"Das Wort Besetzung kannten wir gar nicht. Das war alles völlig ungeplant", erinnert sich der damalige Betriebsrat Peter Schulz. Kurz zuvor war eine Delegation völlig resigniert von der Treuhand zurückgekommen. "Keiner war in diesem Moment bereit, wieder zu arbeiten. Und die nächste Schicht war es auch nicht." So begann die illegale, aber legitime und schließlich erfolgreiche Besetzung. SPD-Mann Stolpe drückt das so aus: "Die demütigen, geduldigen Ossis haben gezeigt, dass sie das Kreuz gerademachen können."
Als Emilio Riva Anfang Dezember 1991 den Vertrag mit der Treuhand besiegelte, trug dieser auch die Handschrift der Stahlwerker. Immerhin 1 050 Arbeitsplätze blieben erhalten, weitere 2 000 Mitarbeiter konnten in die von der Stadt gegründete Arbeitsfördergesellschaft ABS übernommen werden. Und ganz am Rande, aber folgenreich für die Stadt: Auch der Übergabe von 1 500 Werkswohnungen in kommunales Eigentum hatte die Treuhand zugestimmt.
Der italienischen Unternehmerfamilie Riva wurde damals viel Misstrauen entgegengebracht. Schulz betonte aber am Dienstag, dass dies keiner fremdenfeindlichen Haltung entsprungen sei. Emilio Riva habe der Belegschaft während der Besetzung ein Telegramm geschickt, das für Aufsehen sorgte: "Ich wünsche mir, dass schnellstmöglich eine stabile Lösung für die Mitarbeiter gefunden wird." Dass das gelungen ist, dafür steht an diesem November-Dienstag auch Toni Dietrich. Der 29-Jährige hält stolz das Jubiläumsplakat: "Mein Papa ist damals mit vors Tor gezogen. Wenn es ihn und seine Kollegen nicht gegeben hätte, würde ich jetzt nicht diesen in meinen Augen guten Arbeitsplatz haben."
Betriebsrat Detlef Krebs hat viele Männer eingeladen, die ihren Anteil an dieser Riva-Erfolgsstory haben. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) - damals Landrat - gehörte ebenso dazu wie der erste Riva-Geschäftsführer Hans-Hinrich Muus. Auch die lokale Presse "hat uns damals riesig geholfen", erinnert sich Schulz.
Aufmüpfig sind die Stahlarbeiter bis heute geblieben. Doch wenn sie auf die Straße gehen, protestieren sie gegen EU-Politik und Billigimporte. Auf die Riva-Familie, so scheint es, lassen die 670 Mitarbeiter nichts kommen.