Die Kunstaktion ist Teil des Programms LandKultur, das zu 100 Prozent vom Bund gefördert wird. Dieses Projekt hatte Cornelia Lambriev-Soost, die es vor Ort betreut, schon einmal in größerer Runde vorgestellt. "Wir fanden das auch interessant", sagt Heidrun Händel, die Vorsitzende des örtlichen Kulturvereins. Im Zuge der Vorbereitung für den 600. Geburtstag des Dorfes, der eigentlich am 5. September gefeiert werden sollte, kam Lambriev-Soost direkt auf die Nietwerderaner zu. Die Porträt-Aktion würde dazu passen, so die einhellige Meinung. Die Feier musste zwar wegen der Corona-Krise verschoben werden, die Kunst blieb.
Viele leere Blätter im Gepäck
So ist Nina Heinke am Freitag in Nietwerder angereist, mit allerlei Stiften, Farben und jeder Menge leerer Blätter im Gepäck. Von ihrer Unterkunft bei Händels aus wurde die Tour durchs Dorf gestartet. Heidrun Händel hatte zuvor die Werbetrommel gerührt und möglichst viele Einwohner zum Mitmachen bewegt. "Heute nehmen wir uns die eine Seite des Dorfes vor, morgen die andere", kündigt sie am Freitag an. Schwierig sei es nicht gewesen, die Menschen zu überzeugen. "Haustiere sind ja immer auch ein Hobby." Alle seien auch einverstanden gewesen, dass die fertigen Bilder im Juli im Kiosk in Neuruppin ausgestellt werden.
Das Ziel der ganzen Aktion ist damit schon fast erreicht: "Kunst am Anger" soll laut Julia Peetz, Sachgebietsleiterin für Kultur und Sport in der Neuruppiner Stadtverwaltung, erreichen, dass die Menschen sich begegnen und die Dörfer sich präsentieren. "Die Bewohner der Ortsteile sollen mit dem Projekt in den Fokus gerückt werden", so Peetz. Dabei sollte nicht irgendeine Kulturveranstaltung in das jeweilige Dorf gebracht werden. Das Dorf selbst soll quasi die Kulturveranstaltung sein. Die Frage im Vorfeld sei gewesen, was in dem Ort prägend ist. "Jeder Ortsteil hat ja seine Belange", sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. Mit den Künstlern gemeinsam sollen Dörfer erkundet und Potenziale herausgestellt werden. Es muss nicht immer die Porträt-Sitzung sein: Auch der Geruch, der Klang oder die Esskultur eines Ortes können eine Rolle spielen, so Peetz.
Erst einmal stehen aber die Vierbeiner und ihre zweibeinigen Besitzer im Fokus. Einen Schäferhund und Enten hatte Nina Heinke an diesem Freitag schon gezeichnet. Sie hat es sich angewöhnt, von Tieren vorab ein Foto zu machen, da diese nicht oft so vorbildlich sind wie das Kaninchen der Händels. Heinke ist meist als Hochzeitszeichnerin unterwegs und zeichnet Menschen auf größeren Veranstaltungen. "Das hier ist mein erster Live-Job seit Januar", sagte die Berlinerin. Die Corona-Krise hat ihre Auftragslage komplett zunichte gemacht. Durch Porträts auf Bestellung konnte sie sich über Wasser halten.
Seit 14 Jahren ist Nina Heinke Porträtzeichnerin, seit fünf Jahren für Events buchbar. Lange Zeit hat sie ihre Illustrationen digital hergestellt. Doch das Zeichnen mit der Hand, der Kontakt mit den Menschen mache sie glücklich. "Die meisten Leute wurden noch nie gemalt", erklärte sie. "Da habe ich schon viele wundervolle Momente erlebt." Sie kann aber auch mal 100 Leute in fünf bis sechs Stunden malen, beispielsweise auf großen Veranstaltungen.
"Ich bin eine höfliche Zeichnerin", verspricht Nina Heinke. Und tatsächlich entdeckt Heidrun Händel auf dem Bild ihres Mannes das eine oder andere Fältchen um die Augen weniger als beim Original. "Keine Sorge, ich habe Photoshop, Make-up und Lockenstab immer dabei", sagt Nina Heinke und zeigt auf ihre vielen Stifte und Farben.
Bis ins Jahr 2021 hinein reicht die Aktion. Als nächstes wird "Kunst am Anger" in Molchow Station machen. Auch Krangen und Gnewikow sind dabei. Für alle anderen Ortsteile bleibt noch Zeit, sich in der Stadtverwaltung zu melden.