Damit ist das Projekt Nauener Straße vom Tisch, wo in mehreren Bauabschnitten ab zirka 2025 bis zu 1 000 Wohnungen auch zu sozialen Mieten entstehen sollten. Pro Velten argumentierte, dass zuvor die nötige Infrastruktur gebaut werden müsse. In der Praxis hieße das: Erst den Kindergarten oder die Schule bauen, dann erst das Wohngebiet.
SPD, Linke und FDP konnten sich mit ihrer Argumentation, dass Velten auch für die Veltener selbst dringend Wohnungen benötigt, nicht durchsetzen. Alexander Moser-Haas appellierte an die Antragsteller: "Die schon jetzt vorhandenen Probleme vieler Veltener, bezahlbare Wohnungen zu finden, löst man nicht, indem man weniger baut, sondern indem man bezahlbare Wohnungen baut."
Die Bemerkung von Heiko Gehring (AfD), der einen Zuzug von Ausländern befürchtet, wurde vom Publikum mit Buh-Rufen quittiert. Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) warnte davor, dass die Stadt mit dem Beschluss an Einfluss verliere. Denn der Kreis könne dennoch Baugenehmigungen erteilen. Der Stadt fehle dann die Handhabe, die Investoren an der Finanzumlage für Kita-Bauten und Ähnlichem zu beteiligen.
Die Mehrheit derselben Fraktionen stimmte auch dafür, die S-Bahn aufs Abstellgleis zu schieben. Mit Blick auf die Jahrzehnte zurück argumentiert Pro Velten: "Die weitere Forderung der S-Bahn nach Velten scheint abwegig." Priorität soll die direkte Einbindung des Prignitz-Expresses nach Gesundbrunnen haben. In Berlin ist bekannt, dass dies technisch in absehbarer Zeit unmöglich ist. Auch die Heidekrautbahn wird vorerst nur bis Wilhelmsruh geplant.
Die Tatsache, dass die CDU gemeinsam mit AfD und NPD den Anträgen von Pro Velten zur Mehrheit verhalf, kritisierte am Freitag die Landesvorsitzende der Linken, Anja Mayer."Ganz offensichtlich hat die Brandenburger CDU kaum Berührungsängste mit dem rechten Rand. Der Beifall der Landesspitze für den Tabubruch von Thüringen reiht sich hier nahtlos in die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit AfD – und in diesem Fall sogar der NPD – auf kommunaler Ebene ein."
Anja Mayer sieht sich durch diese Entwicklung in ihren Befürchtungen bestätigt: "Mit der Stimme eines CDU-Politikers sollen die Chancen der Veltener auf bezahlbare Wohnung und S-Bahn-Anschluss der Angstmache geopfert werden." Die Beschlüsse hätten weitreichende Folgen: "Noch unter Rot-Rot haben Brandenburg und Berlin mit dem gemeinsamen Landesentwicklungsplan die Weichen gestellt, um der erhöhten Wohnraumnachfrage im Umland gerecht zu werden." Die CDU müsse sich fragen lassen, ob sie fähig ist, auch lokal Verantwor-tung für die Landesentwicklung zu übernehmen.
CDU-Landesgeschäftsführer Gordon Hoffmann wies die Kritik am Freitag in der Berliner Zeitung zurück. Es habe keine Kooperation mit Rechtsaußen gegeben, es sei kein gemeinsamer Antrag von CDU und AfD und NPD gewesen, sagte er dem Blatt. Es sei ein Antrag einer demokratischen Fraktion gewesen, dem die CDU zugestimmt hat, aber auch andere Parteien - eben auch von der AfD. "Darin einen Tabubruch zu sehen, halte ich für eine absolute Hysterie", so Hoffmann in der Berliner Zeitung.