„Ich schlag dir den Schädel ein“, hat der Hennigsdorfer A. am 10. Mai 2019 in einer Werkstatt zu seinem früheren Mitarbeiter und Geschäftspartner K. gesagt. Später schlug A. ihm auf den rechten Handrücken, sodass K. eine schmerzhafte Prellung davontrug. K. meldete den Vorfall einige Tage später der Polizei.
So sieht es das Gericht. A. sieht das am Montag im Oranienburger Amtsgerichtssaal ganz anders. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst“, sagt der Angeklagte zunächst, und als der Richter nachfragt, was das bedeuten solle: „Warum sollte ich den schlagen? Da wär’ ich ja irre.“

Angeklagter erinnert sich nicht mehr

Was am 10. Mai des vergangenen Jahres in seiner Werkhalle passiert ist, konnte A. aber auch nicht sagen. „Das weiß ich nicht mehr, ist doch lange her.“ Der 65-jährige Lackierer hat mit K. vier Jahre lang zusammengearbeitet, erst war K. sein Mitarbeiter, später sein Partner. „Dann hat er seinen Meister gemacht und wurde Gutachter, da hielt er sich wohl für was Besseres.“ A. sagt das alles wegwerfend und lächelt häufig, als nehme er den Prozess nicht ganz ernst.

Fotos mit dem Handy aufgenommen

K. erinnert sich dagegen an den Streit an jenem Tag. „Er wollte, dass ich in der Firma nichts mehr zu sagen habe. Er fing an, mich zu beleidigen, dass ich mich verpissen soll, dass das nicht mehr meine Firma ist“, sagte er aus. Dann habe A. ihm gedroht. Er habe mit seinem Handy Kennzeichen der Autos in dem Firmenraum aufnehmen wollen, so K. „Dann hat er mir mit so einem Holzstiel auf die Hand geschlagen, dass das Handy herumflog.“ Zur Polizei sei er aber erst gegangen, als er mit stark angeschwollener Hand beim Arzt saß und dieser ihm zu der Anzeige riet.

Ein Zeuge will nicht hineingezogen werden

Einen Zeugen, der beide kennt, gab es auch. Der meint, er könne nicht viel beitragen, sagt aber aus, er habe gehört, dass die beiden stritten, sich aber nicht habe einmischen wollen. Stattdessen habe er sich an die Tür der Werkhalle in die Sonne gestellt. Als er etwas klacken hörte, habe er sich umgedreht, aber in der dunklen Halle nicht viel erkennen können. K. habe aber wohl sein Handy auf dem Boden gesucht.
Nach einer halben Stunde scheint alles gesagt. Der Staatsanwalt plädiert für die Bedrohung auf 30 Tagessätze à 30 Euro und noch einmal 90 Tagessätze à 30 Euro für den Schlag, die zusammengezogen werden sollen zu 100 Tagessätzen à 30 Euro. A., der nicht durch einen Rechtsanwalt vertreten wird, sagt dazu: „Das ist völlig unbegreiflich.“

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Richter Steiner sieht das anders. Denn den Hergang, den K. erzählt hat, sei der glaubhaftere, weil er stimmig sei und wegen des heruntergefallenen Handys auch durch den Zeugen gestützt werde. „Es bestand wohl eher die Absicht, ihm das Handy aus der Hand zu schlagen“, so der Richter. Deshalb nimmt er einen minderschweren Fall von Körperverletzung an. „Das ist insgesamt eine milde Strafe“, sagt er und bleibt bei den 3000 Euro sowie den Gerichtskosten, die A. zahlen soll. A. hört mit hochrotem Kopf zu und nickt heftig, als der Richter sagt, dass er gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen kann.