Der Marktplatz soll als ausdrücklich erwünschte Stadtmitte Veltens belebt werden. Ob durch den Neubau eines Supermarkt-Vollsortimenters oder neue Gewerbenutzung im bestehenden Leerstand am Markt ist unter den Stadtverordneten aber umstritten.
Während die SPD einen neuen Supermarkt zwischen Viktoriastraße, Marktplatz und Ofenstadthalle favorisiert, will Pro Velten den vorhandenen Bestand für eine Markthalle nutzen. Beschlossen wurde daher Ende 2019 eine Machbarkeitsstudie für eine Markthalle. Diese hat die Veltener REG (Regionalentwicklungsgesellschaft) mit dem externen Büro „Stadt + Handel“ nun am Mittwochabend im Bauausschuss vorgestellt.

Viele Discounter und wenig Vollsortimenter

„Stadt+Handel“-Mitarbeiter Lucas Beyer beschrieb Veltens Gewerbe allgemein als überdurchschnittlich mit Discountern bestückt. Eine Markthalle sei an sich geeignet, eine Vielfalt an regionalen Produkten und individuellen Erzeugnissen zu bieten. Allerdings war Beyer skeptisch, ob und welche Form eine solche sich in einer Kleinstadt wie Velten auch wirtschaftlich trage. Eine große Markthalle mit etwa 50 Anbietern, darunter viele mit Frischwaren, sowie kleinen Restaurants und Verkauf auch draußen, findet sich demnach eher in großen Städten und dürfte in Velten nicht auf genügend Kundschaft hoffen.

Eine Pop-Up-Halle wäre denkbar

Möglich wäre eine privat betriebene „Event-Markthalle“, in der der Erlebnis-Charakter neben dem Einkauf im Fokus steht, mit breitem gastronomischem Angebot, Flohmarkt, Schau-Kochen oder ähnlichen Veranstaltungen. „Oft ist das Angebot mit einem Supermarkt gekoppelt“, so Beyer.
Eine weitere Form sei die „Pop-Up-Markthalle“. Sie findet als beispielsweise monatliches Event in Räumen statt, in der der Markttag einer unter vielen Veranstaltungen ist und hat daher keine fest verankerten Stände. Prinzipiell käme dafür die Ofenstadthalle in Frage, wo sich unter anderem der Nacht-Flohmarkt gut etabliert hat.

Hofladen würde zusätzliches Personal benötigen

Als Zusatzangebot von Supermärkten gebe es kleine Märkte mit ausgewählten Produkten in der Vorkassenzone des Ladens, und für kleinere Städte biete sich auch eine Laden-Markthalle mit regionalen Produkten an, so Beyer weiter. Hofläden fänden sich dagegen meist eher in ländlichen Regionen. Alexander Moser-Haas (Linke) wies auf den „Luisenhof“ hin, erklärte jedoch selbst, für einen möglichen zweiten Standort in der Stadtmitte müsse der Betreiber dann auch zusätzliches Personal haben.

Wochenmärkte haben oft zu wenig Kunden

Lucas Beyer benannte, woran Märkte und Markthallen am häufigsten scheiterten: daran, Direkterzeuger und Händler, die oft auf vielen Wochenmärkten unterwegs seien, überhaupt zu akquirieren, an zu geringer Kundenfrequenz, an den Öffnungszeiten, die nicht zu jedem passen, an hohen Kosten für Betrieb, Personal und Marketing. Fast alle Markthallen Deutschlands würden deshalb über das „Leader“-Programm gefördert.
Letztlich blieben für Velten in seiner Darstellung die temporäre Nutzung einer Halle für einen Markt als umsetzbare Möglichkeit übrig - und ein Laden-Markt. Allerdings sei der mit gut 1.000 Quadratmetern dafür viel zu große ehemalige „Meyer-Beck“ am Marktplatz, der seit langer Zeit leer steht und den genau die Stadtverordneten für eine Nutzung im Auge hatten, gerade nicht geeignet, weil er wegen Brandschutzauflagen so nicht teilbar sei. Hohe Umbaukosten wären nötig. Die Stadt ist nicht die Eigentümerin des Gebäudes.

Fördermittelprogramm fordert Frequenz

Beyer empfahl deshalb am ehesten die Ofenstadthalle. Diese sei allerdings bereits jetzt sehr ausgelastet, gab Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) zu bedenken.
Zudem bleibe das Problem der Fördermittel. Velten wird nicht über „Leader“, sondern über das Programm „Aktive Stadtzentren“(ASZ) gefördert. Eine Voraussetzung für Fördermittel sei aber, dass die Belebung der Innenstadt durch eine steigende Besucherfrequenz nachgewiesen werden muss. Hübners Frage: „Können wir so eine Markthalle als Frequenzbringer angeben?“, verneinte Lucas Beyer. „Das halte ich für unrealistisch. Das kann höchstens die Kombination mit anderen Geschäften wie eine Drogerie ergeben.“
In diesem Jahr hat Velten Fördermittel aus dem ASZ-Programm für den Umbau des Marktplatzes und die Verlängerung des Katersteigs erhalten. Eine eigene Markthalle scheint nun keine Option, weil sie sich laut Machbarkeitsstudie nicht rentiert.
Die Fraktionen sollen sich nun verständigen, wie mit der Machbarkeitsstudie weiter verfahren werden soll.