An manchen Straßenecken wird mit Plakaten für das diesjährige OPR-Festival in Zühlen bei Rheinsberg Reklame gemacht. Auch bei Facebook und auf der eigenen Website wird noch für die Tickets und Rockbands geworben. Aber: "Es sollte niemand mehr Karten kaufen", sagt Lars Otto vom noch sehr jungen Festival-Verein. Denn die Veranstaltung fällt aus. Selbst ein Anwalt musste laut Otto schon in die Spur geschickt werden, um gegen ein Vorstandsmitglied vorzugehen, das den Mitorganisatoren richtig Sorgen bereitet.

Anderes Angebot für Rheinsberg

Dabei hatten die Musikfans eigentlich ein gutes Konzept. "Wir wollten hier in der Nähe von Rheinsberg etwas anderes machen, weil Kultur hier ja immer nur in die eine Richtung geht", sagt Otto. Anstelle von Klassik und allzu lieblichen Melodien sollte auf einer mit Bauzäunen abgesperrten Wiese bei Zühlen, auf der sonst immer der Viehmarkt stattfindet, an zwei Abenden hintereinander Rockmusik gespielt werden. Zwölf Bands sind dafür offenbar schon gewonnen worden. Darunter Cashley, Infight, Maerzfeld und die Böhse-Onkelz-Tributeband  Mandados del Cielo. "Schon allein wegen Maerzfeld wären viele gekommen", ist sich Otto sicher. Mit bis zu 2000 Fans sei beim Erarbeiten des Sicherheitskonzepts kalkuliert worden. "1000 wollten wir mindestens haben", so Otto. Alle hätten dort mit Zelten, Wohnmobilen und Wohnwagen campen und zwei Tage Musik live erleben können. Karten sollten laut Internetseite zwischen 13,50 und 38 Euro, der Campingplatz 35 und die eigene Dixi-Toilette 120 Euro für das Wochenende kosten.
Aber nicht nur die Corona-Pandemie hat den Rock-Fans, die dann auch ein Hygenie-Konzept hätten erstellen und Abstandsregeln gewährleisten müssen, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vor Probleme stellt die Organisatoren vor allem, dass ein verantwortliches Vereinsmitglied derzeit nicht mehr aufgreifbar ist.
"Das ist eine ganz böse Sache", sagt Otto, der mit seinen Mitstreitern nun um größtmögliche Schadensbegrenzung bemüht ist. Denn der Verein als Veranstalter sei noch gar nicht richtig gegründet. Hinzu komme außerdem, dass die übrigen Organisatoren nicht an den Facebook-Auftritt des Festivals herankommen. Das war dem Vorstandsmitglied vorbehalten, das laut der Internetseite auch der Kontoinhaber des Vereins ist, auf das die Einnahmen aus dem Kartenverkauf laufen. So wird seit Wochen weiterhin für die Konzerte geworben und es werden Eintrittskarten zum Ausdrucken angeboten. Wer dort allerdings Kontakt zu den Veranstaltern sucht, bekommt keine Antwort. Auch Anfragen über die Webseite, auf der keine Telefonnummer steht, laufen ins Leere.

Anzahl verkaufter Karten unbekannt

Die übrigen Vereinsmitglieder haben bisher noch keine Möglichkeit gefunden, die Angaben auf den Seiten zu ändern oder zu sperren. Nur in den Kommentar-Spalten versuchen sie die Fans zu beruhigen, die schon Karten gekauft haben. Wie viele Karten bislang verkauft wurden, weiß Otto nicht. Selbst die Bands sind noch nicht alle im Bilde, dass sie im September nicht anreisen müssen. "Wir haben keine Info. Für uns findet das statt", sagte ein Mitglied der Berliner Band Cashley am Mittwoch auf Nachfrage.
Im Zühlener Ortsbeirat sollte Lars Otto am Mittwoch Rede und Antwort zu dem Festival stehen, dessen Absage bis dahin noch nicht offiziell war. "Es gab dazu mehrere Nachfragen im Dorf und auch etwas Widerstand", so Ortsvorsteher Jan Güntzel. Um die Bedenken der Anwohner auszuräumen, sollten die Veranstalter eigentlich ihr Sicherheitskonzept und alles Wichtige rund um das Festival kurz vorstellen.
Bei der Polizei hat der Verein bisher keine Anzeige gegen sein Vorstandsmitglied erstattet. "Sollte der Verein das tun, wäre das auch eine Grundlage für eine Aufenthaltsermittlung", sagte Polizeisprecher Julian Kindt am Mittwoch, der diesbezüglich auch sehr zuversichtlich ist, dass diese Nachforschung Erfolg hat. Polizeilich bekannt ist das Vorstandsmitglied bereits: "Im Hause werden mehrere Ermittlungsverfahren wegen Betrugs geführt."