„Osteoporose ist eine Volkskrankheit. Aber das wissen viel zu wenige“, sagt Sabine Krause. Nicht annähernd stehe diese Erkrankung des Skeletts so im Fokus wie beispielsweise Diabetes. Auch bei Ärzten und Physiotherapeuten sei das Wissen darum, was Knochen brüchig und was sie stark macht, nicht ausgeprägt genug. Statistisch sei jede dritte Frau und jeder fünfte Mann ab 50 Jahren betroffen. „Aber die Krankheit verläuft still und wird oft erst erkannt, wenn schon der erste Knochenbruch aufgetreten ist. Dann ist wertvolle Zeit vertan, noch mit Training und Ernährung entgegenzuwirken“, so die Leiterin der Hennigsdorfer Selbsthilfegruppe Osteoporose. Die medizinische Unterversorgung sei dramatisch und verursache großes Leid.

Bessere Bedingungen für Früherkennung schaffen

Aber die 62-jährige Hennigsdorferin, die die Diagnose selbst schon im Alter von 40 Jahren erhalten hat und 2017 die erste Selbsthilfegruppe in der Stadt gründete, hegt die Hoffnung, dass sich das ändern wird. Anzeichen dafür gibt es: In der vergangenen Woche ist in Berlin unter dem vielsagenden Motto „Sind wir noch ganz dicht?“ das bundesweite Osteoporose-Aktionsbündnis „Knochen.Stark.Macher“ gestartet.
Ziel der Kampagne ist es, verbesserte Versorgungsstrukturen für Menschen mit der Knochenschwund-Erkrankung zu schaffen und die Erkenntnisse von Therapien besser zu verbreiten. Dazu sind eine Reihe von medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Wissensplattformen, Selbsthilfegruppen, medizinischen Laboren, Frauennetzwerken und Unternehmen der Biotechnologie- und Biopharmazie-Branche angetreten. Denn mittels Bewegungstraining, gesunder Ernährung und ausreichender Versorgung mit Vitamin D und Kalzium lässt sich immerhin gegensteuern.

Prominente Unterstützung

Als prominente Unterstützerinnen werben die Moderatorin Frauke Ludowig und die Hochsprung-Oympiasiegerin Heike Henkel um Aufmerksamkeit für die Kampagne wie für die Krankheit. Die Schirmherrschaft haben Sabine Weiss, Mitglied des Bundestages (CDU) und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, und Professor Dr. Andreas Kurth, Erster Vorsitzender des Dachverbands Osteologie (DVO) sowie Bundestagsmitglied Michael Hennrich (CDU) übernommen.

Kurzfilm benennt die Probleme deutlich

Die Hennigsdorfer Selbsthilfegruppe ist stolz darauf, ein wichtiger Part dieses Starts zu sein. Denn zur Einstimmung ins Thema wurde der dreieinhalbminütige Einspielfilm „Osteoporose – unsichtbar unter uns“ gezeigt, den Frederike Gramm gedreht hat. „Alle, die ihn gesehen haben, sagen, der Film sei super geworden“, sagt Sabine Krause, die eine der wesentlichen Protagonistinnen ist. „Und nun glaube ich es auch.“ Über Youtube kann der Film angeschaut werden.

Kurse bei zertifizierten Fachleuten

„Mir geht es mit der Erkrankung inzwischen recht gut, weil ich aktiv etwas dagegen tun kann“, sagt Sabine Krause. Anders als bei „normaler“ Gymnastik finden das Osteoporose-Funktionstraining stets unter Anleitung von Osteoporose-zertifizierten Physiotherapeutinnen und -therapeuten statt. Corona hat auch diese Situation erschwert, sagt Sabine Krause, die die Selbsthilfegruppe ehrenamtlich leitet. „Wir hatten coronabedingt sechs Monate lang keine Kurse. Dabei ist das regelmäßige Funktionstraining so wichtig.“ Deshalb finden die Kurse auch in Praxen statt und nicht in Turnhallen, die dann in den Ferien geschlossen sind. Mit Messgeräten wird in der Physiotherapie-Praxis von Birgit Dehn der CO2-Ausstoß gemessen und die Qualität der Raumluft überprüft, damit sich möglichst wenig Aerosole verbreiten. Ein Ventilator steht im Frischluftstrom des geöffneten Fensters.

Neuer Trainingsort in Corona-Zeiten

Sabine Krause ist froh, dass mit der Nieder Neuendorfer Praxis ein neuer Standort gefunden werden konnte, der für die Treffen auch groß genug ist, um den nötigen Abstand einhalten zu können. Am Hafenplatz, wo die Gruppen sich bisher trafen, sei das augenblicklich nicht möglich. Ein weiterer Standort ist die Physiotherapie Thomas Strohmeier und Sandra Altenburg im Seniorenwohnpark. Sieben Kurse gibt es in Hennigsdorf inzwischen, davon zwei, bei denen die Teilnehmenden auch im Wasser trainieren. Sie sind über die Sekis in Oranienburg vernetzt und auch Mitglied im Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose.

„Wir wollen Knochenstarkmacher sein.“

Sabine Krause begrüßt das neue Aktionsbündnis sehr. In der Ausbildung von Ärzten und anderen Fachleuten müsste der Osteoporose künftig viel mehr Raum gewidmet werden, wünscht sie sich. „Wir wollen Knochenstarkmacher sein. Jetzt sind wir auf einem guten Weg: weg von der Dunkelziffer und rein ins Rampenlicht.

Wer Näheres zur Hennigsdorfer Selbsthilfegruppe Osteoporose wissen will, ist bei Sabine Krause unter 03302 802075 oder wersa-krause@t-online richtig.