Die Autodidaktin Strauß hatte sich vor 20 Jahren als Keramikerin selbstständig gemacht, nachdem sie zuvor als Sozialarbeiterin tätig gewesen war. Die kreativ-künstlerische Arbeit ist für sie zwar auch nicht stressfrei, doch es handele sich um positiven Stress, schätzte die Kunsthandwerkerin ein.
Am Sonnabend und Sonntag stellte sie vor kleinen Publikumsgruppen Teller und Blumentöpfe her. Letztere sind sehr gut zum Einhängen in textile Blumenampeln geeignet. Wer wollte, konnte von der eigens zubereiteten "Desinfektionsbowle" kosten oder zum selbst gebackenen Kuchen greifen.
Ihre Waren bietet Strauß außer beim Tag der offenen Töpferei auch auf großen Themenmärkten an. Sie hofft sehr, dass der Rheinsberger Kunsthandwerkermarkt trotz der Corona-Krise stattfinden wird. Ein schwerer Schlag sei für sie und viele andere Töpfer die Absage des stets sehr gut besuchten Crinitzer Töpfermarktes, der Anfang April stattfinden sollte. Nahe Finsterwalde treffen sich schon seit 24 Jahren bis zu 100 Kunsthandwerker, um ihre Waren einem breiten Publikum anzubieten. Für viele kleine Werkstätten könnte es eng werden, falls mehrere große Märkte absagen, schätzte Strauß ein.
Dass im Freien stattfindende Märkte untersagt werden, andere Einrichtungen unter freiem Himmel aber geöffnet bleiben, versteht sie nicht: "Der Tierpark Kunsterspring bleibt geöffnet, den Ostermarkt aber sagt die Stadt Neuruppin ab." Logisch sei das nicht. Die drastischen Maßnahmen brächten Probleme: "Es wird für mich und meine Kolleginnen und Kollegen schwierig in der ohnehin dünn besiedelten ländlichen Region."
Keramikmeisterin Susann Noeske-Heisinger betreibt seit 2008 das Familienunternehmen Hakenberg-Töpferei. Während sie selbst die Waren töpfert und teils auch für das liebevolle Bemalen zuständig ist, inszeniert ihre Mutter Steffi Barchewitz mit feinem Pinsel kleine florale Kunstwerke auf Tellern, Tassen und vielen anderen Töpferwaren.
Noeske-Heisinger achtete am Wochenende darauf, dass wegen der Corona-Gefährdung stets nur kleine Gruppen in Werkstatt und Verkaufsräume kamen. Wer mochte, konnte wie in Lentzke selbst gemachten Kuchen probieren oder einen Kaffee trinken.
Marktabsagen würden sich für kleine Töpfereien natürlich negativ auswirken, befand auch sie. Sie wünscht sich weniger Panik im Umgang mit dem Virus. Es sei fraglich, ob es wirklich sinnvoll ist, große Märkte abzusagen, die im Freien stattfinden. Eines aber sei sicher: "Für alle Menschen, die von den Einnahmen dieser Märkte leben, entsteht ein Problem." Die Hakenbergerin setzt neben Werkstattverkauf und Märkten auch auf einen Shop im Internet.
Der große Hingucker waren am Wochenende in Hakenberg die vielen mit Erdbeeren bemalten Tassen, Teller, Töpfe und Vasen. Jeder Tag der offenen Töpferei steht bei Noeske-Heisinger unter einem Motto. Diesmal drehte sich alles um das nicht nur bei Kindern sehr beliebte rote Obst, bei dem es sich aus botanischer Sicht um Scheinfrüchte handelt. Autodidaktin Barchewitz hat einmal mehr das Publikum mit ihren gelungenen Kreationen überzeugt.
Wie in Lentzke griffen auch in Hakenberg etliche Besucher gern zum Portemonnaie, um das eine oder andere Stück zu erwerben. Eignet es sich doch auch als Ostergeschenk.

Offene Töpfereien

Seit vielen Jahren findet diese Veranstaltung, an der sich deutschlandweit Töpfereien beteiligen, statt. Das Event ermöglicht es Besuchern, einen Einblick in die Arbeit der Kunsthandwerker zu erhalten und in Ateliers, Studios und Keramikwerkstätten mit Akteuren ins Gespräch zu kommen. Aus Sorge vor einer Ausbreitung des Coronavirus gab es kurzfristige Absagen. In Hakenberg und Lentzke waren Besucher aber gern gesehen. zig