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"Dann bin ich bei der Wirtschaftsförderung in Hennigsdorf gelandet", erzählte Noack das gute Ende der Odyssee. Am nächsten Tag habe er erst im Rathaus gesessen, um dann mit Wirtschaftsförderin Grit Liebig eine Rundfahrt zu den freien Grundstücken zu unternehmen. "Ich habe mich richtig gut aufgehoben gefühlt", lobte er das Hennigsdorfer Engagement. Beim Richtfest, das am Mittwoch am Walter-Kleinow-Ring – wegen des Wetters vor allem im Rohbau – gefeiert wurde, lobte der Firmenchef das Engagement in höchsten Tönen.
Diese Erstbegegnung mit der Stadt ist nun gut ein Jahr her. Seit dem vergangenen Herbst wachsen neben der Teststrecke von Bombardier drei Gebäude in die Höhe. In zwei davon wird das Familienunternehmen, das seit 111 Jahren Laborartikel herstellt, die Produktion aufnehmen. Zwischen den beiden Werkhallen ist das Bürogebäude platziert.
Es sind die kleinen Teile, mit denen das Unternehmen auf dem ganz großen, nämlich dem Weltmarkt mitmischt. Ob aus Gummi, Naturkautschuk oder Silikon gefertigt: Für die Stopfen, Pipettierbälle und Schläuche für den Laborbedarf gibt es Abnehmer in aller Welt. "Wir exportieren in 80 Länder auf der ganzen Welt", erläutert Prokuristin Sophie Noack, die mit ihrem Bruder Philipp in einigen Jahren den Familienbetrieb aus den Händen ihres Vaters übernehmen will. Ob in den USA oder Mexiko, in Australien oder Neuseeland: Die Produkte werden in der Laborbranche überall geschätzt. Deutlich zugenommen habe der asiatische Markt. Das verwundert, weil dort solche Produkte deutlich preisgünstiger hergestellt werden können. "Das Siegel Made in Germany hat wieder an Bedeutung gewonnen. Für viele ist Qualität wieder wichtiger als der Preis", meint Sophie Noack. In Zeiten des nachhaltigen Wirtschaftens profitiert Deutsch & Neumann offensichtlich davon, dass langlebigere Produkte im Trend sind.
Ende des Jahres sollen der Umzug bewerkstelligt sein und die Produktion in Hennigsdorf starten. Nicht alle der 18 Mitarbeiter sind davon begeistert, räumt die künftige Firmenchefin ein. Für manchen ist der Weg zum Arbeitsplatz in Charlottenburg deutlich näher, als es der nach Hennigsdorf sein wird. Sophie Noack verweist darauf, dass einige ihrer Mitarbeiter in Spandau oder Oranienburg und damit näher am künftigen Arbeitsplatz wohnen.
Apropos Arbeitsplatz: "Für unseren Vater wird es in Hennigsdorf auch ein Büro geben, falls er Langeweile hat", blickt Sophie Noack auf die Zeit, in der sie mit ihrem Bruder in vierter Generation die Geschäfte des Traditionsunternehmens übernommen haben wird.

Aus der Produktpalette


Seit 1909 produziert Deutsch & Neumann Artikel für die Laborbranche.

Zu den Produkten gehören Schläuche aus verschiedenen Materialien ebenso wie Stopfen, Filterringe, Hohlkörper Laborunterlagen und Pipettierbälle.

Gefertigt wird auf Elast-Spritzgießmaschinen und auf Gummipressen. Letztere wurden zum Teil im eigenen Haus entwickelt.

Über den Jahresumsatz gibt das Familienunternehmen generell keine Auskunft. rol