Rund 360 000 Kubikmeter Abwasser werden in Fehrbellin pro Jahr gereinigt. Klärschlamm ist ein Endprodukt, das bei diesem Prozess in der Kläranlage anfällt. Bislang konnte der Schlamm unter anderem als Dünger auf Feldern ausgebracht werden. Einen Bauern gibt es auch noch, der dem Zweckverband im Frühjahr den Schlamm abnimmt, berichtet Bormann. Doch das allein würde bei Weitem nicht reichen. Daher wird nun auf eine Technik gesetzt, die auch die Stadtwerke Neuruppin für den Schlamm nutzen.
Dazu wird das nahezu komplett aus Wasser bestehende Gemisch auf eine Vererdungsanlage gebracht. Zweimal 3 700 Kubikmeter fassen die großen Becken in Fehrbellin, die neben der Kläranlage eingerichtet werden. Eine wasserdichte Folie sorgt dafür, dass nichts in den Boden oder das Grundwasser darunter sickern kann. In den Becken entzieht Schilf dem Schlamm die Nährstoffe, und die Wurzeln sorgen zugleich dafür, dass der entstehende Boden aufgelockert wird. Das Wasser, aus dem der Schlamm zum überwiegenden Teil besteht, verdunstet oder läuft gereinigt zurück ins Klärwerk.
Die Entscheidung für die neue Anlage wurde im Verband nicht aus dem Bauch heraus getroffen. "Wir hatten eine Studie dazu in Auftrag gegeben, was der richtige Weg ist, mit dem Klärschlamm umzugehen", sagt Bormann. Die empfahl den jetzt gewählten Bau. Der ist in mehrerlei Hinsicht sinnvoll. Zum einen besitzt der Zweckverband die Flächen neben dem Klärwerk, auf denen jetzt die Vererdungsanlage entsteht. "Wir mussten als dafür keine Grundstücke erwerben", so der Geschäftsführer. Zum anderen entstehen so keine zusätzlichen Kosten für den Transport des Schlamms, da er direkt aus der Kläranlage in die entstehenden Becken gepumpt werden kann. "Dort wird der Schlamm thermisch entwässert.
Schließlich gibt die Größe der Anlage dem Verband auch eine gewisse Sicherheit: Denn bis die ersten Becken so weit gefüllt sein werden, dass die Erde daraus entnommen werden kann und damit zumindest potenziell ein weiteres Entsorgungsproblem entstehen könnte, werden voraussichtlich zehn bis zwölf Jahre vergehen. Und der verdickte Schlamm wäre auch landwirtschaftlich nutzbar. Daher sieht Bormann die Lösung als beste Mischung der ökonomischen und ökologischen Ziele. "Es wird keine Gebührensprünge wegen des Klärschlamms geben", ist er zuversichtlich.
Billig war das Vorhaben aber nicht. Insgesamt steckt der Zweckverband rund 1,2 Millionen Euro in die neue Anlage. Das waren zwar deutlich mehr als ursprünglich geplant. "Wir sind von 800 000 Euro ausgegangen", berichtet Bormann. Doch auch die 360 00 Euro Fördermittel des Landes halfen bei der Realisierung.

Eckdaten zur Kläranlage


3000  Kubikmeter Klärschlamm produziert die Kläranlage am Rand von Fehrbellin pro Jahr.

5 bis 7 Prozent des Klärschlamms bestehen aus Trockensubstanz. Der Rest ist Flüssigkeit, die in der neuen Anlage verdunstet oder abtransportiert wird.

10 Jahre dauert es in etwa, bis ein Becken der Anlage voll ist. Dann kann der verdickte Schlamm ausgebracht oder verbrannt werden. zig