Bis zum 31. Mai 2021 hat die Stadt Rheinsberg Zeit, die Deponie „Am Wald“ zu renaturieren. Die entsprechende Verfügung der Unteren Naturschutzbehörde ist am 22. Juli eingegangen.

Schadstoffe im Grundwasser

Die alte Müllhalde erstreckt sich auf eine Fläche von 3000 Quadratmetern. Der oberere Grundwasserleiter unterhalb der Halde ist nach Einschätzung des Tiefbauamtes bereits mit Schadstoffen kontaminiert. Um zu verhindern, dass durch Regenwasser weitere Gifte ins Grundwasser sickern, muss dieses Areal mit einer wasserundurchlässigen Tonschicht abgedeckt werden. Die Kosten dafür werden von der Verwaltung auf 100.000 Euro geschätzt. „Wie hoch die Kosten tatsächlich werden, wissen wir noch nicht. Die Ausschreibung läuft noch“, sagt Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler). Damit wäre nach der Deponie am Hafendorf, die bereits im vergangenen Jahr saniert worden ist (wir berichteten), die zweite Altlast beseitigt.

Größte Müllkippe im Possluch

Die mit Abstand größte Deponie am Possluch muss jedoch noch angegangen werden. Bis 1990 wurden dort auf einer Fläche von fünf Hektar südöstlich des Schlossparks Hausmüll, Bauschutt, Asche, Metallreste, Dachpappe und Holz entsorgt, von denen Schadstoffe wie Schwermetalle, Kohlenwasserstoffe und Sulfat ins Grundwasser gelangen. Wegen eines Steilhangs und dem Gefälle auf dem Areal sammeln sich Niederschläge unter der Deponie an, die die Schadstoffe zum Possluch transportieren, wo sich Gärten mit Brunnen befinden. Das Wasser dort ist aber ohnehin nicht als Trinkwasser geeignet. Rheinsbergs Tiefbauamt rät aber auch davon ab, sich damit die Hände zu waschen oder Nutzpflanzen zu gießen.

Hohe Kosten

Trotz der relativ akuten Lage hat die Stadt für die Sanierung des Possluches von der Unteren Naturschutzbehörde einen Aufschub bis 2021 erhalten. Ohnehin sind laut Bauamtsleiter Daniel Hauke die Bodenuntersuchungen dort noch nicht abgeschlossen. Zudem könnte Rheinsberg die Kosten nicht auf einmal stemmen.
Das Abfallvolumen wird auf etwa 120 000 Kubikmeter geschätzt. Die Deponie im Possluch ist somit fünfmal so groß wie jene am Hafendorf. Hinzu kommt, dass der Steilhang stabilisiert werden muss. Die Kosten für die Sanierung werden daher auf mindestens eine Million Euro geschätzt. Die Stadt Rheinsberg hat deshalb mit dem Landkreis vereinbart, die Sanierung auf mehrere Jahre zu verteilen.

Keine Fördermittel

Auf den Kosten bleibt Rheinsberg allein sitzen. In den Nachwendejahren gab es noch Förderprogramme, um DDR-Altlasten zu beseitigen. Viele Kommunen haben davon Gebrauch gemacht und ihre Deponien spätesten in den Nullerjahren saniert. Aus irgendeinem Grund hat Rheinsberg das Thema jedoch links liegen lassen. Die Sanierung des Possluchs ist im Rathaus zwar bis 1996 vorbereitet worden, dann aber aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen nicht weiter verfolgt worden. Heutzutage gibt es keine Fördermöglichkeiten mehr, für die Renaturierung von alten Deponien. „Wir sind 20 Jahre zu spät“, so Schwochow. Die Sanierung herauszuzögern bis zu einem Zeitpunkt, an dem die Stadt mehr Geld zur Verfügung habe, möchte er deshalb nicht. Dazu müsste die Stadt Widerspruch gegen die Verfügung des Kreises einlegen, was weitere Kosten nach sich ziehen würde. Zudem bescheinigt Schwochow einem solchen Vorhaben wenig Erfolgschancen. „Und es muss einfach gemacht werden“, so der Rathaus-Chef.
Zumindest was die Deponie „Am Wald“ angeht, braucht sich die Verwaltung keinen Vorwurf zu machen, erst so spät zu handeln. Denn sie wurde erst 2015 wiederentdeckt.