arbeitsplätze und zwölf sogenannte Maker Spaces. Ersteres sind Arbeitsplätze mit einer Grundausstattung, die man für Stunden, Tage oder Wochen mieten kann. Für die Maker Spaces wird aus dem Vollem geschöpft: "Da halten wir hochwertige IT-Technik bereit, auch 3D-Drucker gehören dazu", erläuterte Birgit Tornow-Wendland, die als Geschäftsführerin des städtischen Tochterunternehmens KBI für das Projekt verantwortlich ist. Diese Arbeitsplätze sollen dort entstehen, wo einst die Schüler ihre Mittagessen einnahmen.
Im Erdgeschoss wird es zudem Werkstatträume geben, in denen im Biotech-Bereich angesiedelte Firmen oder deren Dienstleister experimentieren können. Auch ein Labor für die Zusammenarbeit mit Schulen ist vorgesehen.
Im ersten Geschoss stehen eher kleinere Büros für mittel- und langfristige Anmietung zur Verfügung, in der Etage darüber ist ein Ausstellungsbereich geplant. Unterm Dach finden die Co-Working-Arbeitsplätze und ein Veranstaltungsraum Platz.
"Wir haben jetzt schon Anfragen von Studierenden, die bald fertig werden", berichtete Tornow-Wendland über das Interesse an einer Einmietung ins Kreativwerk. Die müssen sich allerdings noch gut drei Jahre gedulden. Die Eröffnung ist für das dritte Quartal 2022 geplant.