Die Mehrheit der Veltener Stadtverordneten sieht es als unnötig an, dass der S-Bahn-Anschluss für ihre Stadt wieder oberste Priorität haben soll. Ein entsprechender Änderungsantrag der Linken-Fraktion wurde am Donnerstagabend in der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt. Auch den ursprünglichen Antrag der Linken, in dem mehrere Anforderungen zum Mobilitätskonzept formuliert waren, lehnten 11 von 18 Abgerordneten ab.
Alexander Moser-Haas (Linke) berichtete im Gremium von der Übergabe der Petition, die am Donnerstagvormittag in Potsdam stattgefunden hatte. Verkehrs-Staatssekretär Rainer Genilke habe von sich deutlich gemacht, es sei für Finanzverhandlungen nicht hilfreich, wenn Velten von sich aus bereit sei, von der S-Bahn abzurücken, so Moser-Haas.

Pünktlichen Prignitz-Express gefordert

Mit 2089 Unterschriften wollen die Initiatoren der Petition ihrer Forderung Ausdruck verleihen, dass Velten langfristig besser über die Schiene nach Berlin angebunden wird. Zudem müsse die verlässliche Pünktlichkeit des Prignitz-Expresses und der Regionalbahn Kremmen-Hennigsdorf dringend verbessert werden.

Nahverkehr in drei Abschnitten

In drei Teilprojekten soll Veltens öffentlicher Nahverkehr in den nächsten Jahrzehnten verbessert werden. Erstes Ziel ist es, den Prignitz-Express (RE6) zwischen Neuruppin und Velten im Halbstundentakt fahren zu lassen. Der S-Bahn-Anschluss wäre die zweite Etappe. Die Weiterfahrt der Regionalbahn bis nach Gesundbrunnen wird noch länger auf sich warten lassen, weil dafür ein zweites Gleis und eine Lösung für den Bahnübergang in Tegel geschaffen werden müssten. „Diesen dritten Bauabschnitt sieht Genilke deutlich nach dem S-Bahn-Anschluss“, so Moser-Haas. Der Staatssekretär sei „dankbar für den Druck“ gewesen. „Denn die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Regionen um die Finanzen des Landes ist erheblich.“
Der im Februar gefasste Grundsatzbeschluss, dass die S-Bahn nicht mehr an erster Stelle steht, sollte deshalb aufgehoben werden, und die Stadtverordneten sollten sich der Petition anschließen, appellierte Moser-Haas.

„Sinneswandel“ kritisiert

Mario Große (Pro Velten) erklärte dagegen: „Sie waren ja für eine bessere Anbindung des Regionalverkehrs, nicht unbedingt für die S-Bahn. Der Sinneswandel erschließt sich mir nicht.“ Auf denselben Gleisen neben dem Regionalzug noch die S-Bahn verkehren zu lassen, sei Verschwendung, so Große. Dann sollte eher der RE6 zweimal die Stunde fahren.
Das Ansinnen der Petition sei gerade, dies nicht gegeneinander auszuspielen, erklärte Alexander Moser-Haas.

S-Bahn-Anschluss vermutlich 2029

Zumindest beim CDU-Abgeordneten Marcel Ruffert scheint ein Umdenken nicht ausgeschlossen. Via Facebook teilte er als Reaktion auf die Berichterstattung dieser Zeitung mit: „Sollte mir jemand glaubhaft versichern können, dass wir den S-Bahn-Anschluss bis 2030 wirklich bekommen, bin ich gern bereit, meine Meinung zu ändern.“ Innerhalb der CDU sei dies aber noch nicht die Mehrheitsmeinung. Für die Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung nützte es nichts. Marcel Ruffert war am Abend auch nicht anwesend.
Rufferts Parteifreund Genilke geht davon aus, dass die S-Bahn früher in Velten sei, als der Prignitz-Express über Tegel nach Gesundbrunnen fahren werde. Im Potsdamer Verkehrsministerium wird mit einem S-Bahn-Anschluss spätestens 2029 gerechnet.

„Imageschaden für Velten“

Zu der abendlichen Entscheidung äußert der Hennigsdorfer Landtagsabgeordnete Clemens Rostock, Verkehrspolitischer Sprecher der bündnisgrünen Landtagsfraktion, seine Enttäuschung so: „In der Landespolitik zerreißt man sich inzwischen das Maul über die Veltener Entscheidung, sich gegen den S-Bahn-Anschluss auszusprechen. Die SVV hatte am Donnerstag die Chance diesen Beschluss zu überdenken. Der Imageschaden für Velten, den die Phalanx von Pro Velten, AfD, NPD und CDU anrichtet, ist riesig.“