Die Erneuerung der solarthermischen Anlage im Cohnschen Viertel in Hennigsdorf ist nach 15 Monaten Bauzeit so gut wie abgeschlossen. Auf fünf Hausdächern der Hennigsdorfer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) wurden die alten verschlissenen Solarkollektoren demontiert und neue angeschlossen.

Die alte Dachanlage war einst deutschlandweit die größte

Seit 2001 hatte die alte Anlage gute Dienste geleistet, betont Stadtwerke-Chef Thomas Bethke. „Damals war sie mit insgesamt knapp 900 Quadratmetern Fläche die größte Anlage in Deutschland und nach ein paar Jahren immer noch die größte im Land Brandenburg“, sagt der Geschäftsführer stolz auf das Gemeinschaftsprojekt mit der HWB.

Die neuen Paneele sind effizienter

Inzwischen ist der technische Standard ein anderer, die neueste Generation von Solarkollektoren wurde jetzt verbaut. Die Fläche ist nun um fast 200 Quadratmeter kleiner. Die Module sind aber viel effizienter und gleichen das aus. Allerdings sind sie auch schwerer, sodass die 900 Quadratmeter nicht mehr ganz ausgenutzt werden können, weil dann die Dachlast zu groß geworden wäre, erläutert Bethke. Auch die Mess-, Steuer- und Regelungstechnik wurden erneuert.
1.200 Haushalte im Cohnschen Viertel werden mit solarunterstützter Wärme für Raumwärme und Warmwasser versorgt. Bis zu 400.000 Kilowattstunden regenerative Energie werden so pro Jahr gewonnen, was eine jährliche CO2-Einsparung von 90 bis 100 Tonnen bedeute, sagt Bethke. Die letzten Rechnungen stehen noch aus. Doch etwa eine Million Euro wurde in den modernen Ersatz investiert: rund 500.000 von der HWB und 450.000 von den Stadtwerken.

Noch nicht alle Paneele geliefert

Auf einem Dach fehlen die neuen Paneele noch. Umso besser ist dort der Unterbau der Anlage zu sehen: Denn anders als bei der Vorgängerversion werden die Module auf einen stabilen, undurchlässigen, feuerverzinkten Blechaufbau aufgesetzt und in den Falzen mit Befestigungsteilen lediglich angeklammert. Die alten Paneele waren ins Dach eingeschraubt und hatten über die Jahre die Dachhaut zersetzt, es kam zu Feuchtigkeitsschäden.
„Das kann jetzt nicht mehr passieren“, sagt Holger Schaffranke zufrieden. „Und außerdem ist es auch architektonisch schöner.“ Hennigsdorf hat eine Gestaltungssatzung, die im Cohnschen Viertel zur Anwendung kommt. „Daran haben wir uns gehalten“, so Schaffranke. Er geht davon aus, dass die letzte Dachfläche in der kommenden Woche bestückt werden kann.

Auf dem Weg zur klimaneutralen Fernwärmeversorgung

Dirk Mangold vom Institut Solites, das die Arbeiten am Multiprojekt „Wärmedrehscheibe“ begleitet, lobt zudem die Ausführung. „Bei vielen Dächern ist noch eine Unterkonstruktion nötig, weil der Falz nicht gerade liegt“, erklärt er. „Hier passt es ideal zusammen.“
„Es ist uns wichtig, die CO2-Bilanz immer weiter zu verbessern“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Bethke. „Wir sind auf dem Weg zu einer klimaneutralen Fernwärmeversorgung in Hennigsdorf.“
Mit dem Konzept „Wärmedrehscheibe“, das verschiedene Energiequellen miteinander verbindet und unter anderem auch die Abwärme aus dem Hennigsdorfer Stahlwerk nutzt, geht es inzwischen bei der Stadtwerke-Tochter KPG weiter: Auf einer Fläche von noch einmal 3.000 Quadratmetern sollen am Heizkraftwerk bis Mitte nächsten Jahres Solarpaneele entstehen, diesmal aber nicht auf Dächern, sondern am Boden.