Bei der Auslosung der Gruppen hatte Turnierorganisator Sven Teichfischer dem Team „Mia san Kubb“ um Mathias Rockel und Robert Mann scherzhaft bereits ein Bahnticket für die schnelle Abreise ans Herz gelegt. Doch die beiden Hennigsdorfer überraschten bei den 12. Internationalen Kubbmasters, ausgetragen vom SV Arminia Magdeburg, einfach alle und holten den Titel. „Anfangs hatte ich andere Teams weiter vorn gesehen, aber Mathias und Robert haben das richtig gut gemacht und am Ende verdient gewonnen“, zollte Teichfischer später großen Respekt.

Von null auf Sieg

Dabei hatten die Oberhaveler bisher, wenn überhaupt, nur gelegentlich Kontakt zu diesem Geschicklichkeitsspiel, welches hierzulande auch als Wikingerschach bekannt ist. „Wir hatten uns kurz zuvor auch nur mal auf dem Gemeindeacker getroffen, ein Feld abgesteckt und ein paar Hölzer geworfen“, sagte Mathias Rockel. Ein Turnier mit 32 Mannschaften sei jedoch etwas völlig anderes. „Im Team mit Robert hat es dann aber wirklich super funktioniert. Wenn der eine ein wenig geschwächelt hat, dann war der andere gut. Wir haben zwar manchmal den ersten Satz abgegeben und waren eigentlich schon raus, dann aber immer Comebackqualitäten gezeigt.“ Mit einem Lachen ergänzte der Hennigsdorfer: „Irgendwann hatten uns dann die Gegner auf dem Schirm, aber da war es zu spät.“

Anstrengende Stunden

Auch im Finale meldete sich das Duo Rockel/Mann nach einem Rückstand eindrucksvoll zurück. Wo in den Stunden zuvor euphorische Stimmung herrschte, war plötzlich Ruhe eingekehrt. „Es stand wirklich auf des Messers Schneide und man hätte eine Stecknadel auf den Boden fallen hören können“, sagte Rockel, der die Folgen der Anspannung noch einige Tage später zu spüren bekommen sollte. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so wirke, ein solcher Wettkampf sei aber „richtig anstrengend. Ich habe mit rechts geworfen und die linke Seite und der Nacken schmerzten noch einige Zeit. Das liegt wohl an der ungewohnten Körperhaltung. Auch mental ist das nicht ohne. Man muss sich immer konzentrieren. Letztlich habe ich mich nach acht Stunden Kubb-Sport wie nach einem zwölfstündigen Fußballturnier gefühlt.“

Youtube 12. internationales Kubb Masters - Finale

Gemeinsam beim FC 98

Eben jener Fußball war es, der die Oberhaveler und Sven Teichfischer vor einigen Jahren zusammenbrachte. Zur Saison 2014/2015 war der 35-Jährige zur zweiten Mannschaft des FC 98 Hennigsdorf gewechselt. Nach zwei Spielzeiten in der Stahlstadt zog es ihn zum 1. SV Oberkrämer, für den er noch 2018/2019 auflief. Vor etwas mehr als einem Jahr schloss sich Teichfischer jedoch wieder seinem Heimatverein Arminia Magdeburg an – in neuer Funktion als Abteilungsleiter für Kubb-Sport.
Warum sich sein Freund dafür entschied, diese Rolle zu übernehmen, kann Mathias Rockel nach dem Internationalen Masters nur zu gut nachvollziehen. „Das ist dort ein richtiger Volkssport. Es wird in jeder freien Minute trainiert. ,Teichi’ sagt immer, dass Kubb das neue Darts ist. Dass sich das dort so entwickeln kann, kann ich mir mittlerweile wirklich gut vorstellen“, so der Hennigsdorfer.

Ablauf und Regeln


Das Geschicklichkeitsspiel ist im deutschsprachigen Raum auch unter dem Namen Wikingerschach bekannt.

Beim Internationalen Masters kam es darauf an, zwei Sätze für sich zu entscheiden. Im Turniermodus folgten auf eine Gruppenphase die K.-o.-Runden.

Das Spielfeld wird auf die Maße fünf mal zehn Meter abgesteckt. Auf die beiden Grundlinien werden dann jeweils fünf sogenannte Basiskubbs sowie der König auf einer gedachten Mittellinie platziert.

Geworfen wird auf die Kubbs von der Grundlinie. Die Wurfhölzer dürfen nicht von oben geworfen und nicht seitlich geschleudert werden. Der Wurfstock muss von unten geworfen werden. Eine vertikale Drehung ist dabei möglich. Allerdings nur vertikal und nicht horizontal, denn ein solcher Helikopterwurf wird sofort für ungültig erklärt und die dabei getroffenen Kubbs müssen wieder aufgestellt werden.

Spielende: Wird beim Königswurf zuvor ein Kubb getroffen, ist nur dieser Wurf ungültig. Das Spiel wird normal fortgesetzt. Der umgeworfene Kubb gilt für das gegnerische Team als umgeworfen. Wer den König im Verlaufe des Spiels mit Kubb oder Wurfstock umwirft, hat sofort verloren.

Arminia Magdeburg organisiert seit 2008 ein Turnier. Anfänglich waren nur wenige Mannschaften dabei. 2020 feierte der Gastgeber mit 32 Teams jedoch einen Teilnehmerrekord. Für das kommende Jahr kann Abteilungsleiter Sven Teichfischer schon jetzt mit mindestens 42 Mannschaften den nächsten Bestwert vermelden.