Zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Freude und Sorge: Es gab viele Ereignisse, die die Hennigsdorfer und Hennigsdorferinnen 2021 beschäftigten. Hier eine Auswahl davon.

30. Januar

„Heute ist ein einzigartiger Tag für Alstom“, verkündete deren Chef Henri Poupart-Lafarge. Der französische Konzern schluckt alle Standorte des kanadischen Bombardier-Konzerns, darunter auch das Hennigsdorfer Werk. Seither sieht sich die Belegschaft im Ungewissen gelassen. Werden in Hennigsdorf noch Züge produziert? Zumindest nicht mehr die der Talent-Reihe. Im November wurde bekannt, dass Alstom dieses Paket an den spanischen Konzern CAF verkauft hat. Zwei Wochen vor Weihnachten der Schock: Alstom will in Hennigsdorf bis zu 450 Jobs verschwinden lassen. Es wäre das Aus für die Serienproduktion.
Wohin geht die Zukunft des Hennigsdorfer Alstom-Werks? Als Ministerpräsident Dietmar Woidke im Juli dort erstmals mit Konzern-Chef Henry Poupart-Lafarge zusammentraf, blieb dieser konkrete Antworten schuldig.
Wohin geht die Zukunft des Hennigsdorfer Alstom-Werks? Als Ministerpräsident Dietmar Woidke im Juli dort erstmals mit Konzern-Chef Henry Poupart-Lafarge zusammentraf, blieb dieser konkrete Antworten schuldig.
© Foto: Roland Becker

11. Februar

Das Stadtparlament verärgert die Hundebesitzer. Anders gesagt: Die Abgeordneten zerren an der Hundeleine. Sie beschließen, dass die Vierbeiner in der Stadt künftig nur angeleint ausgeführt werden dürfen. Mehr als zwei Meter entfernt vom Herrchen oder Frauchen darf Bello nicht schnuppern. Zahlreiche Hundehalter protestieren vergeblich gegen das Gassigehen an der kurzen Leine. Mit unter den Protestierenden: Ex-Buchstaben-Fee Maren Gilzer.
Ex-Buchstaben-Fee Maren Gilzer ist längst in der Politik angekommen. In Hennigsdorf engagiert sich die Hundemutter von Bobby gegen die restriktive Leinenpflicht. Mittlerweile mischt Maren Gilzer-Kuhlmann in der FDP mit.
Ex-Buchstaben-Fee Maren Gilzer ist längst in der Politik angekommen. In Hennigsdorf engagiert sich die Hundemutter von Bobby gegen die restriktive Leinenpflicht. Mittlerweile mischt Maren Gilzer-Kuhlmann in der FDP mit.
© Foto: Roland Becker

26. Februar

In Hennigsdorf wird weiter kräftig gebaut. Nach den Fontanehöfen kündigt die Wohnungsgenossenschaft WGH nun den Bau von rund 50 Wohnungen an der Tucholskystraße an. Es ist der letzte Streich von WGH-Chef Hartmut Schenk. Dieser hat die WGH in die Marktwirtschaft geführt und geht nun in den Ruhestand.
Für den Neubau an der Tucholskystraße überrascht die WGH mit einem architektonischen Hingucker.
Für den Neubau an der Tucholskystraße überrascht die WGH mit einem architektonischen Hingucker.
© Foto: Blumers Architekten Berlin GmbH

26. März

Erwin Thiesies ist eine Legende im Rugbysport. Er hatte mit Stahl Hennigsdorf 17 Meistertitel errungen und trainierte die DDR-Nationalmannschaft. Doch Thiesies hatte noch eine andere Seite: Als Sportfunktionär spitzelte er für die Stasi. Lang und heftig diskutieren Abgeordnete und Sportler darüber, ob dieser Mann eine öffentliche Ehrung erfahren darf. Am Ende entscheidet sich das Stadtparlament dagegen.
Hat einen festen Platz im regionalen Rugby-Kalender: das Erwin-Thiesies-Gedenkturnier von Stahl Hennigsdorf.
Hat einen festen Platz im regionalen Rugby-Kalender: das Erwin-Thiesies-Gedenkturnier von Stahl Hennigsdorf.
© Foto: Nico Albrecht

