Für Jeannette Müller ist die Antwort nach über einem halben Jahr wöchentlicher Gesprächstermine inzwischen deutlich klarer: Sie will nach drei Jahren Erziehungspause nicht mehr in einem "08/15-Beruf" arbeiten, sondern in einer Kita. Und nein, das ist nicht ihr wirklicher Name. "Aber hier kennen mich zu viele Leute."
Auch Tina Schulz heißt nicht wirklich so. "Man gibt nicht gerne seine Schwächen preis", erklärt sie. Genau das ist aber beim Coaching nötig, um daran zu arbeiten. Und Schulz lobt: "Hier komme ich mir dabei nicht blöde vor."
Für die Coaches ist dieses Vertrauen eine Grundvoraussetzung ihrer Arbeit. Nicht einmal der Fallmanager, der beim Jobcenter den Gutschein billigt, erfährt am Ende alles, was in ihren Büros in Hennigsdorf oder Oranienburg besprochen wird. Aber es könne helfen, Kürzungen zu verhindern, wenn der etwa von der pflegebedürftigen Mutter wisse, so Jana Hünsch. Und auch rein private Probleme spielten bei der Arbeitssuche eine Rolle: "Ich kann nur in Arbeit gehen, wenn ich mein Zuhause ruhig verlassen kann."
Deshalb gehören zu den Kernbereichen, an denen sie mit ihren Klienten arbeitet, nicht nur Kompetenzen und die tatsächliche Integration ins Arbeitsleben, sondern auch Gesundheit, besondere Lebenslagen und "Vitalität": ein Maß für alles, was motiviert. Da kann es in einer Sitzung darum gehen, Tipps für eine individuelle Bewerbung zu geben. "Das Standardanschreiben nach dem Muster: ,jung, dynamisch, flexibel' bringt's nicht", ist sich Hünsch sicher. Und in der nächsten Stunde hört sie womöglich einem jungen Erwachsenen zu, der schon in einem Umfeld der Arbeitslosigkeit aufgewachsen ist, mit der Abhängigkeit von illegalen Drogen oder mit psychischen Problemen kämpft. Die Coaches helfen bei Antragsformularen und Amtsgängen, sei es Reha-, Schuldner-, Renten-, oder Familienberatung. Und im Zweifelsfall können sie auch helfen, den richtigen Therapeuten zu finden. "Wir sind Sozialpädagogen, keine Psychologen", betont Hünsch, auch wenn ihre Kollegin zugibt: "Man kratzt schon öfter mal an der Grenze."
Schließlich ist auch ihr Werkzeug vor allem "reden, reden, reden", bis klar ist, wo die Probleme liegen. "Das kann auch mal sechs, sieben, zehn Sitzungen dauern." Jana Hünsch gefällt auch der Vergleich mit der Kinderbuchfigur Momo: Die löst die Probleme ihrer Freunde, indem sie ihnen einfach nur zuhört.
Manchmal kommt dabei auch heraus, dass ein Teilnehmer eigentlich schon seit Jahren nicht mehr arbeitsfähig ist. Jeannette Müller dagegen hat vor allem gelernt, die Dinge entspannter anzugehen. "Wenn man etwas einfach probiert, und es funktioniert nicht, kann ich inzwischen sagen: Gut, man hat's versucht."