Ein nahezu perfektes Spiel attestierte Peter Schwarz dem Kieler TV. Das ist jene Mannschaft, die am Sonnabend mit dem 3:1-Erfolg über den SV Lindow-Gransee die Trümpfe in der Hand hat, um Meister der 2. Volleyball-Bundesliga zu werden. Allerdings führt der Sechser von Trainer Peter Schwarz, der SV Lindow-Gransee, das Feld der Zweitligisten an. Noch, weil Kiel dank einer zweiten noch ausstehenden Partie die Möglichkeit besitzt, am Tabellenersten vorbeizuziehen.
Von „brutal kaltschnäuzigen Kielern“ und „Nervenflattern bei uns“ spricht der Lindower Trainer nach dem Duell des Zweiten gegen den Ersten. Was Kiel in den ersten beiden Sätzen, vor allem im ersten zeigte, sei wirklich Volleyball auf höchster Ebene gewesen lobt Schwarz. Mit Spielerwechseln suchte er die beste Variante, um den Kieler Dampfer zu halten. „Wir waren in der Annahme nicht stabil genug und vorn machten wir die Bälle nicht tot.“ Der im Training so immens starke Timo Schlag musste für Pjotr Adamowicz weichen und auf Diagonal kam der Ägypter Omar Mohamed für Felix Göbert. Peu a peu fanden die Gäste den Rhythmus, während Kieler seinen Pfad der bärenstarken Anfangsoffensive etwas verließ.

Kieler Adlerhorst bleibt sauber

Dass der Klatsche im ersten Satz (15:25) und dem 20:25 im zweiten ein 25:20-Erfolg im dritten gelang, spricht zum einen für die Moral und zum anderen für die Klasse der Gäste, die sich nun in der Höhle des Löwen wehrten. Kiel hatte bis dahin nicht eine Begegnung in seinem „Adlerhorst“ verloren. Im letzten Heimspiel dieser Saison wäre es fast so weit gekommen. Denn Lindow-Gransee trennte nur ein Punkt am Gewinn des vierten Satzes: 24:23-Führung. Aber Kiel beeindruckte mit genau dem, was Lindow-Gransee über Jahren auszeichnet – psychisch stärker als der Gegner in den entscheidenden Szenen. Drei Punkte in Folge gegen sich, die Gäste verloren den Satz, das Spiel und die Laune für die Rückfahrt im gecharterten Bus. Den musste der Staffelerste diesmal nehmen, weil die Bahnverbindung für die Heimreise in der Nacht zu kompliziert war.
Peter Schwarz: „Das Spiel hätte auch zum 2:2 flippern können. Schade, aber so ist nun mal unser Sport. Man darf nicht vergessen, dass wir bei einer Mannschaft angetreten sind, die alle Heimspiele gewonnen hatte. Diese Niederlage muss man akzeptieren, obwohl uns dieser nicht gewonnene Satz vielleicht die Meisterschaft rauben könnte. Wir wollten uns die Chance auf einen oder mehr Punkte in Kiel auf dem Feld erarbeiten und wir wollten dann zupacken. Ersteres haben wir geschafft.“

Schützenhilfe aus Bocholt oder Bitterfeld nötig

Lindow-Gransee muss einerseits den letzten Gegner, Moerser SC, am kommenden Sonnabend (18 Uhr) bezwingen, muss andererseits auf die Schützenhilfe anderer setzen. Kiel tritt in Bocholt an, dort hatte Lindow-Gransee zuletzt verloren. Und Kiel beendet die Saison eine Woche später beim VC Bitterfeld/Wolfen, dann stecken die Schwarz-Männer bereits in der Sommerpause. „Der Drops ist in Anbetracht der schweren Aufgaben weder für Kiel noch für uns gelutscht.“
Sicher ist, dass Lindow-Gransee erneut die Zweitliga-Saison auf einem Podestplatz beenden wird. Voriges Jahr stand das Team beim vorzeitigen Abbruch auf Rang eins, ein Meister wurde jedoch nicht von der Volleyball-Bundesliga gekürt. In diesem Jahr wird es Silber oder Gold. Keine der drei Spitzenmannschaften will offenbar ihr Aufstiegsrecht in die erste Liga nutzen.