30. März

Klein, aber fein: So sahen viele Hennigsdorfer und Hennigsdorferinnen ihre Bücherstube an der Havelpassage. Doch damit ist es nun vorbei. Zu Ostern schließt Hennigsdorfs einziger Buchladen. Es fehlte an ausgebildetem Personal und einem passenden Mietvertrag.
Sybille Kutschke-Stange (rechts), ehemalige Rektorin der Albert-Schweitzer-Oberschule gehörte zu den Stammkunden von Elke Ramisch, die die Bücherstube in der Havelpassage leitete.
Sybille Kutschke-Stange (rechts), ehemalige Rektorin der Albert-Schweitzer-Oberschule gehörte zu den Stammkunden von Elke Ramisch, die die Bücherstube in der Havelpassage leitete.
© Foto: Roland Becker

30. März

Es hätte ein großes Fest werden können: Die Grundsteinlegung für Hennigsdorfs neues Stadtbad. Die Corona-Pandemie vereitelt das. Dennoch: Seit dem Frühjahr wächst Woche für Woche das neue Badeparadies. Im Herbst können die Edelstahl-Teile für die Becken einschweben. Ab Herbst 2023 darf geplantscht und geschwommen werden.
Sieht noch nicht wie ein Schwimmbad aus, wird aber eins. Dieser Blick bot sich im Oktober auf das künftige große Schwimmbecken.
Sieht noch nicht wie ein Schwimmbad aus, wird aber eins. Dieser Blick bot sich im Oktober auf das künftige große Schwimmbecken.
© Foto: Roland Becker

10. April

Eine der größten Investitionen ist geplatzt: Gemeinsam mit der co:bios Stiftung wollten Hennigsdorf und der Kreis ein zweites Blaues Wunder schaffen. Das existierende Bio-Tech-Zentrum platzt aus allen Nähten. Dass das Geschäft platzt, liegt nicht nur an einer Verdopplung der Baukosten auf 50 Millionen Euro. Stadt und Kreis haben sich mit co:bios unter der Leitung des früheren Stadtwerke-Chefs Thomas Bethke überworfen. Im Herbst präsentieren Hennigsdorf und Oberhavel den Standort fürs neue gemeinsame Projekt: eine ehemalige Fläche von Alstom.
Große Pläne verfolgten die co:bios Innovation GmbH, um das Biotech-Zentrum Hennigsdorf zu stärken. Doch das seit 2016 angestrebte Neubauprojekt scheiterte.
Große Pläne verfolgten die co:bios Innovation GmbH, um das Biotech-Zentrum Hennigsdorf zu stärken. Doch das seit 2016 angestrebte Neubauprojekt scheiterte.
© Foto: Roland Becker

17. Juni

Überraschung im Stadtparlament: Die AfD-Fraktion zerlegt sich. Gunnar Berndt und Marco Siegel verlassen Partei und Fraktion. Offizielle Gründe nennen beide nicht. Zwischen den Zeilen ist aber zu erkennen: Beiden ist die AfD zu weit nach rechts gerutscht. Das Duo bildet vorübergehend die Fraktion Bürger für Hennigsdorf, ehe sich diese im Sommer mit den Unabhängigen vereint.
Zu  Beginn der Corona-Pandemie war sich die AfD-Fraktion noch einig: Alle tragen Maske bei den Sitzungen des Stadtparlaments, wir nicht. Ein Jahr später ist es mit der Einigkeit vorbei. Zwei Mitglieder verlassen die Partei.
Zu  Beginn der Corona-Pandemie war sich die AfD-Fraktion noch einig: Alle tragen Maske bei den Sitzungen des Stadtparlaments, wir nicht. Ein Jahr später ist es mit der Einigkeit vorbei. Zwei Mitglieder verlassen die Partei.
© Foto: Roland Becker

