"Ja, ja, ich bin hier getauft worden", nickt Gerd Gieche. Er umrundet den hölzernen Taufständer, nennt dabei sein genaues Taufdatum: "12. Mai 1939." "In dem Jahr ist unser Taufständer das letzte Mal restauriert worden", sagt Pfarrer Markus Schütte am Freitagvormittag. Gerade haben Diplom-Restauratorin Christiane Thiel und Holzrestaurator Ralf Broschke den beinahe 350 Jahre alten Gegenstand der Kirchengemeinde übergeben. Seit April reinigten, leimten, grundierten, schliffen, retuschierten, festigten und vergoldeten die beiden Fachleute aus Potsdam den wahrscheinlich ältesten sakralen Gegenstand Veltens. Insbesondere die vier Puttenengel auf dem etwa 150 Kilogramm schweren massiven Holzsechseck forderten das Können und die Geduld der Restauratorin. Im Auftrag der Kirchengemeinde gab sie der Konstruktion ihre Farbfassungen, Bildwerke und Vergoldung zurück, während Ralf Broschke die Stabilität der konstruktiven Elemente wiederherstellte und Risse beseitigte. "Jetzt können wir dieses schöne historische Stück wieder in Gebrauch nehmen", freut sich Pfarrer Schütte. Bedauerlich sei, dass momentan angesichts der Pandemie keine Taufen stattfinden könnten. Immerhin zwei Taufen habe es zu Beginn des Jahres gegeben. Durchschnittlich seien es zehn pro Jahr, so der Veltener Pfarrer.
Der 81-jährige Gerd Gieche gehört der rund 1 500 Glieder großen Kirchengemeinde Velten an. Die hatte nach einem Aufruf für die Restaurierung des Taufständers insgesamt 10 850 Euro gesammelt. Unter den 69 Spendern ist auch ein Mann aus Kalifornien, der vor etwa 50 Jahren in Velten getauft worden war.
Mit dem musikalischen Abendgottesdienst am Sonntag um 18 Uhr feiert die Kirchengemeinde Velten den Abschluss der Restaurierungsarbeit an dem historischen Taufständer. Restauratorin Christiane Thiel wird die Chronik der Aufarbeitung präsentieren.