Museumsleiterin Maja Peers-Oeljeschläger stellte zunächst das Grobkonzept der Exposition vor. Viele in den zurückliegenden drei Jahrzehnten entstandene Fotografien und Textbeiträge würden Menschen mit ihren sehr individuellen Erinnerungen an die Wende und die Veränderungen in der Zeit danach aufzeigen. Die politische und wirtschaftliche Entwicklung Neuruppins soll ebenso eine große Rolle spielen wie die Veränderungen des Schul- und Bildungswesens. Um auch Nachwendegeborene  für das Thema zu interessieren, ist das Evangelische Gymnasium Kooperationspartner der Schau.
Kernpunkte vorgestellt
Kuratiert wird die Ausstellung auch von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Sophie Buchholz. Sie stellte einige Kernpunkte vor. So werde es darum gehen, welche Denkmäler weichen mussten und welche bleiben durften. Auch Veränderungen bei den Straßennamen werden näher betrachtet. Der friedliche Einsatz Tausender Ruppiner für die Befreiung der Kyritz-Ruppiner Heide von den einstigen Plänen der Bundeswehr, das Areal als Übungsgebiet zu nutzen, wird ebenso aufgezeigt. Aber auch weniger angenehme Themen wie die Vorfälle von rechtsradikaler Gewalt in den 1990er-Jahren werden dokumentiert. Ebenso die Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Verlust von Arbeitsplätzen, der durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen abgefedert werden sollte.
Wer seine ureigenen Wende- und Nachwende-Erfahrungen im Museum hinterlassen will, kann sie beim Besuch der Ausstellung aufschreiben und in eine Box einwerfen.
Alle Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, am Donnerstag ihren Wende-Gegenstand samt Geschichte dazu zu präsentieren. Buchholz machte den Anfang mit dem Familien-Fotoalbum und einem Porträt, auf dem sie selbst als Kind im Kreise der Familie steht. Ganz wichtig: Zu sehen ist auch der zwar gebraucht gekaufte, aber noch sehr ansehnliche rote Ford Fiesta, den sich die Familie angeschafft hatte, obwohl eigentlich erst kurz zuvor ein Trabant für 10 000 DDR-Mark gekauft worden war. Doch der Trabi galt nun nichts mehr. Für die damalige Schleswig-Holsteinerin Peers-Oeljeschläger hat sich eine Reise nach Berlin sehr gut eingeprägt. Ein ostdeutscher Junge verkaufte am Reichstag seine Schulbücher. Sie griff zu und erwarb ein Staatsbürgerkunde-Lehrbuch, das sie noch heute besitzt.
Stadtverordnetenvorsteher Gerd Klier (Linke), von Beruf Rechtsanwalt, war damals noch Jurastudent. Er hatte mit anderen Kommilitonen an Varianten künftiger gesamtdeutscher Verfassungen gearbeitet, ebenso an einem Grundgesetz für eine tatsächlich demokratisierte DDR, die zunächst ebenfalls diskutiert worden war. Die seinerzeit entstandenen Entwürfe werden Bestandteil der Wende-Ausstellung. Der heutige Rechtsanwalt Dr. Klaus-Eberhard Lütticke baute damals das Landgericht Neuruppin auf, an dem er später lange Jahre Vorsitzender Richter war. Er erinnert sich an den Vereinigungsrausch, den er mit seiner Ehefrau beim Besuch Berlins kurz nach der Grenzöffnung erlebte. Später bemerkte er, wie schwierig es sein konnte, das 1952 abgeschaffte Neuruppiner Landgericht komplett neu aufzubauen. Nur ein Telefon gab es für alle. Es handelte sich um den Vorläufer der heutigen Handys. Der war riesig, schwer und hatte eine lange Stabantenne. Wer telefonieren wollte, musste oft lange anstehen.
Ein Großteil der Ausstellung ist zwar bereits konzipiert. Wer dennoch glaubt, mit seinen individuellen Erinnerungen und Objekten zur Schau beitragen zu können, für den bietet sich als Erstkontakt eine E-Mail unter info@museum-neuruppin.de an.

Die aktuelle Schau und die nächsten Termine


Die aktuelle Ausstellung trägt den Titel "Faszination Alhambra" und befasst sich mit dem Architekten Carl von Diebitsch.

Zwei Vorträge wird es im Zuge dieser Schau geben: Am Mittwoch, 5. August, um 18 Uhr erhalten Interessierte von der Referentin Silke Kreibich aus Berlin eine Einführung in die Ausstellung. Anmeldungen sind unter 03391 3555100 möglich.

Am 23. August um 14 Uhr heißt es "Halbmond über dem Ruppiner See – Der Orient zum Greifen nah". Referent ist der ehemalige Leiter des Brandenburg-Preußen Museums Wustrau, Dr. Stephan Theilig.

Anschließend ist eine Führung mit Peter Neiß durch den Tempelgarten geplant. Das Motto lautet "Die orientalischen Elemente in der Architekt des Tempelgartens und ihr kulturgeschichtlicher Hintergrund".

Anmeldungen sind bis zum 19. August ebenfalls unter 03391 3555100 möglich. red