Beim preußischen Architekten Diebitsch denken die meisten Ruppiner wahrscheinlich an den von ihm für die Kaufmannsfamilie Gentz umgestalteten Tempelgarten, vielleicht auch noch an den Kornspeicher des Gutes Gentzrode.
Die Berliner Kunsthistorikerin Silke Kreibich und die museumsinterne Projektleiterin Carola Zimmermann haben sich intensiv mit Diebitsch beschäftigt, um eine möglichst facettenreiche Ausstellung gestalten zu können. Zimmermann hatte vor zwei Jahren eine Schau der Technischen Universität Berlin über den Architekten sehr gefallen. Doch sei diese zu wissenschaftlich gewesen, um sie direkt nach Neuruppin zu holen.
Und Kreibich musste während ihrer Recherchen feststellen, dass es schwierig war, Quellen zu finden, die den Architekten und sein Leben gut beschrieben. Den beiden Wissenschaftlerinnen ist es trotzdem sehr gut gelungen, dem Publikum neue Einblicke in das Leben von Diebitschs zu ermöglichen. Der von maurischen Stilelementen faszinierte Preuße wollte nicht nur orientalisch bauen. Von ihm gestaltete Möbelstücke, darunter ein Beistelltisch und ein Nähtischchen, deren filigrane Intarsien orientalisch anmuten, sind ebenfalls zu sehen.
Mit Schrifttafeln, vor allem aber dank originalen Zeichnungen und Skizzen Diebitschs, erfährt das Publikum, wie er gemeinsam mit seinem guten Bekannten Wilhelm Gentz sechs Monate lang die gewaltige Festung Alhambra in Südspanien studierte. Gentz, der vielfach nur "der Orientmaler" genannt wird, und Diebitsch war die Liebe zur maurischen Formensprache gemein. Die in jenem orientalischen Stil errichtete Alhambra eignete sich ideal als Studienobjekt. Diebitsch zeichnete die geometrischen Figuren auf, nahm teilweise auch direkt Abdrücke von der Fassade mit ihren Rad- und Rautenmotiven. Bei alledem sei Diebitsch nicht nur ein sehr umfassender, sondern auch der bis dahin einzige preußische Architekt gewesen, der die Alhambra studiert habe, lobt Kreibich.
Keine öffentlichen Geldgeber
Sehr gern hätte Diebitsch auch in Berlin Börse, Dom und Rathaus im maurischen Stil errichtet. Doch die öffentlichen Geldgeber wollten das so Andersartige nicht. Seine Entwürfe wurden abgelehnt. Ganz anders betrachteten finanzstarke Privatleute seine Baukunst. So errichtete Diebitsch in Kairo, wo er seit 1862 bis zu seinem Tod 1869 lebte, unter anderem die Villa Oppenheim und die Villa Goebel.
Besonderen Gefallen an Diebtischs Architektur hatte der ägyptische Vizekönig Ismail Pascha gefunden. In dessen Auftrag gestaltete er unter anderem den Palast für Premierminister Nubar Pascha.
Wer in Deutschland Diebitschs Baukunst besichtigen möchte, erhält dazu unter anderem Gelegenheit mit dem Maurischen Kiosk im bayerischen Schloss Linderhof, oder aber mit dem Badekabinett des Dresdener Schlosses Albrechtsberg. Das Herrenhaus des Gutes Gentzrode aber stammt, anders als der Speicher, nicht von Diebitsch. Es wurde von Martin Gropius und Heino Schmieden entworfen.
Kreibich und Zimmermann empfehlen Ausstellungsbesuchern, sich im Anschluss den nahegelegenen Tempelgarten anzuschauen. Die kleine idyllische Parkanlage mit Tempel, ästhetisch durchbrochener Mauer und Gaststätten-Altbau befinde sich auch dank des Tempelgarten-Vereins wieder weitgehend im Zustand aus Diebitschs Zeiten.

Vor allem private Spuren des Orients


1819 in Liegnitz geboren, sah Carl von Diebitsch seine Zukunft zunächst beim Militär.

Seine Ausbildung an der Potsdamer Kadettenanstalt brach er 1839 ab, um an der Berliner Bauakademie Architektur zu studieren.

In Südeuropa und Nordafrika, nicht zuletzt in Südspanien beim intensiven Studium der Alhambra, faszinierten ihn maurische Elemente.

Bewerbungen um den Bau großer öffentlicher Gebäude im maurischen Stil in Preußen scheiterten, doch er hinterließ eine Vielzahl privater Bauten, darunter auch den Neuruppiner Tempelgarten und den Kornspeicher Gentzrode. hr