Dass der gelernte Zerspaner zu Deutschlands besten Staplerfahrern zählt, ist eher einem Zufall zu verdanken. Nach dem Abschluss seiner Lehre im Hennigsdorfer Stahlwerk wurde der Facharbeiter arbeitslos. „Aber nur für eine Woche“, erinnert er sich. Er arbeitete erst seit wenigen Monaten bei seinem neuen Arbeitgeber, der Kunststoffverarbeitung Otto in Neuruppin, als er morgens gefragt wurde, ob er für den erkrankten Gabelstaplerfahrer einspringen und dessen Fahrzeug fahren könne. „Ich hatte keine Ahnung davon, aber habe natürlich Ja gesagt. Ich habe mir das dann selbst beigebracht.“ Mit diesem Tag begann die Liebe zu den wendigen und flinken Gesellen mit den zwei Zinken.
Diese Begeisterung dürfte dafür gesorgt haben, dass Neumann nicht immer nur auf dem Hof der Berliner Recyclingfirma, bei der er seit 1996 arbeitet, seine Runden drehen, sondern sich auch mit Kollegen messen wollte. Die Regionalausscheide sind für ihn jährliches Pflichtprogramm. Zwar hatte er es mehrfach aufs Siegertreppchen geschafft, doch es brauchte 18 Jahre, ehe er ganz oben stehen durfte. Auf dem Weg dorthin hatte er zwei knifflige Aufgaben zu lösen. „Ich musste mit einem Stapler mit drehbaren Gabeln, auf denen ein Ball auf einer Metallschiene lag, Slalom fahren und am Ende ein Tor schießen“, plaudert der Stapler-Profi über die durchaus eigenwillige Aufgabe. Auch der zweite Durchgang hatte es in sich. Auf den Gabelzinken stand ein Miniaturstapler, der wiederum mit kleinen Fässern bestückt war. Die galt es, sicher ins Ziel zu balancieren. Die anschließenden Theorie-Fragen waren dann kein Problem mehr. Das dürfte daran liegen, dass sich Neumann ständig weiterbildet. „Man braucht viel Fachwissen. Vor 20 Jahren reichte ein ‚Fahr vorsichtig!’. Heute muss man viel mehr wissen, zum Beispiel über Ladungssicherung“, hat Neumann erfahren.
Gemeinsam mit dem zweiten Erstplatzierten, der dieselbe Punktzahl erreichte, wird Neumann Ende September bei der Deutschen Meisterschaft in Aschaffenburg antreten. „Die Aufgaben dort werden kniffeliger sein“, ist er sich sicher. Schon jetzt weiß er, dass eine ganz neue Aufgabe auf ihn zukommt: „Dort haben sie mit dem Schubmaststapler einen Typ, den ich gar nicht kenne. Der ist für Arbeiten an Hochregalen gedacht.“ Bange machen lässt sich der Regional-Champion dennoch nicht. Sein Ziel ist klar: Kommt die Mannschaft aus Berlin-Brandenburg unter die ersten Drei, geht es 2019 zur Internationalen Meisterschaft.
Bis dahin wird Michael Neumann noch unzählige Gabelstapler-Runden an seinem Arbeitsplatz drehen. Das macht ihm nach fast 25 Jahren noch immer viel Spaß. „Es ist an jedem Arbeitstag derselbe Hof, derselbe Stapler. Aber es ist immer wieder neu und interessant. Ich weiß auch nicht warum“, staunt Neumann über sich selbst.

Auf dem Weg zum Welt-Cup


■ Weltmeister werden nicht nur in Fußball, Handball oder Eishockey ermittelt. Auch die Gabelstaplerfahrer suchen ihren Champion.

■ In einer ersten Stufe werden die Regionalmeister ermittelt. In unserer Region treffen sich dazu die Staplerfahrer aus Berlin und Brandenburg. In diesem Jahr nahmen daran Ende Mai gut 60 Interessierte teil, die sich in Wustermark beim Stapler-Vertrieb von Trafö trafen.

■ Von 20. bis 22. September wird in Aschaffenburg die Deutsche Meisterschaft ausgetragen. Nach der Vorrunde geht es im K.-o.-System weiter. Die drei Sieger nehmen 2019 am selben Ort an der Weltmeisterschaft teil.  (rol)