20. August

Hennigsdorf will in der Filmbranche mitspielen. Die Firma Mobilspace investiert in der Stadt. In einem ersten Schritt wird eine Halle für Spezialfahrzeuge errichtet. Die Halle kann für Filmproduktionen geliehen werden. In den Folgejahren soll Filmstudios und Produktionsbüros für Filmteams entstehen.
An der Spandauer Allee entsteht der Unternehmenssitz der Mobilspace GmbH, die in der Filmbranche tätig ist und von Berlin nach Hennigsdorf ziehen möchte.
An der Spandauer Allee entsteht der Unternehmenssitz der Mobilspace GmbH, die in der Filmbranche tätig ist und von Berlin nach Hennigsdorf ziehen möchte.
© Foto: Freyler

31. August

Der Zoff des Jahres: Um den Bedarf an Grundstücken für Eigenheime zu decken, schlägt die Stadtverwaltung im Frühjahr vor, zwei Areale mit Gartengrundstücken plattzumachen. Es formiert sich Widerstand, der Schlagzeilen über die Stadt hinaus macht. Nach langen Diskussionen im Stadtparlament wird ein Kompromiss gefunden: Die Gärten bleiben bis 2026 bestehen. Dennoch wird ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Gärten gestartet. Die erfolgreiche Unterschriftensammlung wird am 13. Dezember im Rathaus überreicht. Ein Bürgerentscheid rückt damit näher.
Dagmar und Frank Wäscher haben ihr Gartenidyll am Bötzower Weg über Jahrzehnte gehegt und gepflegt. Nun will die Stadt diese und Dutzende weitere Parzellen für den Bau von Eigenheimen nutzen.
Dagmar und Frank Wäscher haben ihr Gartenidyll am Bötzower Weg über Jahrzehnte gehegt und gepflegt. Nun will die Stadt diese und Dutzende weitere Parzellen für den Bau von Eigenheimen nutzen.
© Foto: Roland Becker

4. Oktober

Eine Serie von Brandstiftungen sorgt für Angst in Hennigsdorf-Nord. Der oder die Unbekannte zünden in der Dunkelheit Unrat oder Papier vor Kellereingängen an. Nach dem fünften Brand greift Bürgermeister Thomas Günther (SPD) zu einem ungewöhnlichen Mittel: Er lobt eine Belohnung zur Ergreifung des Täters aus. Doch ein sechster Brand folgt. Der Polizei ist es bislang nicht gelungen, die Brandserie aufzuklären.
Belastungsprobe für Hennigsdorfs Feuerwehr: Von August bis September brennt es sechsmal in Nord. Es wird davon ausgegangen, dass immer derselbe Täter am Werk ist.
Belastungsprobe für Hennigsdorfs Feuerwehr: Von August bis September brennt es sechsmal in Nord. Es wird davon ausgegangen, dass immer derselbe Täter am Werk ist.
© Foto: Statusvier.de

9. Oktober

Eine der letzten Einweihungen, bei denen der scheidende Landrat Ludger Weskamp (SPD) ein Premierenbändchen durchschneiden kann: An der Berliner Straße wird die neue Rettungswache des Hennigsdorfer Krankenhauses in Betrieb genommen. Sie bietet mehr Komfort und Platz für Mitarbeiter und den Fuhrpark.
Die Rettungssanitäter freuen sich über die besseren Arbeitsbedingungen in der neuen Rettungswache an der Berliner Straße.
Die Rettungssanitäter freuen sich über die besseren Arbeitsbedingungen in der neuen Rettungswache an der Berliner Straße.
© Foto: Roland Becker

2. Dezember

Alarm bei der Feuerwehr: Eine von der Stadt beauftragte Studie hat ergeben, dass deren Gebäude eine Vielzahl an Unzulänglichkeiten aufweist. Fachleute empfehlen nachdrücklich, eine neue Feuerwache zu bauen. Außerdem soll die Zahl der hauptamtlich Beschäftigten zumindest verdoppelt werden, um die Tagesbereitschaft sicherstellen zu können.
Stadtwehrführer Robert Heinsius (rechts) und sein Stellvertreter Karsten Janz können auf eine hervorragende Fahrzeugtechnik verweisen. An der baulichen Ausstattung des Gebäudes hapert es allerdings.
Stadtwehrführer Robert Heinsius (rechts) und sein Stellvertreter Karsten Janz können auf eine hervorragende Fahrzeugtechnik verweisen. An der baulichen Ausstattung des Gebäudes hapert es allerdings.
© Foto: Roland Becker